# taz.de -- Hamburger Affäre um Freikarten: Zweiter Stones-Prozess rollt an
       
       > Juristische Aufklärung geht weiter: Eine SPD-Politikerin und damals
       > designierte Bezirksamtsleiterin in Hamburg-Nord soll Freikarten
       > angenommen haben.
       
 (IMG) Bild: Zunge raus: Bühne fürs Stones-Konzert 2017 im Hamburger Stadtpark
       
       Hamburg taz | Nach langer Stille kommt in der [1][Freikartenaffäre um das
       Rolling-Stones-Konzert] im September 2017 in Hamburg wieder etwas
       juristische Bewegung: Kommenden Freitag beginnt der zweite Prozess.
       Angeklagt ist in diesem Verfahren die Hamburger SPD-Politikerin und
       damalige designierte Leiterin des Bezirksamts Hamburg-Nord, Yvonne Nische.
       Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Vorteilsnahme vor; zudem soll sie „die
       nicht genehmigungsfähige Inanspruchnahme weiterer Freikarten durch vier
       Bezirksamtsmitarbeiter als deren Dienstvorgesetzte geduldet haben“.
       
       Die Freikartenaffäre hatte den Eindruck eines ganzen Molochs aus Korruption
       und Bestechlichkeit im Hamburger Bezirk Nord erweckt – [2][besonders durch
       SPD-Politiker:innen.] Zwei Monate nach dem Konzert durchsuchte plötzlich
       die Staatsanwaltschaft Räume des Bezirksamts und des Konzertveranstalters
       FKP-Scorpio. Anlass dazu gab die dem Konzert vorhergehende Genehmigung für
       das Konzert. Im Gegenzug für Kauf- und Freikarten soll das Bezirksamt Nord
       sie dem Veranstalter erteilt haben – es habe allerdings statt der üblichen
       rund 600.000 Euro nur 205.000 Euro Nutzungsgebühr dafür verlangt.
       
       [3][Angeleiert haben soll den Deal Harald Rösler (SPD)], den die am Freitag
       vor Gericht stehende Nische eigentlich im Amt nachfolgen sollte. Rösler ist
       mittlerweile altersbedingt in Pension. Gegen Rösler war schon vor knapp
       eineinhalb Jahren Anklage erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm
       Vorteilsgewährung in 39 Fällen und Bestechung in vier Fällen vor, dazu noch
       das Verleiten eines Untergebenen zu einer Straftat sowie Untreue im
       besonders schweren Fall.
       
       Doch noch immer, auch wegen der Pandemie, ist für ihn noch keine
       Verhandlung terminiert. Die am Freitag vor dem Amtsgericht stehende Nische,
       die Dezernatsleiterin im Bezirksamt war, soll zwei dieser Freikarten im
       Wert von rund 360 Euro genommen haben.
       
       Der erste Prozess, der aus der Affäre folgte, endete mit einem recht harten
       Urteil: 2019 war Elke Badde (SPD), ehemalige Staatssekretärin von
       Ex-Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD), zu einer Geldstrafe von über
       20.000 Euro verurteilt worden. Auch ihr warf die Staatsanwaltschaft
       Vorteilsnahme vor; Badde legte Berufung gegen das Urteil ein.
       
       Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft bislang Ermittlungen gegen 56 Personen
       geführt, einige weitere Prozesse könnten also noch folgen.
       
       1 Aug 2021
       
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