# taz.de -- Diskussion um Wahlprogramm: Bewährungsprobe für die Linke
       
       > Die Linke beschließt am Wochenende ihr Wahlprogramm. Im Fokus steht die
       > Partei. Raufen sich die Genoss:innen zusammen oder weiter
       > untereinander?
       
 (IMG) Bild: Zeigen sie den Ausweg aus der Krise? Linken-Parteichefinnen Hennig-Wellsow (l.) und Wissler
       
       Berlin taz | Wenn die 580 Delegierten der Linkspartei sich am Samstag zum
       Onlineparteitag treffen, haben sie starke Konkurrenz: Am Abend spielt
       Deutschland gegen Portugal. Das mag mancher Genoss:in gar nicht so
       ungelegen kommen, denn an medialer Aufmerksamkeit hat es der Linken in den
       vergangenen zwei Wochen nicht gefehlt. Erst [1][die Wahlschlappe in
       Sachsen-Anhalt], dann der Streit im Saarland, wo Oskar Lafontaine zum
       Wahlboykott der eigenen Partei aufruft. Und schließlich der Antrag auf
       Parteiausschluss von Sahra Wagenknecht. Alles nicht prickelnd.
       
       Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler, der auch den Wahlkampf managt, weiß,
       dass es so nicht weitergeht. „Wir müssen mit diesem Parteitag das Signal
       setzen, dass wir uns nicht mit uns selbst, sondern mit den Anliegen der
       Wähler:innen und einem konsequenten Politikwechsel beschäftigen“, sagte
       er der taz im Vorfeld.
       
       Wie sich die Linkspartei einen Politikwechsel vorstellt, beschreibt [2][der
       Entwurf des Wahlprogramms] „Für soziale Sicherheit, Frieden und
       Klimagerechtigkeit!“. Neun Stunden nimmt sich die Partei Zeit, über den
       Entwurf zu diskutieren. Über 1.000 Änderungsanträge sind im Vorfeld
       eingegangen, die der Vorstand teils schon eingearbeitet hat. Gut 90 werden
       auf dem Parteitag noch behandelt werden können.
       
       Heiße Debatten wird es wohl zum Punkt Klimagerechtigkeit geben. Die Linke
       will laut Entwurf ein klimaneutrales Deutschland bis 2035. Verschiedene
       Antragssteller:innen wollen hier schärfere Ziele. Die Linksjugend etwa
       fordert einen CO2-Preis von 180 Euro pro Tonne. Die Partei lehnt
       CO2-Bepreisung bislang ab.
       
       ## Selbstbewusst im Osten
       
       Auch das Thema Außenpolitik steht erneut im Fokus. Neben den üblichen
       forschen Anträgen für einen sofortigen Austritt Deutschlands aus der Nato
       und der Auflösung der Bundeswehr, gibt es auch Antragsteller:innen,
       die einen mäßigenden Ton anschlagen. Demnach soll die Linke nur noch
       Bundeswehreinsätze ohne UN-Mandat ablehnen, fordert etwa der Kreisverband
       Allgäu.
       
       Beide Positionen haben wohl wenig Chancen auf Erfolg, heißt es aus der
       Partei. Stattdessen arbeite man an einem Konsens, nach dem sich die Linke
       auf ihr Grundsatzprogramm – Auflösung der Nato, Nein zu allen
       Kampfeinsätzen – aber auch dezidiert auf das Völkerrecht stütze. Das hieße,
       dass die Linke künftig auch völkerrichtswidrige Aktionen, wie die Annexion
       der Krim durch Russland, klar verurteilen müsste.
       
       Angesichts der mauen Wahlergebnisse im Osten will Parteichefin Susanne
       Hennig-Wellsow im Verbund mit anderen ostdeutschen Politiker:innen das
       Kapitel über Ostdeutschland stärker gewichten und reicht einen komplett
       umgeschriebenen Vorschlag ein. Das fängt schon bei der Überschrift an:
       „Selbstbewusster Osten.“
       
       ## Regieren – ja, nein oder jein
       
       Über das Thema Regierungsbeteiligung kann man sich in der Linken trefflich
       streiten. Auch auf diesem Parteitag hat die Antikapitalistische Linke
       wieder einen Antrag vorgelegt, der die Partei auf die Oppositionsrolle
       festlegt: „Kein Kuhhandel um einzelne politische Forderungen, nur um an
       einer Regierung beteiligt zu sein.“
       
       Demgegenüber nennt der Berliner Kreisverband Neukölln fünf Bedingungen,
       unter denen die Linke regieren sollte. Dazu zählen etwa ein bundesweiter
       Mietendeckel, ein Mindestlohn von 13 Euro und Abrüstung statt Aufrüstung.
       Interessant ist die Formulierung: „Wir sind kompromissbereit bei der Länge
       des Schrittes, aber die Richtung muss stimmen.“
       
       Für die in Umfragen schwächelnde Partei geht es nun vor allem darum, im
       Bundestag zu bleiben – und damit im Spiel. Das hat sie mit der deutschen
       Nationalmanschaft gemein.
       
       18 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Linke-und-SPD-in-Sachsen-Anhalt/!5773118
 (DIR) [2] https://www.die-linke.de/wahlen/wahlprogrammentwurf-2021/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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