# taz.de -- Das taz lab im Live-Ticker: Wieso Hennig-Wellsow links ist
       
       > Susanne Hennig-Wellsow spricht über ihren Weg in die Politik, Per Leo
       > erklärt, wieso er mit Rechten trinkt. News zum digitalen taz lab.
       
 (IMG) Bild: Mit Blumenstrauß auf dem taz lab: Die Bundesvorsitzende der Linkspartei Susanne Hennig-Wellsow
       
       ## Die Grenzen der Meinungsfreiheit
       
       20.00 Uhr: „Soziale Medien bilden heute die fünfte Säule der
       Gewaltenteilung. Der gesellschaftliche und politische Diskurs ist
       weitestgehend in die digitalen Medien verlagert.“ Mit diesen Worten
       eröffnet [1][taz-lab-Redakteurin Anastasia Tikhomirova] die
       Podiumsdiskussion “Dissen ohne Dissens“. Zwar biete das Internet einen ganz
       neuen Raum für den gesellschaftlichen und politischen Diskurs.
       
       Die kontroverse Debatte endet jedoch dort, wo Hass, Hetze und Morddrohungen
       die Überhand nehmen. „Das betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, das
       trifft auch unsere Demokratie. Wir verlieren Menschen für die Demokratie“,
       sagt [2][Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen], die
       selbst von Hate Speech im Internet betroffen ist.
       
       Am Anfang habe sie digitale Gewalt weggeschoben, auf die Stimmen gehört,
       die ihr sagten, das gehöre zum Job. „Man denkt, du bist so stark, dass kann
       dich nicht aus der Bahn bringen. Aber das macht doch etwas mit einem“, sagt
       Lang, „Digitale und analoge Gewalt lassen sich nicht trennen.
       
       Das ist keine Parallelwelt, das ist die Realität.“ Am Ende haben viele
       Betroffene Angst weiterzumachen. Sie selbst habe schon vor
       Pressekonferenzen gestanden und überlegt: „Wie radikal formuliere ich das?
       Wie viel Hate Speech kann ich gerade ertragen?“
       
       Es sei [3][kein Zufall, dass Frauen von Hate Speech besonders betroffen]
       sind. Digitale Gewalt gehe nicht selten von der rechten Szene aus, der
       starke Frauen und People of Color ein Dorn im Auge sind. Lang wisse aus
       ihrer Parteikarriere, dass männliche Kollegen oft allgemeiner angegriffen
       werden. Da heißt es zum Beispiel: „Die Grünen sind scheiße.“ Sie selbst sei
       vor allem mit persönlichen Angriffen konfrontiert, mit Mord- und
       Vergewaltigungsdrohungen.
       
       Der [4][Rechtswissenschaftler Jörn Reinhardt] beschäftigt sich mit diesem
       Thema – und Lösungen. „Die Verschärfung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes
       ist da ein gutes Werkzeug“, sagt er. „Das besagt, dass Plattformen Inhalte
       nicht nur in sehr kurzer Zeit löschen, sondern auch zur Anzeige beim
       Bundeskriminalamt bringen müssen.“ Dann würden sie strafrechtlich verfolgt.
       
       In der Praxis klappe das aber oft weniger gut: Wo die Grenzen der
       Meinungsfreiheit liegen, ist schwer zu definieren. Vielerorts ist die
       Polizei nicht ausreichend geschult und ausgestattet oder erkenne nicht die
       Bedeutung digitaler Hetze. „Ich glaube, der direkteste Angriffspunkt ist,
       dass wir Organisationen und Institutionen in diesem Bereich stärker
       unterstützen“, schlägt Ricarda Lang vor und verweist auf die vielen
       Nichtregierungsorganisationen, die in diesem Themenfeld aktiv sind. (tow)
       
       ## Die taz auf stabiler See
       
       19.40 Uhr: Das beste aus einem digitalen taz lab rauszuholen: Mit diesem
       Ziel ist das gesamte Team angetreten. Auch wenn der Blick in das Publikum –
       und damit die direkten Reaktionen – dieses Jahr leider ausbleibt, lassen
       die Kommentare und Rückmeldungen darauf schließen: Das Ziel wurde erreicht.
       
       Ein Fazit ziehen bei „We’ll Meet Again“ die [5][Moderator:innen Simone
       Schmollack] und [6][Jan Feddersen] zusammen mit den
       Geschäftsführer:innen Aline Lüllmann, Andreas Bull und Andreas
       Marggraf. So ist man sich einig, dass [7][das diesjährige taz lab] zwar
       anstrengend – aber vor allem wahnsinnig bereichernd war. Das digitale
       Wechseln zwischen den Veranstaltungen hat einen größeren Einblick in
       verschiedene Themen und Vorträge ermöglicht.
       
       Die Online-Veranstaltung bedeutet jedoch, dass die Pandemie noch immer
       nicht überstanden ist. Und dieser Extremsituation muss sich auch die taz
       weiterhin stellen. „Im Kosmos der taz, in dem wir uns bewegen, geht es uns
       ausgezeichnet. [8][Im Marktumfeld sind wir aber noch ein sehr kleiner
       Teilnehmer]“, sagt Andreas Bull, „Dafür sind wir sehr laut.“ Großen
       Nachholbedarf sieht er bei den Gehältern.
       
       Jan Feddersen fasst die aktuelle Lage so zusammen: „Wir segeln über stabile
       See mit interessanten Winden, aber es könnte stürmischer werden.“ (lak)
       
       ## Rakete 2000 – mal anders gut
       
       19.30 Uhr: Gibt es etwas Schöneres als eine Lesebühne? Für viele kaum.
       Dennoch musste sie sich in den letzten 13 Monaten in die Liste von Dingen
       einreihen, die wir aktuell vermissen. Gleich hinter Fitnessstudios und
       Kinos, zwischen Festivals und Familientreffen. [9][Die Lesebühne „Rakete
       2000“] wirkt beim diesjährigen taz lab wie immer: r[10][adio
       eins-Kolumnistin und Autorin Lea Streisand] und [11][taz-lab-Redakteurin
       Mareike Barmeyer] lesen ihre Texte aus dem gewohnten „Rakete 2000-Setting“,
       dem Zimmer 16.
       
       Dabei erzählen sie von kleinen und großen Dramen ihres Alltags, von einer
       kaputten Waschmaschine, videotelefonierenden Schwiegereltern oder einer
       Busfahrt, die dank der aktuellen von Langeweile geprägten Situation zum
       “Event des Jahres“ wurde. (ans)
       
       ## Jüdisches Leben in Deutschland und seine Sichtbarkeit
       
       18.40 Uhr: Mit den sogenannten [12][„Kontingentflüchtlingen“ aus der
       ehemaligen Sowjetunion] sollte in den Neunzigern das jüdische Leben in
       Deutschland wieder aufblühen. Dreißig Jahre später streben mehrere
       Kampagnen weiter nach Normalität für jüdische Gemeinden und fordern
       kulturelle und religiöse Integration auch im Alltag und in der Sprache.
       Doch kann es so etwas wie Normalität jemals geben?
       
       Ein Problem zeichnet sich in der Podiumsdiskussion „Hauptsache es dient der
       Wiedergutmachung“ mit der [13][Soziologin Darja Klingenberg] und der
       [14][Studentin Avital Grinberg], moderiert von [15][taz-Redakteurin Erica
       Zingher], heraus: Entweder manche Gemeinden bleiben weiter unsichtbar oder
       sie werden mit zu viel Nachdruck sichtbar gemacht. Und das stellt ebenfalls
       das Gegenteil von Normalität dar.
       
       Klingenberg hält fest, dass Normalität in den Alltagsbegegnungen fehle und
       fordert: „Die deutsche Mehrheitsgesellschaft muss sich mit der Vielfalt von
       jüdischem Leben auseinandersetzen.“ Und Avital Grinberg, Studentin in
       Jerusalem und im Vorstand der „World Union of Jewish Students“ kritisiert,
       dass es „eine vorbildliche Form von Migration, vom Staat gewünscht“ gibt.
       (lij)
       
       ## „Schwurbler“ gegen „Schlafschafe“
       
       18.40 Uhr: Schon in der Geschichte haben P[16][andemien als Nährboden für
       Verschwörungstheorien], Antisemitismus, Rassismus und
       verschwörungsideologischen Bewegungen gedient. Mit der Corona-Pandemie
       verstärkt sich radikalisierte Wissenschaftsfeindlichkeit.
       
       “Ein Drittel der Menschen in Deutschland hat die Tendenz, an
       Verschwörungstheorien zu glauben“, sagt d[17][ie Psychologin Pia Lamberty]
       bei der Podiumsdiskussion “Schwurbler“ gegen “Schlafschafe“. Dieser
       Verschwörungsglaube habe eine Identifikationsfunktion. Denn: „Menschen
       können sich damit über andere erheben“, sagt sie. (lij)
       
       ## Neuer Streit über ferngesteuerte Waffen
       
       18.30 Uhr: Warum haben Kampfdrohnen einen derart negatives Image? Das
       Problem liege im Misstrauen in die politischen Entscheider:innen und
       die Bundeswehr, sagt [18][Karl-Heinz Brunner von der SPD]. Im Bundestag ist
       er Obmann des Unterausschusses Abrüstung, Rüstungskontrolle und
       Nichtverbreitung.
       
       [19][Ulrike Franke vom „European Council of Foreign Relations“] stellt
       fest: “Die Debatte ist eigentlich nicht schwierig.“ Nukleare Teilhabe und
       [20][automatisierte Waffensysteme] würden uns erst in den nächsten Jahren
       erwarten. Deshalb sollten wir uns nicht an der Drohnendebatte aufhängen,
       findet sie.
       
       Franke hob außerdem den Nutzen der Systeme hervor: “Richtig eingesetzt
       können bewaffnete Drohnen präziser sein als bemannte Systeme.“ Sie halte
       Beobachtungsdrohnen und zum Teil auch bewaffnete Drohnen zum Schutz der
       Soldatinnen und Soldaten bei richtigem Einsatz für notwendig. (piw)
       
       ## Zwischen Scholz und den Grünen könnte es passen
       
       18.25 Uhr: „Ja!“ So lautet Olaf Scholz' (SPD) Antwort im taz lab auf die
       Frage von taz-Korrespondent Stefan Reinecke, ob der Bundesminister der
       Finanzen glaube, die Bundeskanzler:innenwahl gewinnen zu können.
       
       [21][Dass das Wahlprogramm der SPD sehr nah an dem der Grünen sei, sieht
       Scholz dabei nicht als Widerspruch.] Im Gegenteil: Er wolle eine Regierung
       mit den Grünen bilden und somit ergebe es Sinn, dass die Parteien trotz
       ihrer Unterschiede viele Schnittmengen haben.
       
       Für Scholz muss es zusammenpassen, denn der Politik stünden große Aufgaben
       bevor, das wurde in der Diskussion mit taz-Wirtschaftskorrespondentin
       Ulrike Herrmann. Dabei komme es auch darauf an, wie man diese angehe, so
       der Vizekanzler. „[22][Für Windkraft sein], aber keine Windkraftwerke
       genehmigen ist kein gutes Konzept und das unterscheidet uns von anderen.
       Zumindest haben sozialdemokratisch geführte Regierungen mehr
       Windkraftanlagen genehmigt als grün-geführte.“ (kaj)
       
       ## Saufen, aber kein Sex
       
       18.20 Uhr: [23][Stefan Kleies Erfahrungen mit Rechten] begannen mit der
       Recherche für einen Artikel. “Ich war wandern mit denen, ohne je selber
       rechts zu sein. Und ich habe auch gesagt, ich gucke mir das nur an. Aber
       dann begann diese kognitive Dissonanz“, sagt der Journalist Kleie.
       
       Bei Per Leo, dem Co-Autor von „Mit Rechten reden“ ist der Kontakt [24][aus
       seiner extremen Neugierde entstanden]. “Und so hab ich Streifzüge durchs
       rechte Milieu gemacht“, erzählt er. “Aber hast du denn wirklich mit denen
       gesoffen?“, hakt [25][Moderatorin Silke Burmester] nach. “Gesoffen würde
       ich nicht sagen, aber ja, ich habe Alkohol konsumiert mit Vertretern der
       Neuen Rechten.“
       
       Bis zum Äußersten sei er nicht gegangen. “Das da wäre?“, sagt Burmester.
       “Sex!“, sagt Per Leo und lacht. Im Cornershop diskutieren Burmester und
       ihre Gäste Stefan Kleie und Per Leo ihre Erfahrungen mit Rechten, die
       Entmystifizierung dieser, das Innenleben von Pegida, wie man mit Rechten
       redet und diese dabei ordentlich ins Schwitzen bringt. (ans)
       
       ## Blumen gegen Kemmerich
       
       17.55 Uhr: Mit „Die Geste des Jahrhunderts“ ist das Gespräch von
       taz-Redakteur Jan Feddersen mit Susanne Hennig-Wellsow, der
       Bundesvorsitzenden der Linkspartei und ehemaligen Fraktionsvorsitzenden in
       Thüringen, überschrieben.
       
       Gemeint ist der Moment, [26][als Hennig-Wellsow dem FDP-Politiker Thomas
       Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße warf], nachdem sich dieser mit
       AfD-Stimmen zum Thüringer Ministerpräsident hatte wählen lassen. Wie sie
       sich dabei gefühlt hat, wollen die Zuschauer:innen wissen. „Das war ein
       wildes Potpourri aus Wut, Enttäuschung, Schock, auch Verachtung“, sagt
       Hennig-Wellsow – ein gefühlsmäßiger Ausnahmezustand, „Alles, was ich da
       gefühlt habe, war sehr politisch motiviert.“
       
       Hennig-Wellsow spricht auch über ihr Aufwachsen in der DDR, über die
       Wendezeit und ihren Weg in die Politik. Relativ spät, mit Mitte 20, trat
       sie der Partei bei. Links sei sie schon vorher gewesen, sagt Hennig-Wellsow
       und beschreibt einen Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald in der 5. Klasse
       als einschneidendes Erlebnis: „Das hat mich dermaßen tief gegriffen, dass
       es meine konsequente antifaschistische Haltung bis heute prägt.“
       
       Als Politikerin wolle sie gestalten. „Ich habe das große Glück gehabt,
       sechs Jahre eine Regierung zu führen und zu erfahren, dass man als Linke in
       einer Regierung gesellschaftliche Veränderungen erreichen kann“, sagt
       Hennig-Wellsow. Das sei für sie auch die Erfahrung gewesen „im tiefsten
       Inneren zu begreifen, was es bedeutet, Demokratie zu leben.“ (alw)
       
       ## Soziologe Heinz Bude: Corona ist nur der Anfang
       
       17.50 Uhr: “Die Corona-Pandemie ist das Beginn-Ereignis einer ganzen
       Extremereignis-Periode, die uns noch bevorsteht“, sagt Heinz Bude,
       Soziologe und Teil der Arbeitsgruppe “No Covid“. Im Gespräch mit
       taz-Chefredakteurin Barbara Junge seziert er die aktuell herrschende
       Stimmung in der Bevölkerung.
       
       Bude sagt, es herrsche eine unterschwellige Angst, dass ein gemeinsames
       Leben nicht aufrechterhalten werden könne. Außerdem sprechen die beiden
       darüber, wie soziale Ungleichheiten durch die Pandemie verstärkt werden und
       wie die post-pandemische Welt aussehen könnte. (kaj)
       
       ## Mit Shirts für mehr Selbstwert
       
       17.45 Uhr: „Die [27][Sexualisierung des weiblichen Körpers] basiert auf der
       Zuordnung des Geschlechts. Das ist nicht biologisch begründbar, sondern
       sozial konstruiert“, sagt Lina Lotte Richert. Sie ist Gründerin des
       feministischen und fairen Fashion-Labels „nofretitty“. Mit Shirts, auf
       denen nackte weibliche Brüste und Nippel abgedruckt sind, wolle sie für
       deren Desexualisierung einstehen, sagt sie im „Cornershop“-Stream.
       
       Wieso sie sich für den Namen „nofretitty“ entschieden hat? Sie lächelt, als
       sie den Wortwitz aus dem Englischen „no free titty“ und Nofretete erklärt:
       „Der Name bedeutet ‚Die Schöne ist gekommen.‘ Und ich finde, dass das mehr
       als nur passt, schließlich sind alle Frauen schön und ich will, dass sie
       das auch so sehen können.“ (ans)
       
       ## Joschka Fischer über das neue Potential der Grünen
       
       17.30 Uhr: „Wir Grünen haben ein Riesenglück mit diesem Duo“, sagt
       [28][Grünen-Urgestein Joschka Fischer] zu taz-Chefreporter Peter Unfried
       bei „Kann Deutschland Zukunftspolitik?“ und bezieht sich damit auf die
       beiden Vorsitzenden der Partei, Annalena Baerbock und Robert Habeck. Ob
       Baerbock als Kandidatin den Kampf ums Kanzleramt gewinnen könne? Fischer
       antwortet nur knapp: „Ich wünsche es mir sehr.“
       
       Es gehe nicht darum, dass man in Zeiten der Klimakatastrophe Politik für
       sich selbst mache oder sich in einer Wahlnacht inszeniere und feiere, sagt
       Joschka Fischer. Damit verkenne man die reale Gefahr der Situation. Er
       betont: „Wir müssen mit dem ökologischen Umbau, dem Klimaschutz und auch
       mit sozialen Fragen Ernst machen.“
       
       Der ehemalige Vizekanzler und Außenminister der Bundesrepublik warnt vor
       gefährlichen Entwicklungen in verschiedenen Gegenden weltweit: Die
       Diskussionen zwischen den USA und China um Taiwan sowie [29][die jüngsten
       Entwicklungen in der Ostukraine] seien höchst besorgniserregend.
       
       Fischer sagt, für Deutschland gehe es vor allem wieder um mehr
       Investitionen in Europa. Es gelte nun, neue Standards zu setzen, auch um
       gegenüber [30][aufsteigenden Großmächten wie China] wettbewerbsfähig und –
       als Europa – ein Machtfaktor zu bleiben. (sir)
       
       ## Angela Richter über das Image von Whistleblowern
       
       17.25 Uhr: Wie kann das Verhalten der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit
       [31][Whistleblowern wie Julian Assange] der Edward Snowden bewertet werden?
       Darüber reflektiert die Veranstaltung “Solidarität mit Whistleblowern“,
       geführt von Michael Sontheimer, Mitglied der taz Panter Stiftung, mit
       Angela Richter.
       
       Die Regisseurin hat Julian Assange bei einem Interview in der
       ecuadorianischen Botschaft in London kennengelernt. Sie sagt: “Er
       entspricht überhaupt nicht dem Bild des narzisstischen Egomanen, das die
       Presse von ihm zeichnet.“
       
       “Man hat den Scheinwerfer von den durch ihn aufgedeckten Kriegsverbrechen
       stattdessen auf seine Person gerichtet“, sagt Richter. Die Heuchelei
       westlicher Mächte werde deutlich, wenn man die Behandlung von Snowden und
       Assange mit dem aktuellen Fall Navalny vergleiche. (piw)
       
       ## Was heißt eigentlich „Verzicht“?
       
       17.20 Uhr: [32][Jann-Luca Künßberg] wendet sich der „Ästhetik der Askese“
       zu und diskutiert darüber mit [33][Ulf Poschardt, dem Chefredakteur der
       „Welt“] und dem [34][Umweltökonomen Niko Paech]. Am Anfang wird die Frage
       in den Raum geworfen, ob Verzicht nicht der Genussfähigkeit gleich gesetzt
       werden kann, und stellt die Zuschauer:innen so vor ein
       Gedankenexperiment.
       
       Verzicht sei eine bürgerliche Tugend, betont Poschardt, eine Form des
       Bewusstseins im Konsum, die er als wichtig ansieht. Denn „die vornehmste
       Form des Konsums ist der Verzicht“, sagt er. Paech hingegen lehnt den
       Begriff des Verzichts grundsätzlich ab: „Der Begriff ist so unnötig“. Er
       sieht es kritisch, „sich das Recht herauszunehmen, andere sollten es tun“.
       Das führe dazu, dass eine ökologische Grundlage verloren gehe. (roz)
       
       ## Das bietet das Internet abseits der Tech-Giganten
       
       17.10 Uhr: “Unsere Gegenwart besteht aus privatisierten Märkten“, sagt
       [35][der Soziologe Philipp Staab] im Talk über digitalen Kapitalismus, „Und
       unsere Welt wird [36][dominiert von den bekannten Tech-Giganten].“ Sich
       diesen zu entziehen, ist schwer: “Es ist nicht immer eine freie
       Entscheidung von Menschen, welche Firmen sie unterstützen“, sagt
       [37][Carina Lüschen], Doktorandin der Kunst- und Bildwissenschaften und DJ.
       „Außerdem gibt es finanzielle und bildungspolitische Unterschiede. Diese
       Aspekte werden oft nicht bedacht.“
       
       [38][Taz-lab-Redakteurin Shayna Bhalla] will mehr zu Perspektiven und
       Schwierigkeiten wissen. [39][Ela Kagel, Digitalstrategin] und
       Geschäftsführerin von Supermarkt Berlin, eines Community-Hubs für Digitale
       Kultur und Alternative Ökonomien, sagt zur Zukunft des kommerziellen
       Internets: “Da gibt es viele Meilensteine, die noch vor uns liegen.“ (kaj)
       
       ## Bagatellisiert postkoloniale Theorie die Shoah?
       
       16.50 Uhr: In der Diskussion um eine mögliche [40][Verharmlosung des
       Holocausts durch postkoloniale Theorie] sagt Steffen Klävers bei
       „Decolonize Auschwitz: Wider und Für“: „Das sind Aufrechnungen, die stets
       moralisch argumentieren und darum sollte es nicht gehen.“
       
       Der Forscher zeichnet im 'Cornershop’-Stream [41][mit taz-lab-Kurator Jan
       Feddersen] die Entwicklung des modernen Antisemitismus nach und
       verdeutlicht so die Unterschiedlichkeit von Rassismus bzw. Kolonialismus
       und Antisemitismus. „Das Problem ist: Der allgemeine Rassismusbegriff kann
       den spezifischen Charakter des Antisemitismus nicht erfassen“, sagt
       Klävers. (jom)
       
       ## Umweltaktivismus in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion
       
       16.40 Uhr: Umweltaktivismus ist in ehemaligen Ländern der Sowjetunion ein
       schwieriges Thema. Aktivist:innen werden regelmäßig von Regierungen
       unter Druck gesetzt. Alexandra Koroleva, Vorsitzende von [42][„Ecodefense“,
       einer der ältesten russischen Umweltschutzorganisationen], berichtet mit
       der Umweltaktivistin Farida Sharifullina im Talk „Fridays for Future ist
       Zukunftsmusik“ von der aktuellen Situation und bisherigen umweltpolitischen
       Erfolgen. Moderiert und übersetzt wird die auf Russisch abgehaltene
       Veranstaltung von den taz-lab-Redakteur:innen [43][Tigran Petrosyan] und
       [44][Anastasia Tikhomirova].
       
       „Wie soll in einem Land wie Russland eine Fridays for Future-Bewegung
       entstehen, wenn die Regierung nicht davor zurückschreckt, sich gegen die
       eigene Bevölkerung zu stellen und Demonstrationen unter massiver
       staatlicher Gewaltanwendung aufzulösen“ sagt Alexsandra Koroleva und
       verweist auf mehr als [45][11.000 Festnahmen bei den Protesten im Januar]
       gegen die Inhaftierung Nawalnys. „In einem so repressiven Land gibt es
       größere Probleme als das Klima.“
       
       Sharifullina wünscht sich mehr Aufmerksamkeit von europäischer und speziell
       deutscher Seite: Themen wie Klimawandel und -aktivismus bräuchten vor allem
       in Ländern wie Usbekistan mehr Sichtbarkeit durch die Presse. (rom)
       
       ## Ein Kampf gegen dramatische Umstände
       
       16.35 Uhr: [46][Die Lage für geflüchtete Menschen an den europäischen
       Außengrenzen ist schlimmer denn je.] Karolina, die für die kroatische
       Organisation 'Are You Syrious’ arbeitet, spricht mit [47][taz-Redakteur
       Christian Jakob] über illegale Pushbacks in Osteuropa. An der kroatischen
       Küste seien Misshandlung und Gewalt gegen Flüchtende an der Tagesordnung.
       “Das sind undokumentierte, gewaltsame Praktiken, die auch heute passieren.“
       
       Die Investigativjournalistin Sally Hayden berichtet von [48][unerträglichen
       Zuständen in libyschen Lagern]. Seit 2017 unterstützt die EU die libysche
       Küstenwache, um Menschen abzuhalten, das Mittelmeer zu überqueren. Und Erik
       Marquardt, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Grünen, stellt
       fest: “Ich glaube, dass die Asylpolitik die Verbindung zum Gesetz verloren
       hat.“
       
       Ereignisse werden seitens der EU verleugnet, ironischerweise werde zugleich
       versucht, diese zu legalisieren, sagt Marquardt. Sein Fazit: “Wir haben
       jeden Grund, weiterzukämpfen und die Gesellschaft zu informieren, um ihre
       Meinung zu ändern.“ (piw)
       
       ## Hitzige Diskussion über Wachstum
       
       16.30 Uhr: In der Sache geeint, in der Umsetzung getrennt: Unter dem Titel
       „Wachstum oder kein Wachstum?“ diskutieren die [49][Politökonomin Maja
       Göpel] und der langjährige [50][Chef der Heinrich-Böll-Stiftung Ralf Fücks]
       mit Peter Unfried von der taz über die Zukunftsfrage der Gesellschaft.
       
       Fücks plädiert für dynamisches Wirtschaften und die Entkopplung von
       Wachstum und Ressourcenverbrauch. Er nimmt dabei eine internationale
       Perspektive ein: „Es kommt nicht allein auf Europa an. Die großen
       Wachstumsschübe werden in Asien und Afrika kommen“, sagt er. Maja Göpel
       will Wohlstand anders definieren und kritisiert den Hang zum Wachstum:
       „Dynamik darf nicht nur eine Richtung und beschleunigen bedeuten.“ Sie
       wünscht sich fundamentale gesellschaftliche Reformen. (lak)
       
       ## Wo Widerstand gegen Rechtspopulist*innen funktioniert
       
       15.30 Uhr: Rechtspopulistische Parteien haben in der jüngsten Vergangenheit
       im europäischen Raum eine [51][Phase des Aufschwungs] erlebt – doch mit dem
       Erfolg von rechts macht sich auch Widerstand bemerkbar: Die drei
       Journalist*innen des Recherchenetzwerks „Europe’s Far Right“ Annalisa
       Camilli, Nina Horaczek und Márton Gergely erzählen von der Situation aus
       ihren jeweiligen Berichtsländern Italien, Österreich und Ungarn. Horaczek
       betont die gesunkenen [52][Wählerzahlen der österreichischen FPÖ] bis zu
       Beginn der Pandemie: „Seitdem hat ihr der Widerstand gegen die
       Corona-Maßnahmen sehr geholfen.“
       
       Doch was helfe dagegen, dass sich eine rechte Partei immer stärker
       etabliert, will [53][taz-Redakteur Christian Jakob], Moderator des
       Gesprächs, wissen. Horaczek antwortet: „Aus politikwissenschaftlicher Sicht
       betrachtet, würde ich sagen, dass die Stärke der FPÖ auch die Schwäche der
       anderen Parteien ist.“ (rom)
       
       ## Hassbotschaften aus der Anonymität
       
       15.30 Uhr: Das Internet und die Öffentlichkeit: Nie war es einfacher, mal
       eben Millionen Menschen zu erreichen. Und nie war es einfacher, unter dem
       Mantel der Anonymität [54][Hassbotschaften und Gewaltverherrlichungen] zu
       verbreiten. Doch digitale Gewalt werde nur sporadisch verfolgt. Und wer
       dagegen vorgeht, ist nicht ausreichend geschützt. [55][Meron Mendel], der
       Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, hat das erlebt. „Es kann doch nicht
       sein, dass wir Rechtsradikale nicht anzeigen können, ohne dass unsere
       Privatadresse online gestellt wird.“
       
       Die Gewalt verfolgt Betroffene nicht nur körperlich, sondern auch
       emotional. “Ich musste mein Privatleben sehr umstellen, damit ich auf
       solche Angriffe besser vorbereitet bin“, sagt Mendel. Das habe ihn viele
       schlaflose Nächte gekostet. „Ich kriege bis heute noch Briefe mit
       Hassbotschaften.“
       
       Die [56][Politologin Ferda Ataman] fordert daher härtere Konsequenzen für
       Hassredner*innen. „Maßnahmen müssen gemeinsam mit Betroffenen erarbeitet
       und deren Wirksamkeit ausgewertet werden.“ Außerdem brauche es mehr
       Telefon-Hotlines zur Unterstützung der Opfer rechter Gewalt. Sie findet,
       das Strafrecht müsse grundlegend überarbeitet und an das Internet angepasst
       werden.
       
       Dafür möchte Ataman Plattformbetreiber stärker in die Pflicht nehmen. Es
       könne nicht sein, dass Politiker*innen mundtot gemacht werden: “Fehlen
       diese Stimmen, verlieren wir den Kampf gegen Faschismus. Es ist essentiell
       und die Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Standpunkte äußern.“
       (tow)
       
       ## Diskrepanz der Prozentpunkte
       
       15.20 Uhr: Anna Lehmann lotet im Talk mit [57][Janine Wissler, der
       Co-Vorsitzenden der Linkspartei], differenziert aus, wo die Partei in
       Deutschland steht und warum sie seit vielen Jahren bei sieben bis acht
       Prozent stagniert. Und das, obwohl es scheint, als gäbe es für die Themen
       der Linken eine breitere gesellschaftliche Mehrheit.
       
       Auf Lehmanns Frage, ob den Linken seit einiger Zeit ein wirklicher
       „Gebrauchswert“ fehle, antwortet Wissler: Sie beobachte eine starke
       Resignation, eine Art Schockstarre in der Bevölkerung. Die Rückmeldungen
       seien häufig von Unglaube geprägt: „Ihr habt ja eigentlich recht, aber
       könnt doch auch nichts ändern!“ (sir)
       
       ## Vergessene Geschichte und unpassende Begrifflichkeiten
       
       15.10 Uhr: Versöhnung – ein Begriff der gerade in der deutschen Geschichte
       eine schwierige Tradition hat. Was Versöhnung heißt, dem nähert sich
       taz-Redakteur Jan Feddersen mit der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann
       und [58][dem Soziologen Natan Sznaider] an. Der stellt gleich zu Beginn in
       Frage, ob der Begriff „Versöhnung“, der im Privaten eine große Rolle
       spielt, überhaupt in die Politik passt.
       
       Er entstamme der Zivilgesellschaft, bedeute im Politischen aber etwas
       komplett anderes, sagt Sznaider. „Nach dem 2. Weltkrieg wurde nicht
       vergeben, es wurde vergessen“, sagt [59][Aleida Assmann], „Das neue Europa
       wurde auf dem Vergessen begründet.“
       
       Das habe schon damit angefangen, dass verschiedene Nationen in der Lage
       waren, ihre Geschichte hinter sich zu lassen: „Die Verbrechen Stalins
       wurden vergessen, [60][dass es ein Vichy-Frankreich gab wurde vergessen]“,
       sagt sie. (daz)
       
       ## Wir als digitale Bühne
       
       15.00 Uhr: Der Perfomerin Mira Kandathil gelingt in aufrührender Weise, die
       Zuschauer*innen im „Cornershop“ mit Kunstfiguren durch eine
       Theaterperformance zu führen. „Kunstfiguren transformieren mich“, sagt
       Kandathil.
       
       Ihr Vortrag „Poetik und Politik“ ist selbst eine Performance, und zwar von
       einer Kunstfigur, wie taz-lab-Redakteurin Mareike Barmeyer folgerichtig
       vermutet. Kandathil sagt: „Wir sind selbst unsere Bühne, [61][weil unsere
       Körper schon die Bühne sind].“ (jom)
       
       ## Erinnerungen wecken
       
       15.00 Uhr: Der [62][Künstler Miro Kaygalak] und [63][taz-Redakteurin Nina
       Apin] sprechen bei „Unwanted Memories“ über die Kraft der Kunst für die
       historische Erinnerung. In seiner Installation „Dual-Use“ in Berliner
       U-Bahn-Höfen, hat Kaygalak 2019 die Werbeflächen genutzt und Äpfel
       abgebildet.
       
       Der Apel sei einerseits Konsumgut, mit den Namen getöteter Menschen im
       Irakkrieg versehen, auch ein Erinnerungsträger. Das dort eingesetzte
       Giftgas habe nach Äpfeln gerochen. „Erinnerungen brauchen Trigger“, sagt
       Kaygalak, „und Duftstoffe sind besondere Trigger“.
       
       Mit der Installation „Dem Deutschen Volke“, die er in einen
       Baseballschläger eingraviert hat, macht Kaygalak vielschichtig auf die
       Inanspruchnahme rechter politischer Bewegungen der ganzen Gesellschaft
       aufmerksam. Sein „Herzensprojekt“ sei die Uhr „1915-20:15. Sie erinnert an
       den [64][Genozid der Türken an den Armeniern] am 24. April 1915, jeden Tag
       in einer einzigen Minute. So soll die Erinnerung stärker im Alltag
       verankert und die Zeiteingebundenheit des Menschen symbolisiert werden.
       „Das Asthetische ist allein die Intervention in das Zählwerk“, sagt
       Kaygalak. (jol)
       
       ## Für eine Abkehr von der Opferbezeichnung
       
       14.30 Uhr: „Ich halte überhaupt nichts von der Konstituierung von
       Opfergruppen“, sagt die Ethnologin Susanne Schröter in der
       Podiumsdiskussion „Vielfalt gestalten“.
       
       [65][Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan] antwortet ihr: „Wenn man
       Menschen als Opfer bezeichnet, delegitimiert man im Grunde die
       Beschwerden.“ Zur Rolle des politischen Islams in Deutschland äußert sich
       Schröter vehement: „Das sind Akteure, deren Aktivitäten unserem Grundgesetz
       zuwiderlaufen“. (jom)
       
       ## Schulsystem als Katalysator für verharrende Strukturen
       
       14.20 Uhr: Im „Salon“-Stream widmen sich [66][der Soziologe Aladin
       El-Mafaalani] und die Journalistin Melisa Erkurt im [67][Gespräch mit
       Volkan Ağar] von der taz einem wichtigen Streitthema der Pandemie: „Aber
       die Schulen!“. Dabei diskutieren sie, inwiefern unser Bildungssystem selbst
       als ein Katalysator für gesellschaftliche Ungleichheiten wirken kann.
       
       [68][Melisa Erkurt, Autorin] und selbst ehemalige Lehrerin, sagt: „Schulen
       können soziale Ungleichheit verstärken.“ Im Gespräch warnt El-Mafaalani,
       „wenn die epidemiologische Krise zu Ende ist, fängt die Bildungskrise erst
       richtig an“. (daz)
       
       ## Annalena Baerbock im Gespräch
       
       14.00 Uhr: „Wir sind der Underdog, wir fordern die Union heraus. Wir sind
       überzeugt, es müssen sich Dinge fundamental ändern“, sagt [69][Annalena
       Baerbock, Vorsitzende und Kanzlerinkandidatin der Grünen], selbstbewusst im
       taz lab-Gespräch. Und lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als
       Moderator Ulrich Schulte, Leiter des Parlamentsbüros der taz, immer wieder
       nachbohrt, ob sie sich das Amt zutraut, [70][ob ihre fehlende
       Regierungserfahrung kein Manko sei].
       
       1400 Menschen schauen zu, chatten ungehalten, fordern Inhalte, statt
       Personalien. Nach einer halben Stunde geht dieser Wunsch in Erfüllung: Dann
       dreht sich [71][die Diskussion um das 1,5-Grad-Ziel, umweltschädliche
       Subventionen], um die Erbschaftssteuer.
       
       Baerbock präsentiert sich ambitioniert, aber auch als Realpolitikerin, die
       die Möglichkeiten, Schwierigkeiten und den Ausgleich der Interessen im
       Blick hat. Was ihre erste Amtshandlung als Kanzlerin wäre, will Schulte zum
       Abschluss wissen. „Ein Klimaschutz-Sofortprogramm auf den Weg bringen“,
       sagt Baerbock. Das nehme die Bundesregierung dann mit zum [72][Klimagipfel
       2021 in Glasgow]. (alw)
       
       ## Ostdeutschland in Bewegung
       
       14.00 Uhr: Bei „Ostdeutschland in Bewegung“ spricht [73][die Journalistin
       Julia Lorenz] mit der [74][Autorin Manja Präkels] und [75][Tobias Burdukat,
       Gründer des Dorfs der Jugend,] über die Hin- und Wegzugsdynamiken in
       Ostdeutschland seit den Neunzigerjahren – und das, vor dem Kontext der
       politischen Entwicklung nach rechts. „Ich habe schon versucht, mit Leuten
       was dagegen aufzubauen“, sagt Manja Präkels. Aber aus Perspektivlosigkeit
       sei sie doch gegangen.
       
       [76][Burdukat ist einer von jenen, die geblieben sind, in Sachsen]. Er
       hatte eine kleine Utopie: „Es war immer mein Traum hier in Grimma eine
       besetzte Zeckenbude zu haben, Konzerte zu machen und politische
       Veranstaltungen zu organisieren,“ sagt er.
       
       „Inzwischen kommen die Leute endlich zurück“, sagt Präkels. Bring den
       Leuten die Welt. Man dürfe jedoch nicht naiv sein. „Es gibt Gegenden, da
       würde ich meinen schwarzen Freund nicht mit hinbringen“, sagt sie. Es
       bleibt ein ambivalentes Bild, an das sich Aufbruchshoffnungen heften: “Wir
       sind hier diverser als der Blick aus dem Westen annimmt“, sagt Präkels. Für
       die Zukunft wünscht sich Burdukat Erkenntnisgewinn: „Der Osten braucht ein
       weltoffeneres Weltbild und dafür müssen in der Zivilgesellschaft
       Beteiligungsprozesse etabliert werden.“ (jol)
       
       ## Noch fehlt eine richtige Opposition im Iran
       
       13.40 Uhr: „Der iranische Staatspräsident Rohani ist ein Wasserträger des
       Revolutionsführers Ali Chamenei“, sagt [77][Bahman Nirumand, Germanist,
       Iranist und Autor], in der großen Diskussionsrunde „Islamische Paradoxien“
       mit dem Politikwissenschaftler Michael Lüders, der Künstlerin [78][Parastou
       Forouhar] und der Autorin Charlotte Wiedemann.
       
       Im Talk, moderiert von taz-Redakteur Jannis Hagmann, sagt Wiedemann: „Die
       iranische Bevölkerung weiß, [79][dass die Hauptschuldigen für die Misere im
       eigenen Land sitzen]“. Es mangele jedoch innerhalb der Bevölkerung an
       Einigkeit, um eine organisierte Opposition aufzubauen. (rom)
       
       ## Abseits der Zwänge
       
       13.35 Uhr: „Die Freuden der Unverfügbarkeit“ – Unter diesem poetischen
       Titel tauschen sich der Soziologe Hartmut Rosa und der [80][Umweltökonom
       Niko Paech] darüber aus, wie wir unseren Lebensstil ändern könnten. Und
       [81][taz-Redakteurin Edith Kresta] fragt, warum von dieser Änderung bisher
       so wenig zu sehen ist.
       
       Rosa fordert ein Recht auf Unverfügbarkeit. Dies könne ein Lösungsansatz
       sein, um von „Selbstoptimierungszwang und Wachstumsdogmen“ wegzukommen. Auf
       eine Publikumsfrage stellt Rosa klar: „Mir geht es nicht um Reduktion, wir
       müssen weg von diesem blinden und perversen Zwang.“ Dabei seien
       Avantgardisten wichtig, sagt Niko Paech. Er kenne keinen demokratischen
       Wandel, der nicht von solchen ausgegangen sei. (daz)
       
       ## Schulen in der Coronapandemie
       
       13.20 Uhr: Kurzfristig umplanen, den [82][Unterricht im Hybridmodell]
       doppelt vorbereiten – in der Pandemie sind Lehrkräfte stark gefordert und
       viele Schüler*innen fühlen sich hilflos. Dass in der aktuellen
       Krisensituation nicht alles schlecht ist, stellen die Schulleiter Christof
       Haering und Hannes Ludwig in der Diskussion „Muss man erst schreien, bis
       was passiert?“ mit [83][Anna Lehmann, der Leiterin des
       taz-Inlandsressorts], heraus. Vielmehr könne die Krise auch eine Chance
       sein.
       
       “Was ich nicht gedacht hätte: Dass unsere Schüler so diszipliniert wären,
       sich dafür zu bedanken, dass sie zum Unterricht kommen dürfen“, sagt
       Ludwig. Sein Kollege Haering pflichtet ihm bei: “Und wenn wir da auch etwas
       Gutes draus machen, dann war die Krise eine Chance. Der Corona-Jahrgang
       sollte uns in Erinnerung bleiben als einer, der viel allein lernen musste.“
       Um verpassten Stoff wieder aufzuholen, brauche es nun aber konsequentes
       Handeln und Planungssicherheit. (tow)
       
       ## Luisa Neubauer im Gespräch
       
       13.10 Uhr: In der Coronapandemie sei die Klimakrise ins Hintertreffen
       geraten. Das kritisiert [84][Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer] von
       Fridays For Future. Im Gespräch mit taz-Redakteur Peter Unfried erklärt
       sie, was es ihrer Meinung nach für eine nachhaltige Klimapolitik braucht.
       
       „Klimapolitik schön an die Wand fahren, das macht man nicht allein, sondern
       als gesammelte Mannschaft. Und es gibt in der CDU niemanden der sagt, wir
       müssen was anders machen“, sagt Luisa Neubauer. Kann sich Neubauer
       vorstellen Klimapolitik parlamentarisch voranzutreiben? Die Aktivistin
       sagt: [85][„In dem Moment, in dem ich merke, dass ich in der Umsetzung
       nützlicher bin als in der Bewegung, kann ich mir das vorstellen.“] (chg)
       
       ## “Hannibal Reloaded“
       
       13.00 Uhr: [86][Taz-Redakteur Sebastian Erb] erzählt bei “Hannibal
       Reloaded“, wie er mit einem Rechercheteam seit 2017 schrittweise ein
       [87][Netzwerk von rechtsextremen Preppern aufgedeckt] hat. Das Netzwerk
       geführt von André S, genannt Hannibal, wurde von Geheimdiensten zunächst
       als harmlos eingestuft.
       
       „Es stellt sich die Frage“, sagt Erb, „wie ein Geheimdienst ein Netzwerk
       beurteilen kann, wenn es eine große Nähe gibt.“ Erst im Zuge breiterer
       Recherchen, auch durch andere Medien, haben sich zunehmend Verbindungen zur
       Polizei und Bundeswehr herausgestellt.
       
       Es sei jedoch „juristisch schwierig, sich mit dem Prozess zu beschäftigen“,
       sagt Erb. 2020 hat der Militärische Abschirmdienst der Bundeswehr dann
       zugegeben, dass ein solches Netzwerk bestehe. [88][taz-lab-Redakteurin
       Luisa Faust] moderiert den Vortrag und anschließende Fragen aus dem
       Publikum. (jol)
       
       ## Veganismus, Nachhaltigkeit und Marketing
       
       12.55 Uhr: „Das Thema Vegan-Sein war in Deutschland lange Zeit sehr
       radikalisiert“, sagt Jan Bredack, der [89][Gründer von Veganz]. „Das musste
       ich auch spüren, als mein Auto angezündet wurde.“ Langfristig habe es
       jedoch funktioniert und die Diskussion sei mittlerweile sachlicher und
       breiter. Sachlich bleibt es auch bei [90][„Veganer:innen sind die besseren
       Menschen“] im „Salon“-Stream mit dem Ernährungswissenschaftler Malte
       Rubach, moderiert von Nisa Eren.
       
       „Veränderungen wie der Klimawandel können schnell Produktionsweisen über
       den Haufen werfen. Es werden noch viele unbekannte Größen kommen“, sagt
       Malte Rubach, der Ernährungsexperte. Umso wichtiger sei daher, dass es viel
       Auswahl in den Regalen gibt. (tat) 
       
       ## Respekt und Respektlosigkeit
       
       12.45 Uhr: Gianni Jovanovic leitet den Gedankenaustausch über „Respekt. Was
       sonst?“ mit seiner außergewöhnlicher Lebensgeschichte, geprägt durch sein
       Aufwachsen als Roma, ein. Robert Habeck fässt es so zusammen: „Du bist also
       eine ganz schöne Krawallschachtel“. Jovanovic betont im Gespräch über
       Respekt und Respektlosigkeit vor allem Nächstenliebe, Glaube und Akzeptanz
       gegenüber anderen Lebensrealitäten. Das macht auch Interviewer und
       taz-lab-Kurator Jan Feddersen sichtlich emotional.
       
       „Der Grat zwischen ‚faszinieren‘ und ‚verachten‘ ist ganz klein“, sagt
       Jovanovic. Der [91][Comedian und Gründer der Initiative „Queer Roma“] ist
       eine der wichtigsten Stimmen gegen Rassismus und jede Diskriminierung,
       gegen rechts sowieso. Am Schluss wendet er sich an die Öffentlichkeit:
       „Wenn ihr uns nicht zuhört, dann werden wir uns Gehör verschaffen.“ (roz)
       
       ## Zukunft von Kunst und Kultur
       
       12.50 Uhr Uhr: Die Clubkultur in Berlin: Am Existenzminimum. „Es ist ein
       Kippmoment. Bisher ist niemand aus der Kurve getragen worden“, sagt
       Katharin Ahrend von der [92][Berliner Clubcommission]. Doch wie soll es
       weitergehen? Das diskutiert sie, der Künstler Thomas Lehnen und
       [93][Kultursenator Klaus Lederer] mit taz-Kulturredakteur Ulrich Gutmair.
       
       „Es gibt keine Perspektiven und das belastet psychisch und langfristig in
       der Kulturszene,“ sagt Thomas Lehnen, Künstler und ehemaliger Vorstand der
       Clubcommission. „Manchmal kommen die Hilfen, manchmal kommen sie aber
       nicht. Die Planungssicherheit fehlt absolut.“ (eb)
       
       ## Pandemie als Notbremse der Konsumgesellschaften
       
       12.30 Uhr: „Kinder und Jugendliche sind die größten Verlierer der
       Pandemie“, sagt [94][der Soziologe Harald Welzer]. Im taz-talk mit
       [95][Moderatorin Silke Burmester] unter dem Titel [96][„Wir changen nicht,
       wir werden gechanged“] geht es daher um die Situation der Jüngeren.
       
       Etwa in der Schule: Obwohl es gute Konzepte für alternative
       Unterrichtsformen unter Pandemie-Bedingungen gebe, beharre die
       Kultusministerkonferenz auf Präsenzunterricht. „Etwas Dümmeres gibt es
       überhaupt nicht, keinerlei Flexibilität, und das Ganze geht auf dem Rücken
       der Kinder und der Schulen“, sagt Welzer.
       
       Harald Welzer wird grundsätzlich: Unser Jahrhundert werde „konsumiert von
       den vorangegangenen Generationen“, die Probleme würden den Jüngeren „vor
       die Füße geschmissen.“ Diese Generationenungerechtigkeit würde in der
       Pandemie noch einmal wie unter einem Brennglas deutlich. (alw)
       
       ## Westbalkan: Vielstimmige Schönheit
       
       12.20 Uhr: „Wir wissen, was für uns am besten ist. Wir wollen einfach
       gehört werden“, sagt Gresa Hasa im Talk über feministischen Aktivismus und
       die Rolle der Europäischen Union im Westbalkan. Die albanische Journalistin
       unterstreicht Gemeinsamkeiten in Bezug auf aktivistische Kämpfe und in der
       gegenwärtigen Pandemie. Aber: Die EU solle nicht bevormunden.
       
       Die Künstlerin Klelija Zhivkovikj [97][aus Nordmazedonien] bekräftigt
       außerdem kulturelle Verbindungen: “Stimmen sollten gehört werden, auch
       wegen ihrer Schönheit.“ (jof)
       
       ## Eine sorgende Gesellschaft wäre wünschenswert
       
       12.15 Uhr: Was es bedeutet, obdachlos zu sein und zwar abseits von
       Klischees, das zeigen [98][taz-Redakteur Andreas Rüttenauer] und die
       Teilnehmer:innen des Talks „Nachbarn ohne Obdach“. „Ich will mit
       [99][Mythos aufräumen, dass Menschen freiwillig obdachlos wären], das ist
       absoluter Bullshit“, sagt Dirk Dymarski von der Selbstvertretung
       wohnungsloser Menschen.
       
       Der [100][Autor und Lehrer Markus Ostermair] macht klar: „Vielen
       Obdachlosen fällt es schwer Hilfe anzunehmen, sie wollen Selbstwirksamkeit
       erfahren.“ Er sieht den Staat bei der Existenzsicherung in der
       Verantwortung. Der Sozialpädagoge Markus Kraft hingegen findet, dass Hilfe
       nicht allein Aufgabe des Staates sei. Er wünscht sich „eine sorgende
       Gesellschaft, die sensibel gegenüber Menschen ist, die sie umgibt.“ (aln)
       
       ## Ist die Polizei reformierbar?
       
       11.55 Uhr: Die [101][Black-Lives-Matter-Proteste in den USA] haben
       hierzulande eine Diskussion über strukturelle Probleme im Polizeiapparat
       und über das Strafsystem entfacht. „Die Probleme sind so massiv, dass die
       Idee aus den USA, eine Abschaffung der Polizei, als angebracht erscheint“,
       sagt Daniel Loick. Der Philosoph und Sozialwissenschaftler hält das für
       möglich.
       
       Der Polizeiwissenschaftler Rafael Behr hält die Idee hingegen für
       intellektuell, pragmatisch sei eine Reform des Systems. Die Aktivistin
       Simin Jawabreh sieht die Polizei „auf einem kolonialen Unterbau“ und
       fordert, polizeilichen Institutionen die Finanzierung zu entziehen. Einig
       sind sich [102][bei „Achtung, Polizei“, moderiert von taz-Redakteur Konrad
       Litschko], alle darüber, das eine Transformation der Polizei notwendig ist.
       
       „Es wäre schön, wenn das eine akademische Diskussion wäre“, sagt Loick über
       eine mögliche Abschaffung der Polizei zu Rafael Behr. Der hält gegen: „Die
       Polizei ist eine zivile Organisation in der Gesellschaft, sie integriert
       gesellschaftliche Interessen und sie ist reformierbar.“ (aln)
       
       ## Gesunde Erde – Gesunde Menschen!
       
       11.50 Uhr: „Wenn wir Menschen immer so schlau sind, warum zerstören wir
       dann unser Zuhause? Das ist für mich die größte Frage unserer Zeit“,
       [103][sagt Eckart von Hirschhausen]. Unter dem Titel „Verzichtest du
       schon?“ spricht Shayna Bhalla mit dem Autor und Mediziner zu einer
       emotionaleren Klimakommunikation.Eckart von Hirschhausen fordert: „Wir
       müssen die Klimakommunikation viel emotionaler machen!“(jom)
       
       ## Das Ziel des Wirtschaftens
       
       11.50 Uhr: Er hat das Modell der „Gemeinwohlökonomie“ entwickelt, in dem
       das Wohl von Mensch und Umwelt zum obersten Ziel des Wirtschaftens werden
       soll. Der [104][österreichische Publizist Christian Felber] diskutiert im
       „Salon“ mit [105][Ulrike Herrmann] darüber, wie es mit der Idee weitergehen
       kann.
       
       „Mit der Gemeinwohlökonomie soll die Erfolgsmessung weg von Renditen und
       dem Bruttoinlandsprodukt auf komplett andere Ziele gelenkt werden“, sagt
       Felber. Das können zu Beispiel eine 20-Stunden-Woche, mehr Zeit für
       demokratische Engagements und Pflegearbeit sein. „Märkte sollen dadurch
       eine geringere Rolle spielen,“ sagt er. (tat)
       
       ## Immer noch zu wenige Frauen in Machtpositionen
       
       11.30 Uhr: “Gesetzgebung wird anders, wenn andere Lebensrealitäten
       mitgedacht werden“, sagt [106][Kristina Lunz, Mitgründerin des „Centre for
       Feminist Foreign Policy“]. Daher plädiert sie in der Diskussion mit
       [107][taz-Redakteurin Patricia Hecht] für mehr Frauen in Machtpositionen.
       Feministische Außenpolitik? “Mit Annalena Baerbock besteht auf jeden Fall
       Hoffnung“, sagt Lunz zur Kanzlerkandidatin der Grünen. (jof)
       
       ## Grüne für alle, alle für Grün
       
       11.00 Uhr: Es geht um alles: Sind die Grünen mehrheitsfähig? [108][Robert
       Habeck, Parteivorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen], erzählt im Gespräch
       mit [109][taz-Redakteur Peter Unfried], wie die Partei die Weichen Richtung
       Bundestagswahl stellt. Das Thema: sozial-ökonomische Transformation – und
       wie wichtig die gesellschaftliche Mitte dafür ist.
       
       „Die Wirtschaft soll prosperieren. Aber nur zu sagen, wir machen Gewinne,
       hat sich als falsch erwiesen“, sagt [110][Habeck im Gespräch mit Peter
       Unfried]. „Wir müssen die Gerechtigkeitsfrage noch einmal neu stellen,
       sonst wird man die brennenden politischen Fragen nicht lösen und die
       Mehrheit nicht erreichen können“, sagt er. Ein Wink Richtung
       Bundestagswahl? Robert Habeck gibt sich heute analytisch: „Eine
       Gesellschaft, die ihre Mitte nicht mehr hat, ist eine taumelnde
       Gesellschaft. Das sieht man an den USA unter Trump.“ (chg)
       
       ## Igor Levit spielt die „Mondscheinsonate“
       
       10.55 Uhr: Wie man ihn kennt und liebt: Mit der Mondscheinsonate steigt
       Igor Levit in die Veranstaltung „The People United Will Never Be Defeated“
       ein. In Zeiten des Lockdowns ist er mit seinen bis heute 52 Hauskonzerten
       zu einem Sinnbild für Zusammenhalt geworden.
       
       „Man erzählt uns von Total-Shutdowns, aber es gibt gar keine“, sagt Levit
       im Gespräch mit [111][Vincent Bruckmann, taz-lab-Redakteur]. Den
       [112][Frust der Branche] könne der Pianist gut verstehen: „Die Pandemie
       wird in die Länge gezogen und dadurch werden Menschen in Gefahr gebracht.
       Das führt dazu, dass die Kunst- und Kulturwelt gerade stirbt.“ (tow)
       
       ## Ausblick auf Thüringens vorgezogene Wahl im September
       
       10.55 Uhr: „Die Normalisierung von Nazi-Rhetorik in unseren Landtagen macht
       mir Sorge“, sagt Katja Wolf, Oberbürgermeisterin von Eisenach. Mit
       [113][Pascal Beucker von der taz] und Hendrik Knop, dem grünen
       Ortschaftsbürgermeister im Landkreis Gotha, spricht sie über das Thüringer
       Regierungsgeflecht und den Umgang mit Rechts.
       
       Katja Wolf sagt: „Herauszufinden, mit wem es sich noch lohnt zu reden und
       mit wem nicht – das ist die Herausforderung und ein Spagat.“ Hendrik Knop
       ist überzeugt: „Wenn man mit Menschen agiert, kann man sie auch gewinnen.“
       
       „Die Vorstellung, dass SPD und Grüne hinter AfD und NPD bleiben, das gibt
       mir Magengeschwüre“, sagt Wolf über Thüringen, wo im September vorgezogene
       Neuwahlen anstehen. Und sie stellt eine These auf: „Politischen Anstand
       gibt es nicht mehr, wenn es um Machtfragen geht.“ (aln)
       
       ## Abkehren von normierter Zweigeschlechtlichkeit
       
       10.50 Uhr: „Die Unterscheidung nach Intimbausatz ist überholt,“ sagt
       Felicia Ewert. Die Diskussion „Open for Debate? Transphobie, Biologismen
       und normierte Zweigeschlechtlichkeit“ im Cornershop des taz lab, moderiert
       von [114][taz-lab-Redakteur Raoul Spada], wird schnell zum Schlagabtausch
       zwischen der [115][Autorion Ewert] und [116][Till Randolf Amelung,
       ebenfalls Autor]. Für Amelung verschärfe die Definition „non-binary“
       existierende Geschlechterrollen und sei somit „nicht hilfreich“.
       
       Ewerts Reaktion: „Willst du non-binary Personen ihr Existenzrecht
       absprechen?“ Inwiefern non-binary Personen für den äußeren Betrachter
       Weiblichkeit oder Männlichkeit repräsentierten, sei für deren Ablehnung
       einer Geschlechtszuweisung hinfällig. (lag)
       
       ## Taiwans Digitalministerin fordert demokratische Technologie
       
       10.45 Uhr: Mit Audrey Tang, der [117][Digitalministerin in Taiwan], und
       Janka Oertel, Sinologin und Politikwissenschaftlerin, spricht
       [118][taz-Wirtschaftsredakteur Felix Lee] bei „Chinas digitaler Aufstieg“
       über die Chancen und Risiken der Entwicklung des Reichs. „In Taiwan haben
       wir eine sehr gut ausgebaute Künstliche Intelligenz. Wir glauben, dass es
       eine demokratische Technologie sein soll, keine autoritäre“, sagt Tang mit
       Blick nach China.
       
       Die Menschen, die am meisten mit Künstlicher Intelligenz in Berührung
       kommen, sollen sie verändern und mitbestimmen können, sagt Audrey Tang.
       [119][„Wir sehen KI als Ermächtigung der Demokratisierung. Und nicht
       andersherum.“]
       
       „Wir machen uns kleiner als notwendig. [120][Auch in Europa haben wir
       Möglichkeiten und Potenzial]“, sagt Janka Oertel über technische
       Entwicklungen, „Wir brauchen gute Partnerschaften, zum Beispiel mit
       Taiwan.“ Nur zuzuschauen, wie sich China entwickelt, das reiche nicht.
       (tat)
       
       ## Medien sollen Belarus weiter im Fokus halten
       
       10.35 Uhr: Der demokratische Aufbruch in Belarus ist weiblich, daher gibt
       es auch ein rein weibliches Panel zur Situation: [121][Barbara Oertel,
       Osteuroparedakteurin der taz], und taz-lab-Redakteurin Anastasia
       Tikhomirova reden mit den Journalistinnen Olga Deksnis und Janka Belarus
       sowie der Philosophin Tatiana Shchyttsova. Anders als 2020 würden [122][die
       Proteste nun eher vereinzelt aufflammen und wieder erlöschen].
       
       “Wer nicht für den Präsidenten Alexander Lukaschenko ist, spürt die
       Repressionen in vollen Zügen“, sagt [123][Olga Deksnis]. “Viele, die
       ausgewandert sind, haben nicht mehr vor, zurückzukommen.“ Belarus habe sich
       nachhaltig verändert, sagt Tatiana Shchyttsova: “Das Wort Revolution zu
       verwenden, ist gerechtfertigt.“ Die Reaktion in Europa enttäusche sie. “Wir
       sehen einen Kontrast zwischen geäußertem Pathos und tatsächlichen Taten.“
       Ihre Bitte an Journalist:innen: “Behaltet Belarus im Fokus.“ (jof)
       
       ## Grün für alle, alle für Grün?
       
       10.30 Uhr: Im taz-Haus diskutiert Co-Parteivorsitzender Robert Habeck
       (Bündnis 90/Die Grünen) mit taz-Chefreporter Peter Unfried. (kla)
       
       ## Langer Weg zur Abrüstung
       
       10.00 Uhr: Wie ein Dialog zwischen Nato und Russland und eine Abrüstung
       gelingen kann, das diskutiert Ellen Ueberschär, Vorständin der
       Heinrich-Böll-Stiftung, [124][mit Matthias Höhn] in „Freund-Feind,
       Ost-West“. Er ist sicherheitspolitischer Specher der Linksfraktion.
       
       “Es gibt manchmal Sanktionen die muss man 40 Jahre lang durchhalten“,
       betont Ellen Ueberschär. Die [125][Chefredakteurin der taz Ulrike
       Winkelmann] moderiert dieses Gespräch mit Matthias Höhn. Der ist der
       Meinung, dass es vor allem mehr Initiative brauche: “Wir sind bei der
       atomaren Frage eigentlich auf dem Rückwärtsweg“, sagt er. (jof)
       
       ## Bundesländer müssen Fläche für Windräder stellen
       
       9.55 Uhr: „Wind- und Solarenergie sind Primärenergien der Zukunft“, sagt
       Patrick Graichen, Direktor der Agora Energiewende. Der Energieexperte
       stellt in der Diskussion „Die grüne Null“ mit Matthias Miersch (SPD) und
       [126][Bernhard Pötter von der taz] fünf [127][Strategien zur
       Klimaneutralität] bis 2050 vor. Eine seiner Forderungen: „Baut dreimal so
       viel Wind-und Solarenergie pro Jahr“. Matthias Miersch, der Vizechef der
       SPD-Fraktion gibt dabei zu bedenken: „Die Mehrheit des Bundestages ist
       aktuell gegen den Ausbau erneuerbarer Energien“.
       
       Woran es hakt: „Unter anderem an AfD und FDP“, sagt Miersch. „Der Markt
       baut kein Windrad, ich brauche daher Bundesländer, die die Fläche stellen“,
       fügt Graichen hinzu. Das Wichtigste sei, gleich nach der Bundestagswahl
       [128][ein Programm auf den Tisch zu legen und damit den Hebel umzulegen].
       (aln)
       
       ## Mit Worten und Taten gegen das Stigma
       
       9.45 Uhr: „Du musst die Gedanken einfach aus dem Kopf bekommen. [129][Reiß
       dich doch zusammen. Du bist nicht krank]“ – das sind nur einige Phrasen,
       die der [130][Reporter Martin Gommel] und die Sängerin Marie-Luise Gunst
       während ihrer Krankheit getroffen haben. Bei „Raus aus der Dunkelheit! Mit
       und über Depressionen sprechen“ wird die Gefahr solcher Sätze thematisiert.
       
       „Wie viel Prävention kommt eigentlich an?“, wirft Peter Zwanzger in den
       Raum. „Auf abstrakter Ebene regiert Offenheit, auf persönlicher Ebene aber
       sehen sich Betroffene mit Stigmatisierung, Unverständnis und Hilflosigkeit
       konfrontiert“, sagt [131][Zwanzger, Chefarzt im Bereich
       Allgemeinpsychiatrie].
       
       Die Runde, moderiert von der taz-lab-Redakteurin Klaudia Lagozinski, ist
       sich einig: Ein Teil der Lösung könne nur eine authentische und offene
       Kommunikation über Depression sein. Das kann mit einem Fach „Seelische
       Gesundheit“ anfangen. Und Betroffene aus der Berufswelt herauszufiltern,
       das sei eine vertane Chance. (lag)
       
       ## Genossenschaft erbt Anteile und erhält Zuspruch
       
       9.50 Uhr: Generationenprojekt taz: Wie die Zukunft der Tageszeitung und der
       Genossenschaft aussehen kann, diskutieren Konny Gellenbeck, Malene Gürgen
       und [132][Hermann-Josef Tenhagen] bei „Erben und Vererben“ im „Mainstream“
       mit Martin Kaul.
       
       „Leute sind bereit, ihre Genossenschaftsanteile an die taz zu vererben.
       Denn die taz ist eine Lebensbegleiterin für sie“, sagt [133][Konny
       Gellenbeck] aus dem Vorstand der [134][taz Panter Stiftung]. Hermann-Josef
       Tenhagen, Aufsichtsrat der taz Genossenschaft, sagt: „Das Geld, das in der
       Genossenschaft steckt, ist politisches Engagement. Und dieses Geld
       unsterblich zu machen – das ist für viele Menschen das wichtigste Motiv
       beim Vererben.“ (chg)
       
       ## Physiker über immer intelligentere künstliche Intelligenz
       
       9.50 Uhr: „Künstliche Intelligenz kann Gesichtsprofile und Videos mit
       passender Stimme und Mimik erstellen“, sagt Wolfgang Ertel. „So können wir
       Menschen alles sagen lassen. Wir haben keine Chance zu erkennen, ob die
       Menschen real sind.“
       
       Der Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz der Hochschule
       Ravensburg-Weingarten spricht mit [135][Ulrike Herrmann von der taz] über
       das Potenzial von [136][KI und mögliche Zukunftsszenarien]. „Die Frage ist,
       wann die Roboter schlauer sein werden als wir“, sagt er. „Bei uns Menschen
       nimmt die Intelligenz nicht mehr zu, während sie bei Computern exponentiell
       steigt.
       
       Der Physiker warnt: „Es kann zu einem Cyberkrieg kommen. Die Technik wird
       in den nächsten Kriegen im Einsatz sein. Wir Bürger müssen darüber
       diskutieren können, ob wir das wollen.“ (tat)
       
       ## Gianni Jovanovic sieht Identität als Prozess
       
       9.30 Uhr: „Im besten Fall ist Identität selbst ein Prozess des Wandels, den
       wir jeden Tag vorantreiben.“, [137][sagt Gianni Jovanovic] in der zweiten
       [138][Begrüßungsrede zum taz lab]. Der Comedian und Gründer von „Queer
       Roma“ ruft dazu auf, die eigene Sprache, Gefühle und das Wertesystem zu
       überprüfen. (toh)
       
       ## Aminata Touré fordert Veränderung
       
       8.45 Uhr: „Ich glaube an Veränderung, aber nicht daran, dass es ein
       Automatismus in der Zeitgeschichte ist“, sagt [139][Aminata Touré,
       Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages] für die Grünen, in
       ihrem Grußwort zum taz lab 2021. Jede und jeder Einzelne müsse Teil dieser
       Veränderung sein.
       
       Aminata Touré zitiert in ihrem Appell den großen afroamerikanischen
       Schriftsteller James Baldwin. Der hat gesagt: „Ihr habt mir immer gesagt,
       es braucht Zeit… Wie viel Zeit braucht ihr für euren Fortschritt?“ Denn
       Geduld zu haben, das sei oft eine Ausrede, um Wandel zu verhindern, sagt
       Touré. (toh)
       
       ## Herzlich willkommen!
       
       8.00 Uhr: Der Morgen in Berlin vor dem taz Haus an der Friedrichstraße 21:
       sonnig, kühl und taz lab-angemessen. So ist es ja immer: Am Tag, an dem der
       taz Kongress stattfindet, schämen, ginge dies, Regen und Wolken
       vorbeizukommen. Der Tag kann beginnen, über Nacht sind noch sehr viele
       Mails eingetrudelt: Tickets, bitte! Ja, gleich, kriegen wir hin. Das taz
       Haus wird ein brummeliger taz lab-Bienenstock, die ersten sind schon da,
       aus der taz Kantine und der taz lab-Orga. Herzlich willkommen! (jaf)
       
       ## Vor dem taz lab ist nach dem taz lab
       
       7.30 Uhr: Während Berlin noch schläft, gehen im taz-Haus und an den
       Home-Office-Arbeitsplätzen der taz lab-Redakteur*innen die Vorbereitungen
       in die allerletzte Runde. Seit 6 Uhr wird gecheckt, gebrieft und vor Ort
       auf Covid-19 getestet, damit in einer Stunde Jan Feddersen, Simone
       Schmollack und Martin Kaul gemeinsam mit Aminata Touré und Gianni Jovanovic
       mit [140][“Hereinspaziert!“] den ersten digitalen Kongress der taz
       feierlich eröffnen können. (kla)
       
       Den Live-Ticker mit Inhalt versorgen die taz-Blogger*innen Tobias Hausdorf
       (toh), Christina Gutsmiedl (chg), Alena Weil (alw), Larena Klöckner (lak),
       Tobias Westphal (tow), Elisa Busch (elb), Lynn Schmickler (lys), Simon
       Rösler (sir), Ronja Zemmrich (roz), Jonas Frankenreiter (jof), Robin Mateus
       (rom), Pia Wieners (piw), Alina Nitsche (aln), Johanna Losacker (jol),
       Lisa-Marie Jordan (lij), Tamara Teuber (tat), David Zauner (daz), Karolina
       Justus (kaj), Laura Gramm (lag), Johannes Müller (jom), Sarah Vojta (sav)
       und Anouk Melina Schlung (ans).
       
       24 Apr 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1605.html
 (DIR) [2] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1510.html
 (DIR) [3] /Studie-zu-Angriffen-im-Netz/!5717728
 (DIR) [4] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1574.html
 (DIR) [5] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/473.html
 (DIR) [6] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/441.html
 (DIR) [7] /Das-taz-lab-2021-wird-stattfinden/!vn5738585
 (DIR) [8] /!p4894/
 (DIR) [9] /Frauen-auf-der-Lesebuehne/!5016694
 (DIR) [10] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/456.html
 (DIR) [11] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/442.html
 (DIR) [12] /Juedische-Kontingentfluechtlinge/!5727852
 (DIR) [13] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1591.html
 (DIR) [14] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1625.html
 (DIR) [15] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1467.html
 (DIR) [16] /Forscher-zu-Rechten-und-Coronaprotesten/!5731945
 (DIR) [17] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1638.html
 (DIR) [18] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1668.html
 (DIR) [19] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1645.html
 (DIR) [20] /SPD-Waffen-und-Haushaltsausschuss/!5734120
 (DIR) [21] /Baerbock-gegen-Scholz-in-Potsdam/!5767151
 (DIR) [22] /Oekostrom-Foerderung/!5762245
 (DIR) [23] /Plaedoyer-fuer-aufgeklaerten-Konservatismus/!5656106
 (DIR) [24] /Kommentar-Rechte-Intellektuelle/!5573764
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 (DIR) [26] /Linken-Chefin-Hennig-Wellsow-im-Gespraech/!5749453
 (DIR) [27] /Kunst-zum-Frauentag-in-Polen/!5750740
 (DIR) [28] /Joschka-Fischer-ueber-Corona-Krise/!5675233
 (DIR) [29] /Konflikt-in-der-Ostukraine/!5763326
 (DIR) [30] /Weltweit-groesste-Automesse-in-Shanghai/!5762246
 (DIR) [31] /Verfahren-gegen-Julian-Assange/!5743089
 (DIR) [32] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/985.html
 (DIR) [33] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1427.html
 (DIR) [34] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1038.html
 (DIR) [35] /Buch-ueber-digitalen-Kapitalismus/!5682942
 (DIR) [36] /Streit-zwischen-Australien-und-Facebook/!5750427
 (DIR) [37] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1522.html
 (DIR) [38] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1421.html
 (DIR) [39] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1514.html
 (DIR) [40] /Debatte-um-die-Gedenkkultur/!5751296
 (DIR) [41] /Jan-Feddersen/!a76/
 (DIR) [42] /Verfolgung-russischer-Umweltgruppen/!5694885
 (DIR) [43] /Tigran-Petrosyan/!a22524/
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 (DIR) [47] /Christian-Jakob/!a113/
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 (DIR) [63] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/57.html
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 (DIR) [74] /programm/2021/tazlab2021/de/speakers/1445.html
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 (DIR) [84] /Vom-Umgang-mit-globalen-Krisen/!5743893
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 (DIR) [87] /Schwerpunkt-Hannibals-Schattennetzwerk/!t5549502
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 (DIR) [89] /Lebensmittelhersteller-Veganz/!5627603
 (DIR) [90] https://blogs.taz.de/tazlab/2021/04/24/sind-vegane-die-besseren-menschen/
 (DIR) [91] /Gianni-Jovanovic-ueber-Rassismus/!5754681
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