# taz.de -- Korruptionsaffären in der Union: Im Auftrag Aserbaidschans
       
       > Wirschaftministerium räumt ein: CDU-Staatssekretär Bareiß habe sich für
       > Baku nach der Lieferung von Beatmungsgeräten erkundigt. Druck sei nicht
       > ausgeübt worden.
       
 (IMG) Bild: Dubiose Kontakte in die Kaukasusrepublik: Der CDU-Abgeordnete und Staatssekretär Thomas Bareiß
       
       Berlin taz | Erneut ist bekannt geworden, dass sich [1][ein Abgeordneter
       der CDU] für das autoritäre Regime in Aserbaidschan engagiert hat. Dieses
       Mal geht es um Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im
       Bundeswirtschaftsministerium. Bareiß soll auf Bitten Aserbaidschans das
       Medizintechnik-Unternehmen Löwenstein mit Sitz in Bad Ems kontaktiert und
       den Stand der Lieferung von 150 Beatmungsgeräten, die die Kaukasusrepublik
       bestellt hatte, abgefragt haben.
       
       Das berichtet [2][das Redaktionsnetzwerk Deutschland.] Demnach habe das
       Unternehmen sich gedrängt gefühlt, Aserbaidschan bevorzugt zu behandeln.
       Beatmungsgeräte wurden damals weltweit intensiv nachgefragt.
       
       Das Wirtschaftsministerium bestätigte den Anruf, er sei auf Bitte
       Aserbaidschans erfolgt. Bareiß aber habe „zu keinem Zeitpunkt“ das
       Unternehmen zur prioritären Lieferung von Beatmungsgeräten nach
       Aserbaidschan aufgefordert, auch keinen Druck ausgeübt oder vor
       außenpolitischem Schaden gewarnt. Das teilte eine Ministeriumssprecherin
       mit.
       
       Bareiß ist der vierte CDU-Abgeordnete, der in Zusammenhang mit
       Aserbaidschan in die Kritik gerät. Anders als in den anderen drei Fällen
       besteht bislang nicht der Verdacht, dass auch Geld geflossen sei. Doch
       CDU-Mann Bareiß pflegt auch sonst gute Kontakte nach Aserbaidschan. Im
       Januar 2019 reiste er mit einer Wirtschaftsdelegation nach Baku und wurde
       dort unter anderem von Präsident İlham Alijew empfangen.
       
       Bis März 2018 war er Kuratoriumsmitglied des Deutsch-Aserbaidschanischen
       Forums. Und im November 2018 hielt er eine Keynote auf dem ersten
       Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsdialog. Danach twitterte er: „Danke
       für diese wichtige Initiative, @MarkHauptmann! #Aserbaidschan ist ein
       starker strategischer Partner in einer nicht einfachen Region!“
       
       Der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann hatte den Wirtschaftsdialog
       gemeinsam mit dem aserbaidschanischen Botschafter veranstaltet.
       [3][Hauptmann hatte am Donnerstag sein Bundestagsmandat niedergelegt.]
       Hintergrund sind Vorwürfe, der Thüringer habe für Aserbaidschan lobbyiert,
       zugleich seien Werbeanzeigen für Tourismus-Aufenthalte in der einstigen
       Sowjetrepublik im Südthüringen Kurier erschienen, den Hauptmann herausgibt.
       Der CDU-Politiker bestreitet die Vorwürfe.
       
       ## Laufende Ermittlungen
       
       Weiterhin Teil der Unionsfraktion sind zwei CDU-Politiker:innen, gegen die
       die Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsverdacht in Zusammenhang mit
       Aiserbaidschan ermittelt: Karin Strenz aus Mecklenburg-Vorpommern und Axel
       Fischer aus Baden-Württemberg. Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche
       Fischers Immunität aufgehoben, das Bundeskriminalamt zahlreiche
       Durchsuchungen durchgeführt. Bei Strenz war dies bereits im vergangenen
       Jahr der Fall.
       
       Hintergrund sind umfangreiche Ermittlungen gegen ehemalige und aktive
       Bundestagsabgeordnete, die der Parlamentarischen Versammlung des
       Europarates (PACE) angehört haben, betroffen sind neben Fischer und Strenz
       auch der ehemalige CSU-Staatssekretär Eduard Lintner.
       
       Ihnen wird nach Angaben der Münchner Generalstaatsanwaltschaft vorgeworfen,
       in der Zeit zwischen 2008 bis 2016 unter anderem Gelder aus Aserbaidschan
       über britische Briefkastengesellschaften mit baltischen Konten erhalten zu
       haben. Im Gegenzug sollten die Politiker:innen bei Anträgen und
       Abstimmungen sowie bei der Besetzung von Funktionen und Kommissionen des
       Europarates Einfluss im Sinne Aserbaidschans nehmen.
       
       Am Freitagabend um 18 Uhr läuft die Frist ab, die die
       CDU/CSU-Fraktionsführung den Abgeordneten zur Abgabe einer Art
       Ehrenerklärung gegeben hatte. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) und
       CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatten die 245
       Unionsparlamentarier am Mittwoch aufgefordert, bis zu diesem Zeitpunkt zu
       erklären, dass sie keine finanziellen Vorteile im Zusammenhang mit der
       Bekämpfung der Coronapandemie erzielt hätten – weder direkt noch über
       Gesellschaften. Um Geschäfte mit dem autoritären Regime in Aserbaidschan
       geht es in dieser Ehrenerklärung nicht.
       
       12 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Immunitaet-von-CDU-MdB-aufgehoben/!5756016
 (DIR) [2] https://www.rnd.de/politik/auftrag-aserbaidschans-cdu-politiker-bareiss-kontaktierte-hersteller-von-beatmungsgeraten-XXONDDYTSNCG5JIPDWPGLYUWHM.html
 (DIR) [3] /Korruption-bei-der-CDU/!5757551
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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