# taz.de -- Serie „Your Honor“ mit Bryan Cranston: Zurück in alte Rollen
       
       > Statt wie in „Breaking Bad“ einen Drogenboss zu spielen, mimt Bryan
       > Cranston in „Your Honor“ einen Richter. Das macht er nicht weniger
       > skrupellos.
       
 (IMG) Bild: Bryan Cranston als Michael Desiato in der Serie „Your Honor“
       
       Kennen Sie das Bobby-Ewing-Problem? Das Problem, dass ein eher unbekannter
       Schauspieler in einer Serienrolle so erfolgreich wird, dass er irgendwann
       die Angst entwickelt, für immer in dieser Rolle gefangen zu bleiben; dass
       er deshalb erklärt, sich im Rahmen seiner Karriere künftig anderen Dingen –
       sprich: Rollen – widmen zu wollen, nur um die lehrreiche Erfahrung zu
       machen, dass seine Angst absolut begründet war und also reumütig in die
       alte Erfolgsrolle zurückzukehren, wie einst der Schauspieler Patrick Duffy
       in die des Bobby Ewing, mit der legendären Folge, dass deshalb eine ganze
       „Dallas“-Staffel rückwirkend zum Traumgeschehen erklärt werden musste, denn
       er, Bobby Ewing, war ja eigentlich bereits verstorben?
       
       Das ist Fernsehgeschichte. And now for something completely different. Der
       Schauspieler Bryan Cranston war schon über 50, als er in der Rolle des
       [1][Walter White vom skrupulösen Chemielehrer zum zunehmend skrupelloseren
       Gangsterboss] mutierte. Als mit der [2][Serie „Breaking Bad“] der große
       Erfolg über ihn hereinbrach. Danach musste Cranston schon selbst zum
       Serienschöpfer werden, um mal etwas anders spielen zu dürfen – wie den von
       Anfang an skrupellosen Gangsterboss Vince Lonigan in „Sneaky Pete“.
       
       In seiner neuesten Rolle in der Showtime-Serie „Your Honor“ heißt Cranston
       jetzt Michael Desiato und ist ein skrupulöser Richter in New Orleans. Bis
       sein eigentlich kreuzbraver Teenager-Sohn einen tödlichen Verkehrsunfall
       verschuldet, mit anschließender Unfallflucht. Bis er seinem Filius erklären
       muss, warum zur Polizei zu gehen keine Option ist („Der Junge von deinem
       Unfall heute Morgen ist Jimmy Baxters Sohn. Den hast du heute getötet.
       Jimmy Baxter ist der Kopf der bösartigsten Verbrecherfamilie in der
       Geschichte dieser Stadt. Verstehst du, was das bedeutet?“).
       
       Bis der zunehmend weniger skrupulöse Richter bald improvisieren und
       manipulieren, immer neue Ausreden erfinden und sogar unschuldige Opfer in
       Kauf nehmen muss. Um seinen Sohn und sich selbst vor dem skrupellosesten
       Gangsterboss der Stadt (Michael Stuhlbarg) zu schützen.
       
       Keine Frage, das ist alles gut gemacht, unter anderem vom deutschen
       [3][Regisseur Edward Berger], und man schaut sich das gerne an. Nur hat man
       eben zunehmend das Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben. Bryan
       Cranston ist offenbar reumütig in seine alte Erfolgsrolle zurückgekehrt.
       Das Bobby-Ewing-Problem.
       
       18 Jan 2021
       
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