# taz.de -- Iran und die EU: Hinrichtung sorgt für Zerwürfnis
       
       > Botschafter einbestellt, Wirtschaftstreffen abgeblasen. Nach der
       > Hinrichtung Ruhollah Sams wachsen die Spannungen zwischen der EU und dem
       > Iran.
       
 (IMG) Bild: Der oppositionelle Journalist Ruhollah Sam wurde am Samstag im Iran hingerichtet
       
       Berlin/Teheran ap/afp/dpa/taz | Der Iran hat aus Protest gegen Kritik aus
       der EU an der [1][Hinrichtung des Oppositionellen Ruhollah Sam] die
       Botschafter Deutschlands und Frankreichs einbestellt. Zur Begründung führte
       das Außenministerium in Teheran eine „inakzeptable Einmischung“ in Irans
       „innere Angelegenheiten“ an.
       
       Die EU und die Regierungen in Berlin und Paris hatten die Exekution am
       Samstag verurteilt. Das französische Außenministerium sprach von einem
       „barbarischen Akt“. Die Bundesregierung, die derzeit die rotierende
       EU-Ratspräsidentschaft innehat, teilte mit, man sei „entsetzt über die
       Hinrichtung“. Die Todesstrafe sei „eine grausame und unmenschliche Form der
       Bestrafung, die wir unter allen Umständen ablehnen“.
       
       Der für Europa zuständige Abteilungsleiter im iranischen Außenministerium
       kritisierte vor dem deutschen Botschafter die „Nachsicht“, die in einigen
       Ländern bei der Vorbereitung von „Terrorakten“ im Iran vorherrsche. Sam war
       wegen seiner führenden Rolle bei Protesten gegen die Regierung 2017/18
       gehängt worden.
       
       Wie am Montag bekannt wurde, ist ein seit Wochen geplantes Wirtschaftsforum
       EU-Iran abgesagt worden. Laut der Nachrichtenagentur Isna sollte das Forum
       am Montag in Teheran beginnen. Die Gründe für die Absage seien nicht
       genannt worden und das Forum werde nachgeholt werden.
       
       Beobachter in Teheran führten die Absage auf die EU-Kritik an der
       Hinrichtung zurück. Das Wirtschaftsforum ist für den Iran wichtig.
       Außenminister Dschawad Sarif, der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell,
       mehrere EU-Botschafter sowie über 3.000 Unternehmer sollten teilnehmen.
       
       ## Neun Jahre Haft für britisch-iranischen Anthroplogen
       
       Unterdessen wurde bekannt, dass ein britisch-iranischer Anthropologe zu
       neun Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von etwa 580.000 Euro verurteilt
       wurde. Ein iranisches Revolutionsgericht habe ihn unter anderem für
       schuldig befunden, in Zusammenarbeit mit europäischen Botschaften für
       Homosexualität geworben zu haben und als BBC-Reporter nach Israel gereist
       zu sein, berichtete die halbstaatliche Agentur Tasnim am Sonntag. Er sei
       auch dafür verurteilt worden, falsche Berichte zur Menschenrechtslage im
       Iran an die UN geschickt zu haben.
       
       Der Anthropologe Kamil Ahmadi hat unter anderem zur Zwangsverheiratung von
       Kindern und Genitalverstümmelung bei Frauen geforscht. Er ist einer von
       mehreren Doppelstaatlern, die im Iran verhaftet worden sind. Bekannt ist
       auch Nazanin Zaghari-Ratcliffe, die wegen Spionagevorwürfen zu fünf Jahren
       Gefängnis verurteilt worden ist.
       
       14 Dec 2020
       
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