# taz.de -- Skandal um AfD Bayern: AfD-Mann relativiert Holocaust
       
       > Das ist selbst für die AfD heftig: Ein Lokalpolitiker im Chiemgau soll
       > auf Facebook holocaustleugnende Inhalte verbreitet haben.
       
 (IMG) Bild: Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin
       
       München taz | Sepp Schuster ist Gemeinderat in Prien am Chiemsee. Im März
       trat der AfD-Mann bei den Kommunalwahlen sogar als Bürgermeisterkandidat
       für seine Partei an, er ist stellvertretender Vorsitzender des
       Ortsverbands. Jetzt teilte er laut AfD Watch Rosenheim auf [1][Facebook]
       einen Beitrag, der selbst Alexander Gaulands „Vogelschiss“-Äußerung in den
       Schatten stellt: er leugnete historische Fakten zum nationalsozialistischen
       Massenmord an den europäischen Juden.
       
       AfD Watch Rosenheim, ein Recherchekollektiv, das seit Anfang des Jahres das
       Treiben der AfD in dem oberbayerischen Landkreis beobachtet, hat einen
       Screenshot des Posts veröffentlicht, den der Priener Heizungsbaumeister am
       vergangenen Mittwoch abends weiterverbreitet hat.
       
       Darin geht es um einen Dokumentarfilm, den Alfred Hitchcock 1945 im Auftrag
       von Briten und Amerikanern über das Nazi-Regime und den Holocaust gedreht
       hat. In ihm zeigt der berühmte Hollywood-Regisseur beispielsweise Bilder
       von der Befreiung Bergen-Belsens und den dortigen Zuständen.
       
       In dem Facebook-Post nun wird Hitchcock als „Meisterlügner“ bezeichnet,
       dann heißt es: „Falsche Leichen aus den Rheinwiesenlagern, falsche
       Lastwagen, Duschen und Krematorien etc. Hitchcock war mit dem Massenmörder
       und Zionisten, der pathologische und Deutschenhasser General Dwight David
       Eisenhower unterwegs in Deutschland.“ Die Grammatik und Schreibweise ist
       etwas wirr, die Botschaft umso eindeutiger.
       
       ## Antisemitische Lügen auf Facebook
       
       Es folgt denn auch ein Link zu einer Website, die vorgibt, die
       vermeintlichen Lügen Hitchcocks zu entlarven. Nach einem Haufen kruder
       Thesen kulminiert die angebliche Beweisführung in der Behauptung: „Damit
       ist bewiesen: In deutschen Konzentrationslagern fanden keine Massenmorde an
       Juden in den Dimensionen von 100.000en oder Millionen Opfern statt.“
       
       Außerdem heißt es, dass Deutschland wegen Hitchcocks Dokumentation in
       Nürnberg „zu einem falschen 6-Millionen-Mord an Juden verurteilt wurde,
       dafür bezahlen musste“. Schuster selbst hat den Beitrag offensichtlich
       inzwischen wieder gelöscht.
       
       AfD Watch Rosenheim urteilt: „Der geschichtsrevisionistische und
       antisemitische Facebookpost von Sepp Schuster ist ein weiteres Beispiel
       dafür, wie weit verbreitet menschenverachtende Einstellungen bei
       Mitgliedern der AfD in Stadt und Landkreis Rosenheim sind.“ Denn in der Tat
       ist es in der Rosenheimer Gegend nicht das erste Mal, dass Vorfälle mit
       AfD-Beteiligung über das Maß dessen hinausgehen, was man von dieser Partei
       gewohnt ist.
       
       Obwohl die prominenten Figuren des Kreisverbands – die Landtagsabgeordneten
       Franz Bergmüller und Andreas Winhart – anders als etwa ihre
       Fraktionsschefin Katrin Ebner-Steiner nicht der völkischen Strömung
       innerhalb der Partei zugerechnet werden können, scheint sich in den
       hinteren Reihen auch rechtsextremistisches Gedankengut breitzumachen.
       
       ## Nicht der erste Fall in der Rosenheimer AfD
       
       So hatten die Jungle World und AfD Watch Rosenheim beispielsweise gemeldet,
       dass ein im Juli [2][wegen Zeigen des Hitlergrußes verurteilter Polizist]
       allem Anschein nach aktives Mitglied der Rosenheimer AfD ist. Ein Video
       hatte ihn als Teilnehmer einer internen AfD-Veranstaltung gezeigt.
       
       Die Süddeutsche Zeitung ihrerseits berichtete jüngst über Stefan Bauer,
       Vorstandsmitglied der AfD im Landkreis Rosenheim, der zurzeit als
       aggressiver „Coronarebell“ in der Gefolgschaft von Atilla Hildmann
       auffällt. Und Andreas Kohlberger, zuletzt Bürgermeisterkandidat der AfD in
       Rosenheim, konnte man bis zuletzt auf einem Youtube-Video von einer
       AfD-Veranstaltung aus dem Jahr 2018 näher kennenlernen, auf das ebenfalls
       AfD Watch Rosenheim hingewiesen hatte.
       
       Dort hetzte Kohlberger gegen Menschen mit Migrationshintergrund in einer
       Weise, die einem Gewaltaufruf zumindest sehr nahe kam: „Aber wenn ich dem
       eine – entschuldigen Sie den Ausdruck – aufs Maul geb’, dann weiß er, was
       eine Grenze ist. Das hab’ ich mein Leben lang so gemacht, und das werd’ ich
       immer so machen.“ Außerdem sagte der Politiker, er habe jeden zweiten Tag
       gewalttätige Auseinandersetzungen „mit Türken“ gehabt, und lästerte über
       „unsere Männer“ und deren „nicht vorhandene Eier“.
       
       11 Nov 2020
       
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 (DIR) Dominik Baur
       
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