# taz.de -- Wohnraum in Hamburg: Mutige Politik sieht anders aus
       
       > Der Hamburger Senat brüstet sich mit seiner Wohnungspolitik, dabei kommt
       > die vor allem Investor*innen zugute.
       
 (IMG) Bild: Mit allen Mitteln gesucht: bezahlbare Wohnungen
       
       Natürlich sind zarte, vorsichtige Maßnahmen gegen überteuerte Mieten besser
       als gar keine Maßnahmen. Aber als Landesregierung muss man sich auch nicht
       dafür feiern, dass man auf einen Missstand reagiert. Oder wie niedrig will
       man die Maßstäbe setzen? Es geht schließlich um das fundamentale Bedürfnis
       eines jeden Menschen zu wohnen. Dass das weder als Luxusgut gehandhabt,
       noch irgendwelchen Marktmechanismen unterworfen werden sollte, versteht
       sich eigentlich von selbst.
       
       Der Hamburger Senat hingegen [1][gibt sehr viel auf seine vorsichtigen
       Versuche], dem entfesselten Wohnungsmarkt auf die Pelle zu rücken, ohne
       dabei die Investor*innen zu verschrecken. Denn das scheint das Mantra zu
       sein, das über jeglicher „Regulierung“, wenn man das überhaupt so nennen
       kann, des Wohnungsmarkts schwebt: Bloß keine Kapitalanleger*innen
       verschrecken!
       
       Das sieht man in den Stadtteilen: In keiner anderen Großstadt wird so viel
       gebaut wie in Hamburg. [2][Aber es wird das Falsche gebaut], nämlich alles,
       was schön viel Profit verspricht, also Luxuswohnungen und „normale“
       Wohnungen, die eben auch zu absurden Preisen vermietet werden. Ja, auch
       Sozialwohnungen, aber was bringt das, solange die einer Bindung unterliegen
       – 20 Jahre buttert die Stadt Geld in die Förderung, damit der Investor sie
       nach deren Ablauf auf den freien Markt werfen kann.
       
       Die Mietpreisbremse ist eine ähnlich investorenfreundliche Maßnahme. Durch
       zahlreiche Schlupflöcher und Ausnahmeregelungen war sie von Anfang an
       wirkungslos. Immerhin wurde nachgebessert, aber eine mutige Mietenpolitik
       sieht anders aus. Berlin macht es vor: [3][Der Mietendeckel hat den
       dortigen Wohnungsmarkt entspannt] und die Investitionen sind trotz der
       Drohungen der Immobilienkonzerne nicht zurückgegangen.
       
       Wäre schön, wenn Hamburg sich auch mal was trauen würde. Es wird Zeit für
       eine Emanzipation der Politik vom Kapital.
       
       23 Jul 2020
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Schipkowski
       
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