# taz.de -- Olaf Scholz präsentiert Corona-Haushalt: Gut für die Wirtschaft, gut für ihn
       
       > Finanzminister Olaf Scholz will es mit seinem Nachtragshaushalt allen
       > recht machen. Zumindest in der SPD ist er damit sehr erfolgreich.
       
 (IMG) Bild: Wieder der starke Mann der SPD: Olaf Scholz geht steil
       
       Berlin taz | Was ein halbes Jahr für einen Unterschied machen kann: Im
       Dezember schien die Karriere von Olaf Scholz beendet zu sein. Beim
       Mitgliedervotum für den SPD-Vorsitz war er als hoher Favorit den Underdogs
       Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterlegen. Und sein Markenzeichen,
       die Haushaltsdisziplin, stieß bei den neuen Parteichefs auf scharfen
       Widerspruch. Der Finanzminister und Vizekanzler war plötzlich die „rote
       Null“ der SPD, dessen Zeit abgelaufen schien.
       
       Sechs Monate später ist Olaf Scholz wieder der starke Mann der SPD. In den
       Umfragen ist er mit Abstand der beliebteste Sozialdemokrat und hat jetzt
       wieder die besten Chancen, ihr Kanzlerkandidat zu werden. Und der Streit um
       die „schwarze Null“, also den von Scholz lange propagierten Verzicht auf
       neue Schulden, hat sich infolge der Coronakrise ohnehin erledigt. Im
       Gegenteil: Olaf Scholz nimmt mehr Schulden auf als alle seine Vorgänger.
       
       Als er am Mittwoch den zweiten Nachtragshaushalt vorstellt, mit dem die
       Kreditaufnahme des Bundes in diesem Jahr auf über 218 Milliarden Euro
       steigt, sieht Olaf Scholz so zufrieden aus, als ließe sich das gar nicht
       mehr steigern. Denn auf das [1][Konjunkturpake]t, für das das viele Geld
       verwendet wird, ist Scholz überaus stolz – und zwar nicht primär als
       Vizekanzler, sondern vor allem als Sozialdemokrat. „Ich weiß schon,
       [2][warum ich in die SPD eingetreten bin]“, sagt er mit etwas Pathos in der
       Stimme.
       
       Mit dem umfassenden Paket werde Deutschland wieder aus der Krise kommen,
       sagt Scholz – und zitiert dazu die Neue-Deutsche-Welle-Band Geier
       Sturzflug: „‚Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das
       Bruttosozialprodukt‘ – das ist die Aufgabe, die wir jetzt haben.“ Dass
       dieses Lied, in dem Kranke und Alte wieder arbeiten, um die Konjunktur
       anzukurbeln, so gar nicht zum SPD-Programm passt, stört offenbar nicht
       weiter.
       
       ## Ganz verschwunden ist der alte Scholz noch nicht
       
       Stattdessen freut sich Scholz, dass die Pläne der Regierung insgesamt gut
       ankommen. „Selbst den professionellen Kritikern fällt es schwer, ein Haar
       in der Suppe zu finden“, meint er. Das stimmt nicht so ganz: Die FDP
       kritisiert, dass der Finanzminister die gesamten Schulden für das
       Konjunkturprogramm schon in diesem Jahr aufnimmt, obwohl es über mehrere
       Jahre läuft. Damit wolle Scholz im Wahlkampfjahr 2021 ohne neue Schulden
       auskommen, vermutet FDP-Haushälter Otto Fricke: „Das sind
       Taschenspielertricks eines Finanzministers, der gerne ins Kanzleramt
       umziehen möchte.“
       
       Für die Grünen kritisiert der haushaltspolitische Sprecher Sven Kindler,
       dass Scholz die Schulden schon innerhalb von 20 Jahren tilgen will. Damit
       drohe „eine übermäßige Belastung der kommenden Haushalte“ und eine neue
       „Phase der Austerität“. Auch Linken-Haushälterin Gesine Lötzsch sorgt sich
       um die Finanzierung des Pakets. „Die hat die Regierungskoalition noch
       völlig offen gelassen“, kritisierte sie – und fürchtet: „Nach der Wahl wird
       dann die Rechnung präsentiert.“
       
       Und der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider,
       kritisierte erneut, dass Hartz-IV-EmpfängerInnen beim Konjunkturpaket
       nichts abbekommen – eine auch von der SPD geforderte Sonderzahlung wurde
       nicht umgesetzt. Das bedauerte auch Scholz noch einmal; doch mit
       Mehrwertsteuersenkung, Kinderbonus und ausgeweiteter Kurzarbeitszahlung sei
       das Paket trotzdem sehr sozial, erklärte er.
       
       Und von einer längeren Tilgung hält der Finanzminister nichts. Das
       widerspreche „solider Haushaltspolitik“ und „Maß und Mitte“, sagte der
       Finanzminister. Ganz verschwunden ist der Olaf Scholz vom vergangenen Jahr
       offenbar noch nicht.
       
       17 Jun 2020
       
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