# taz.de -- taz-Recherche über Rechtsextreme: Bestürzung über Prepper-Gruppe
       
       > Im Landtag in Sachsen-Anhalt verurteilt Innenminister Holger Stahlknecht
       > (CDU) eine rechtsextreme Gruppierung von Reservisten.
       
 (IMG) Bild: Innenminister Holger Stahlknecht kritisiert die rechtsextremen Umtrieben der Reservisten scharf
       
       Berlin taz | Der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht
       (CDU), hat sich bestürzt über Äußerungen von Mitgliedern einer
       rechtsextremen Preppergruppe aus Sachsen und Sachsen-Anhalt gezeigt.
       „Dieses Verhalten ist in keiner Weise tolerierbar“, sagte er am Freitag im
       Landtag in Magdeburg. Besonders gravierend sei, dass die Männer aufgrund
       ihres Dienstgrades als Soldaten eine gewisse Vorbildfunktion hätten.
       
       Der Landtag von Sachsen-Anhalt hatte sich auf Antrag der mitregierenden SPD
       mit der Angelegenheit beschäftigt. Deren innenpolitischer Sprecher Rüdiger
       Erben wandte sich an die AfD-Fraktion: „Sie wissen und wussten ganz genau,
       aus welchen Milieus Sie Ihre Mitarbeiter rekrutieren.“ Das Gruppenmitglied
       Michael S. war Mitarbeiter der AfD-Fraktion. Man könne nicht hinnehmen,
       dass Rechtsextreme als Reservisten die Bundeswehr unterwandern, so Erben.
       
       Er saß selbst jüngst gemeinsam mit einem Mitglied der Preppergruppe im
       Coronakrisenstab eines Landkreises. „Ich hätte nie gedacht, dass Gunnar G.
       Gegenstand einer Landtagsdebatte sein würde.“ Vor einer Woche hatte die taz
       [1][eine rechtsextreme Preppergruppe aufgedeckt], deren Mitglieder sich auf
       einen „Rassenkrieg“ vorbereiteten, inklusive Waffenbeschaffung,
       [2][Schießtraining] und Überlegungen, ein Dorf zu unterwerfen. Die Männer
       der Gruppe kennen sich aus einer völkischen Burschenschaft und sind
       Reservisten.
       
       Sebastian Striegel von den Grünen forderte in der Debatte, dass die
       Nachrichtendienste ihre Arbeit besser abstimmen. Es brauche eine „klare
       Zuständigkeit zwischen Verfassungsschutz und MAD“, damit Reservisten nicht
       durch das Raster fielen. „Es geht hier nicht um ein paar Leute, die die
       Bevorratung zu ernst nehmen“, betonte die Linken-Abgeordnete Henriette
       Quade, sondern um „paramilitärische Strukturen“, und ein „militantes
       Netzwerk“.
       
       ## Reserveoffizier tritt aus CDU aus
       
       Infolge der Veröffentlichungen ist ein lokaler CDU-Funktionär aus
       Sachsen-Anhalt mit Kontakten zur Preppergruppe inzwischen aus der Partei
       ausgetreten. Der Reserveoffizier Kai Mehliß kam damit einem
       Parteiausschlussverfahren zuvor, das der CDU-Landesvorstand am Freitag
       einstimmig beschlossen hat. Auch von seinem Posten als Vizevorsitzender des
       Arbeiter-Samariter-Bundes Sachsen-Anhalt ist der Berufsschullehrer
       zurückgetreten.
       
       Mehliß hatte Michael S. im Chat mit „Sieg Heil, Herr Hauptmann!“ gegrüßt.
       Das hatte zuerst die Rechercheplattform LSA Rechtsaußen veröffentlicht.
       Mehliß hatte zuvor als Mitglied des inzwischen als
       Verfassungsschutz-Prüffall geführten Vereins Uniter [3][Schlagzeilen
       gemacht]. Inzwischen sind auch Ermittlungsbehörden mit dem Fall befasst. Es
       sei ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Sprecher der
       Staatsanwaltschaft Leipzig der taz. Es wird also geprüft, ob ein
       Anfangsverdacht vorliegt.
       
       Auch der Staatsschutz des Landeskriminalamtes Sachsen hat sich mit der
       Angelegenheit beschäftigt, wie der LKA-Sprecher bestätigte. Eine konkrete
       Gefahr sei allerdings nicht zu erkennen, weil es sich um Vorgänge handle,
       die schon einige Jahre zurücklägen. Sachsen-Anhalts Innenminister
       Stahlknecht hat ebenso Überprüfungen vonseiten der Nachrichtendienste und
       der Ermittlungsbehörden angekündigt. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau,
       in deren Zuständigkeit die Schießhalle Jüdenberg liegt, auf der mutmaßlich
       illegale Schießtrainings rechtsextremer Burschenschafter stattfanden,
       reagierte am Freitag nicht auf eine taz-Anfrage.
       
       ## Kein Einsehen bei der Landesgruppe
       
       Neben dem Verteidigungsministerium hat auch der Reservistenverband
       Aufklärung in der Sache versprochen und die involvierten Mitglieder sowie
       die Verantwortlichen im Schießsport schriftlich um Stellungnahmen gebeten.
       „Die veröffentlichten Recherchen sind schockierend“, heißt es in einer
       [4][Mitteilung des Verbandes], der mehr als 115.000 Mitglieder hat. Diese
       Einschätzung wird aber offenbar dort nicht von allen geteilt.
       
       Michael S. hat seit mindestens 2012 ein Amt in der sächsischen Landesgruppe
       des Reservistenverbandes inne. Deren Präsident Hans-Jürgen Domani,
       Oberstleutnant der Reserve, schrieb nach der taz-Veröffentlichung auf
       seiner Facebook-Seite: „Viel Lärm um nichts! Während des Ansturms von
       Millionen von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten haben sich diese Spinner
       Gedanken gemacht, wie sie die Ausrottung der Deutschen überleben können.
       Sie hatten weder vor, die Bundesrepublik abzuschaffen, noch wollten sie die
       Ausländer ausrotten.“
       
       12 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://www.reservistenverband.de/presse/stellungnahme-zuflucht-rechts-aussen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Erb
 (DIR) Christina Schmidt
       
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