# taz.de -- Berliner Landesregierung bessert nach: Senat beschließt Corona-Ampel
       
       > Strengeres Warnsystem ersetzt in Berlin die bundesweite Grenze.
       > Dringender Appell von Regierungschef Müller (SPD), die Anti-Corona-Regeln
       > einzuhalten.
       
 (IMG) Bild: Will entschiedener gegen Corona-Regelbrecher vorgehen: Regierungschef Michael Müller (SPD)
       
       Berlin taz | Der Senat will mit einem eigenen, strengeren Frühwarnsystem
       eine sprunghafte Corona-Ausbreitung nach den jüngsten Lockerungen
       verhindern. Dazu beschloss die Landesregierung am Dienstag eine Ampel mit
       drei Indikatoren. Sie ersetzt die [1][erst vergangene Woche bundesweit
       vereinbarte Coronabremse], die erst ab 50 Neuinfektionen pro 100.00
       Einwohner Lockerungen aufhebt. Regierungschef Michael Müller (SPD) mahnte
       angesichts von Bildern eng zusammensitzender Menschenmengen zu mehr
       Disziplin und kündigte entschiedenes Vorgehen dagegen an: „Wir können es
       nicht hinnehmen, dass einige meinen, sie könnten machen, was sie wollen.
       
       Als die drei Indikatoren des Warnsystems nannten Müller und
       Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zum einen die Reproduktionszahl –
       jene Größe, die angibt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt.
       „Rot“ wird die Ampel hier, wenn dieser Wert drei Tage hintereinander bei
       1,2 oder höher liegt – am Dienstag betrug er in Berlin 0,79 und bundesweit
       1,13. Auf „Gelb“ und damit auf „Alarmiert“-Status soll die Ampel ab 1,1
       schalten.
       
       Zweite Kennziffer ist die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen,
       runter gerechnet auf 100.000 Einwohner. Hier legte der Senat als Grenzwert
       für „Rot“ 30 fest und halbierte damit fast den auf Bundesebene vereinbarten
       Wert von 50 neuen Fällen. In der bisher schlimmsten Woche in Berlin lag der
       Wert laut Kalayci bei 37 Fällen. „Gelb“ leuchtet die Ampel hier ab 20
       Neuinfektionen.
       
       Der dritte Indikator soll die Bettenkapazität sein: Sind 25 Prozent aller
       Intensivbetten mit Coronapatienten belegt, gilt ebenfalls „Rot“ – aktuell
       sind es 9 Prozent. Gelbes Licht soll ab 15 Prozent Auslastung mit
       Coronafällen leuchten.
       
       ## Zweimal „Rot“ wird zum Problem
       
       Zeigt die Ampel bei zwei dieser drei Indikatoren „Gelb“ an, will der Senat
       die Lage erörtern, bei zweimal Rot „haben wir ein richtiges Problem“, sagte
       Müller. Dann werde der Senat überlegen, ob er eine Lockerung zurück nimmt
       oder eine bereits angekündigte verschiebt. In welchem Bereich das zuerst
       sein könnte, ließ er offen.
       
       Müller blickte bei der Pressekonferenz nach der Senatssitzung mit
       zwiespältigen Gefühlen auf das Wochenende zurück. Da will er zum einen
       viele disziplinierte Menschen beim Einkaufen und gut vorbereitete Händler
       erlebt haben, aber auf Grünflächen eben auch ohne Abstand und Mundschutz
       zusammensitzende Menschenmengen. Die meinten offenbar, „dass alles, was wir
       in den vergangenen Wochen verabredet haben, nicht mehr gilt“.
       
       Der Regierende mochte nicht so weit gehen wie [2][tags zuvor Innensenator
       Andreas Geisel (SPD) im Innenausschuss] – der sagte dort, die Berliner
       seien „der Regelungen überdrüssig“. Das seien nicht „die Berliner“, meinte
       Müller, sondern nur einige – „ich gebe die Hoffnung nicht auf, zu mahnen
       und zu ermuntern“. Gleichzeitig kündigte Müller an, entschiedener
       vorzugehen: „Hier werden die Polizei und die Ordnungsämter in Zukunft
       stärker eingreifen müssen.“
       
       12 May 2020
       
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