# taz.de -- Pressefreiheit in Brasilien und den USA: Wo Leugner und Lügner regieren
       
       > Brasiliens rechtsradikaler Präsident blafft die Medien an. Auch mithilfe
       > einer loyalen Basis faktenignoranter Jasager.
       
 (IMG) Bild: Beschimpft gerne JournalistInnen, wenn sie nicht das schreiben, was er will: Präsident Bolsonaro
       
       Es kann ein sehr gesunder Antrieb für politisches Engagement sein, Dinge
       nicht so haben zu wollen, wie sie sind. Es ist die Grundmotivation
       politischer Opposition und aller sozialen Bewegungen und mehr als legitim.
       
       Etwas ganz anderes ist es, [1][zu behaupten, die Dinge seien gar nicht so,
       wie sie sind], und dann jene zu beschimpfen oder, sofern man die Macht dazu
       hat, zu drangsalieren, die schreiben, wie die Dinge sind. Das ist eine
       Versuchung, der diktatorische Regierungen gar nicht und demokratische nur
       zwar meist, aber nicht immer widerstehen.
       
       Seit über drei Jahren etwa führt US-Präsident Donald Trump seinen Kampf
       gegen kritische Berichterstattung. Er fördert rechte Propagandamedien wie
       Fox News und Breitbart, erklärt jeden Bericht, der seine chaotische
       Regierung in schlechtem Licht dastehen lässt, für Fake News und die
       verantwortlichen Journalist*innen für unanständig.
       
       Gute Regierungsführung ist etwas anderes 
       
       Jetzt zieht Brasiliens schon vor seiner Wahl als „südamerikanischer Trump“
       titulierter rechtsradikaler Präsident [2][Jair Bolsonaro] nach. Zwei Tage
       nach dem Internationalen Tag der Pressefreiheit wettert er gegen die
       renommierte Folha de S.Paulo und blafft Medienvertreter*innen an, sie
       sollten den Mund halten.
       
       Im lateinamerikanischen Kontext, in dem politische Gewalt und Repression
       noch immer eine Rolle spielen, ist das besonders heikel: Wer [3][in
       Mexiko], Honduras oder [4][Kolumbien] kritisch über Umweltvergehen, Mafia
       oder Korruption berichtet, ist in Lebensgefahr. In Kuba, wo Medien
       staatlich zu sein haben, steht bei unabhängigen Journalist*innen schnell
       die Stasi vor der Tür.
       
       All diesen Repressionen gemein ist: Sie schützen Diskurse, die nur
       funktionieren, wenn das in sich geschlossene falsche Denkgebäude nicht
       durch Fakten angekratzt wird. Wo aber Leugner und Lügner regieren und
       Journalist*innen attackiert werden, herrschen eben von Kritik abgeschirmte
       Lüge und Realitätsverleugnung mithilfe einer loyalen Basis
       faktenignoranter Jasager. Gute Regierungsführung kann dabei nicht
       herauskommen.
       
       7 May 2020
       
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