# taz.de -- Reaktionen auf US-Friedensplan: Palästinenser eindeutig dagegen
       
       > In der Ablehnung des Friedensplans von US-Präsident Trump sind sich alle
       > palästinensischen Fraktionen einig. Das kommt selten vor.
       
 (IMG) Bild: In einem Café in Hebron im Westjordanland: Protest gegen Trumps Nahostplan
       
       Jerusalem taz | Die Palästinenser sind entsetzt über den von US-Präsident
       Donald Trump am Dienstag vorgestellten [1][Friedensplan] für den Nahen
       Osten. Die Annexion des Jordantals, israelische Souveränität über
       israelische Siedlungen im Westjordanland, ein vollständig zerstückeltes
       Rest-Palästina, Jerusalem inklusive Ostjerusalem als vereinigte israelische
       Hauptstadt – all das sorgte für wütende Proteste.
       
       Die ersten Demonstrationen begannen schon am Nachmittag im Gazastreifen. In
       Ramallah wurden die ersten US-amerikanischen und israelischen Flaggen
       angezündet.
       
       Ab dem Abend gab es fast überall im Westjordanland Zusammenstöße an den
       sogenannten Kontrollpunkten, die Städte im Westjordanland von israelisch
       kontrolliertem Gebiet trennen. Die schwersten Auseinandersetzungen fanden
       in Bethlehem statt, ganz in der Nähe von [2][Banksys Mauerhotel]. Der
       palästinensische Rote Halbmond berichtet von dutzenden Verletzten überall
       im Westjordanland und in Ostjerusalem.
       
       In einer Pressekonferenz drückte Mahmud Abbas, in seltenem Einklang mit der
       palästinensischen Straße, sein Entsetzen über diesen angeblichen
       Friedensplan aus. Er kündigte sofortige Schritte seitens des
       palästinensischen Staates an, vor allem auf diplomatischer Ebene, zuerst
       auf dem für Samstag angesetzten Treffen der Arabischen Liga.
       
       ## Kompromissloses Nein unter Palästinensern
       
       Fast revolutionär an dem Treffen im Amtssitz von Abbas in Ramallah war,
       dass sämtliche palästinensischen politischen Organisationen vertreten
       waren, vom islamischen Dschihad und der Hamas bis zur Fatah.
       
       Während Abbas zunächst auf Abwarten setzt, verlangen führende Stimmen
       diverser Organisationen, vor allem aber die Menschen auf der Straße, eine
       sofortige und endgültige Aufkündigung des Osloer Abkommens von Mitte der
       1990er Jahre, das zu einer Farce geworden ist.
       
       Sie verlangen, wieder einmal, die sofortige Beendigung der notorischen
       Sicherheitskooperation zwischen den palästinensischen und israelischen
       Geheimdiensten. Ebendies fehlte aber in der Rede von Abbas.
       
       Von Gaza bis Jenin formulieren die Menschen ihr kompromissloses Nein. Dem
       schlossen sich schon am Dienstagabend Demonstranten in der jordanischen
       Hauptstadt Amman an. Marwan Muasher, ehemaliger jordanischer Außenminister,
       formulierte ein ebenso klares Nein seitens der jordanischen Führung. Dort
       fürchtet man die Pläne der israelischen Rechten, die aus Jordanien einen
       palästinensischen Staat machen möchte.
       
       ## Großdemonstration in Tel Aviv gefordert
       
       Palästinenser in Israel, so Ayman Odeh, Knesset-Abgeordneter der
       „Vereinigten Liste“ von arabischen Parteien in Israel, forderten eine
       palästinensisch-israelische Großdemonstration in Tel Aviv, um der Welt zu
       zeigen, dass die Realität vor Ort eine binationale ist.
       
       Stimmen aus Ostjerusalem verweisen auf den Impeachment-Prozess gegen Trump
       sowie die Anklage gegen Netanjahu wegen Bestechung, Betrug und
       Vertrauensbruch. Eine Jerusalemerin meinte, all das sei so unerträglich,
       dass sie sich ins Kino geflüchtet habe, um sich bei einem Film über
       Bienenzucht zu beruhigen.
       
       Von einer Totgeburt sprach ein ehemaliger Aktivist aus Jerusalem: „Lasst
       uns schlicht abwarten, bis dieser Wahnsinn sich von selbst totläuft.“
       
       29 Jan 2020
       
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