# taz.de -- CDU sinniert über „Projektregierung“: Erfurter Gedankenspiele
       
       > Ernsthafter Vorschlag oder PR-Gag der CDU? Ministerpräsident Ramelow
       > setzt in Thüringen weiter auf eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung.
       
 (IMG) Bild: CDU-Frontmann Mike Mohring hält den Vorschlag einer „Projektregierung“ für „diskussionswürdig“
       
       Erfurt taz | Die Thüringer CDU ringt weiter mit dem Ergebnis der
       Landtagswahl. Mit der Idee einer „Projektregierung“ hat sich jetzt der
       frühere christdemokratische Ministerpräsident Dieter Althaus aus dem
       Politvorruhestand gemeldet. In der Thüringer Allgemeinen und gegenüber dem
       MDR warb er dafür, dass sich die CDU und die Linkspartei unter Vermittlung
       von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck auf 10 bis 15 Projekte verständigen,
       die dann von einer von beiden Parteien getragenen und vorwiegend aus
       „Experten“ bestehenden Regierung umgesetzt werden könnten.
       
       In einem ZDF-Interview hatte Altbundespräsident Gauck am Sonntag der CDU
       geraten, „über ihren Schatten zu springen“ und „irgendwelche Wege“ zu
       finden, um einer vom derzeit geschäftsführenden Ministerpräsidenten Bodo
       Ramelow geführten Minderheitsregierung „zum Regieren zu verhelfen“. Es
       müsse „eine Form gefunden werden, wie mit konkreten Absprachen
       Regierungsfähigkeit hergestellt wird“. Das bilde zum einen „die Meinung
       sehr vieler Menschen ab“. Zum anderen wäre es „gesamtgesellschaftlich nicht
       nützlich“, wenn die CDU als eine Partei erscheine, „die Regierungshandeln
       verhindert“, so Gauck.
       
       „Ich begrüße jede Bewegung in der CDU, die am Ende zu einer verlässlichen
       Regierungsarbeit führt“, kommentierte Ramelow diplomatisch den Vorschlag
       von Althaus. Allerdings kenne er ihn bislang nur aus der Zeitung. „Wenn
       jemand darüber reden möchte, muss er meine Partei einladen und dann sagen,
       was genau er mit einer Projektregierung meint“, sagte der derzeit nur
       geschäftsführende Regierungschef am Donnerstag der dpa.
       
       Er halte „den von Dieter Althaus formulierten Vorschlag einer
       Projektregierung für diskussionswürdig“, sagte Thüringens CDU-Partei- und
       Fraktionschef Mike Mohring. Auch für ein Gespräch mit Ramelow unter
       Vermittlung von Gauck sei er offen. Gäbe es eine solche Einladung Gaucks,
       „werde ich in der CDU dafür werben, diese Einladung anzunehmen und ein
       solches Gespräch zu führen“, sagte Mohring.
       
       ## Skeptische Linke
       
       Äußerst skeptisch zeigt sich hingegen Benjamin Hoff. „Die CDU Thüringen
       bleibt bei ihrem Zickzackkurs“, sagte der Chef der Staatskanzlei der taz.
       Wer wirklich mit seiner Partei über politische Projekte reden wolle, müsse
       Orte des Austauschs suchen und schaffen. „Davon ist die Mohring-CDU weit
       entfernt“, sagte der Linksparteiler. Denn es dominierten Abgrenzung und
       Machtdemonstrationen. „Das schafft kein Vertrauen und degradiert den von
       Dieter Althaus ernst gemeinten Vorschlag zu einem PR-Gag des politischen
       Spielers Mike Mohring.“
       
       Ähnlich äußerte sich SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee. „Die Thüringerinnen
       und Thüringer haben genug von immer neuen politischen Spielchen und
       Nebelkerzen“, teilte er mit. Die Grüne Anja Siegesmund sprach von einer
       „Finte“.
       
       Bei der Landtagswahl war die Linkspartei von Regierungschef Ramelow
       stärkste Kraft geworden. Laut dem amtlichen Endergebnis gewann sie 31
       Prozent der Stimmen. Auf dem zweiten Platz folgte die AfD mit 23,4 Prozent,
       die CDU landete mit 21,7 Prozent nur auf dem dritten Platz. Die SPD bekam
       8,2 Prozent, die Grünen errangen 5,2 Prozent und die FDP 5 Prozent der
       Stimmen.
       
       Rot-Rot-Grün fehlen im Landtag vier Stimmen. Gleichwohl setzt Ramelow
       weiter auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit SPD und Grünen. Bis
       Mitte Januar soll ein gemeinsames Regierungsprogramm stehen. „Und ich
       rechne damit, dass auf dieser Basis eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung
       gebildet werden kann“, sagte er der dpa.
       
       Am Montag treffen sich allerdings zunächst erstmalig die im Landtag
       vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD, um über die schwierige
       Regierungsbildung zu reden. „Ich bin gespannt, wie sich CDU und FDP die
       Arbeit im Parlament vorstellen und ob sie bereit sind, destruktive
       Mehrheiten von Schwarz, Gelb, Blau zu verhindern“, sagte Ramelow.
       
       9 Jan 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
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