# taz.de -- Krise der deutschen Autoindustrie: Schnellstens umbauen
       
       > Deutsche Autobauer in der Krise: 70.000 Jobs könnten wegfallen. Sich mit
       > anderen Mobilitätsanbietern kurzzuschließen könnte helfen.
       
 (IMG) Bild: Volkwagen präsentiert seine E-Auto-Strategie im November in Los Angeles
       
       Die Autoindustrie schwächelt, der Absatz von Neuwagen im Inland und die
       Exporte werden deutlich sinken. Den Preis dafür zahlen nicht in erster
       Linie AktionärInnen, sondern ArbeitnehmerInnen – erst recht, wenn sie wie
       in der Branche verbreitet als Leihkräfte oder auf Zeit prekär angeheuert
       sind. Die [1][Zahl der Beschäftigten] wird nach Schätzungen des
       Branchenverbands VDA allein bei den Autobauern um 70.000 sinken, hinzu
       kommen etliche Jobs bei Zulieferern.
       
       Der Grund für die heraufziehende Krise: die schwächelnde Konjunktur und der
       von den Managern viel zu spät eingeleitete Strukturwandel hin zur
       E-Mobilität. Trotz [2][großzügiger staatlicher Prämie] kommt das
       E-Auto-Geschäft nicht richtig in Schwung, auch weil die Autobosse selbst
       immer noch damit fremdeln. Sie wollen lieber weiter extrem
       [3][umweltbelastende SUV] verkaufen, weil sie damit mehr verdienen. Das ist
       genauso kurz gedacht wie ihr Abwehrkampf gegen konsequenten Klimaschutz.
       Wer dafür sorgt, dass die Autoindustrie bleibt wie sie ist, sorgt dafür,
       dass sie keine Zukunft hat.
       
       Neue Formen von Mobilität werden das Individualverkehrsmittel Auto immer
       mehr ablösen – schon wegen der Staus. Anbieter wie Tesla oder neu
       entstehende Unternehmen können VW, Daimler und BMW aus dem Feld schlagen –
       wenn die sich nicht etwas einfallen lassen. Statt ihren Abwehrkampf gegen
       Klimaschutz fortzusetzen, müssen sie in die Offensive kommen: mit einem
       sozial-ökologischen Umbau, der Arbeitszeitverkürzung mit vollem
       Lohnausgleich genauso vorsieht wie gute ökologische und soziale Bedingungen
       entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
       
       Das heißt auch, dass weniger Autos produziert werden und Jobs wegfallen –
       aber an anderer Stelle entstehen neue. Die Bahnbranche sucht händeringend
       Ingenieure – in der Autoindustrie wird es schon bald zu viele geben. Echter
       Strukturwandel schafft mehr Arbeit als er vernichtet.
       
       Dieser Umbau wäre die erforderlich Modernisierung, durch den die
       Bundesrepublik ihren Status als großen Industriestandort sichern könnte.
       
       4 Dec 2019
       
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