# taz.de -- Ökonomie und Sicherheit im Sahel: Das Gold von Burkina Faso
       
       > Eine funktionierende Strategie gegen den Terror in Ländern wie Burkina
       > Faso wäre es, Perspektiven für die Menschen zu schaffen.
       
 (IMG) Bild: Sicherheitspolitik in Burkina Faso könnte auch anders aussehen
       
       Wer weiß schon, dass Burkina Faso ein wichtiger Goldproduzent ist? Der
       bitterarme Sahelstaat an der Frontlinie der internationalen
       Terrorismusbekämpfung hat seine Wirtschaft in den vergangenen zwölf Jahren
       komplett umgebaut, vom kolonialen Erbe [1][des Baumwollanbaus] hin zur
       Goldförderung, seit Jahrhunderten den Bevölkerungen der Region vertraut.
       
       Was einst eine Domäne der informellen Wirtschaft war, mit dem Schürfen als
       parallele Einkommensquelle für die Landjugend in Zeiten von Dürre und
       Mangel, hat sich im Laufe der Jahre mit tatkräftiger Hilfe ausländischer
       Investoren zu einem global vernetzten Industriezweig entwickelt. Burkina
       Faso war schon während der westafrikanischen Kriege der 1990er Jahre und
       dann während des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste in den 2000er Jahren
       ein Transitland für Goldschmuggel – heute ist es einer der größten legalen
       Goldexporteure Afrikas. Für Burkinas Volkswirtschaft ist das gut, für viele
       Menschen weniger, da der traditionelle artisanale Goldbergbau, der immer
       ohne Legalität auskam, ausgegrenzt und kriminalisiert wird.
       
       Es ist sicher kein reiner Zufall, dass die Unterdrückung der informellen
       Goldschürferei in Burkina Faso zeitlich und räumlich Überschneidungen mit
       dem Aufblühen islamistischer Protestbewegungen aufweist, auch wenn ein
       direkter Zusammenhang schwer nachzuweisen ist und bewaffnete islamistische
       Gruppen eigentlich eine ganz andere Agenda verfolgen. Dass die bewaffneten
       Islamisten sich jetzt den industriellen Bergbau zum Ziel nehmen, ist aber
       nur folgerichtig.
       
       Es gehört zum Diskurs der Terrorbekämpfung, jede Rohstoffausbeutung
       außerhalb staatlicher Kontrolle, auch das Goldschürfen, in die Nähe der
       Terrorfinanzierung zu rücken und damit pauschal genau jene Bevölkerungen zu
       kriminalisieren, die man vorgeblich vor den Terroristen schützen will. Eine
       funktionierende Strategie gegen [2][den Terror in Ländern wie Burkina
       Faso], Mali oder Nigeria müsste die wirtschaftliche Verfasstheit dieser
       Länder mit einbeziehen. Das Herstellen von Sicherheit bedeutet in letzter
       Instanz das Herstellen von Lebensperspektiven. Die Ökonomie des Goldes von
       Burkina Faso wäre da ein guter Anfang.
       
       7 Nov 2019
       
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