# taz.de -- Thilo Sarrazin soll aus der SPD raus: Vorerst nicht bei der AfD
       
       > Thilo Sarrazin wehrt sich gegen seinen Rauswurf aus der SPD – er will in
       > Berufung gehen. Die Reaktionen aus Berlin von den Grünen bis zur AfD.
       
 (IMG) Bild: Der Platz soll künftig frei bleiben – zumindest bei der SPD
       
       Normalerweise meldet sich Christian Gaebler nicht mehr so oft zu Wort.
       Seitdem der 54-Jährige im vergangenen Jahr Chef der Senatskanzlei wurde,
       agiert er eher im Verborgenen. Die Entscheidung über den Parteiausschluss
       von Thilo Sarrazin aus der SPD zu kommentieren, ließ sich Gaebler aber
       nicht nehmen: „Er ist nur noch aus Trotz in der SPD“, sagte er.
       
       Christian Gaebler ist nicht nur der Chef der Senatskanzlei, sondern auch
       Kreisvorsitzender der SPD in Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Und dort,
       in der Schiedskommission des Kreisverbands, war die Entscheidung gefallen,
       die am Donnerstag Sarrazin selbst, aber auch dem SPD-Bundesvorstand
       mitgeteilt wurde: „Schweren Schaden“ habe der frühere SPD-Finanzsenator und
       Buchautor Sarrazin der SPD zugefügt und „erheblich gegen die Grundsätze der
       Partei verstoßen“, heißt es in der der Entscheidung, die der taz vorliegt.
       „Gegen ihn ist deshalb auf Ausschluss aus der SPD zu erkennen.“
       
       In der SPD wurde das Urteil mit Genugtuung, aber nicht euphorisch
       aufgenommen. „Endlich kann er gehen“, schrieb etwa die
       Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe auf Facebook. Der stellvertretende
       Landesvorsitzende Julian Zado twitterte: „Parteien müssen nicht alles
       ertragen, sie dürfen Werte haben und zu ihnen stehen.“
       
       Gegen die Entscheidung will Sarrazin allerdings in Berufung gehen. Er
       bezeichnete das Urteil der Schiedskommission als falsch: „Es ist schade,
       dass sie nicht die Kraft fand, eine andere Entscheidung im Interesse der
       Meinungsfreiheit und der innerparteilichen Demokratie zu treffen. Die
       heutige Entscheidung wird den Niedergang der SPD nicht aufhalten.“
       
       ## Sechs weitere Instanzen
       
       Sein Anwalt Andreas Köhler erklärte zum weiteren Fortgang: „Wir werden den
       Instanzenzug über das Landes- und das Bundesschiedsgericht der SPD, darüber
       hinaus nötigenfalls alle normalen Zivilinstanzen von Landgericht Berlin,
       über Kammergericht und Bundesgerichtshof, danach das
       Bundesverfassungsgericht bemühen und anrufen.“ Das seien noch sechs weitere
       Instanzen und „viele weitere Jahre der Auseinandersetzung“. – „Solange
       bleibt Dr. Sarrazin weiter waches und aufmerksames Mitglied der SPD.“
       
       Deshalb wird so schnell auch nichts werden mit dem Angebot des Berliner
       AfD-Landesverbandes auf eine freundliche Übernahme: „Thilo Sarrazin ist
       eingeladen sich der AfD anzuschließen“, schrieb Pressesprecher Ronald
       Gläser in einer Mitteilung. Zur Begründung sagte er: „Die AfD ist heute
       gerade auch in früheren SPD-Hochburgen wie Spandau und Neukölln stark, weil
       ein Teil der SPD-Wähler, die sich früher durch Männer wie Sarrazin
       repräsentiert sahen, der Partei der Kühnerts, Cheblis und Salehs den Rücken
       gekehrt hat.“
       
       Rückendeckung gab es von den Grünen: „Herzlichen Glückwunsch, liebe
       @spdberlin … die Entscheidung des Schiedsgerichts zum Parteiausschluss von
       Thilo #Sarrazin ist doch mal ein echter Lichtblick“, twitterte
       Fraktionschefin Antje Kapek. „Viel Erfolg auf dem weiteren Weg dahin!
       @cjgaebler.“
       
       11 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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