# taz.de -- Kampf um autoarme Innenstadt: Madrids Zentrum nun fast autofrei
       
       > Der konservative Bürgermeister ließ seit dem 1. Juli alle Fahrzeuge in
       > die Stadt. Ein Gericht hat das Fahrverbot wieder eingeführt.
       
 (IMG) Bild: Jetzt ist der Autoverkehr erstmal wieder ausgesperrt aus Madrids Innenstadt
       
       Madrid taz | Die Bewohner der Madrider Innenstadt können seit Montag wieder
       aufatmen. Pünktlich zum Wochenbeginn wurde der Verkehr erneut aus den
       zentralen Stadtteilen verbannt, nachdem am Freitag das Verwaltungsgericht
       der spanischen Hauptstadt einem Eilantrag auf eine einstweilige Verfügung
       der Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción stattgegeben hatte.
       
       Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida, der einem Bündnis aus
       konservativer Partido Popular (PP), rechtsliberalen Ciudadanos und der
       rechtsradikalen Vox vorsteht, hatte am 1. Juli ein Moratorium erlassen. Wer
       seitdem mit dem Auto in die 472 Hektar große Niedrigemissionszone „Madrid
       Central“ einfuhr, musste nicht mehr mit Bußgeldern rechnen.
       
       Doch in der Folge legte der Verkehr die gesamte Innenstadt lahm. Die
       gesamte vergangene Woche fuhren Autos selbst durch Straßen, die bereits 15
       Jahre vor Madrid Central für alle, außer für Anwohner, gesperrt wurden. Die
       Stickstoffdioxidwerte stiegen weit über die von der EU festgesetzten
       Richtwerte.
       
       Das Verwaltungsgericht sprach den Bewohnern jetzt das „Recht auf ein
       angemessene Umwelt“ und das „Recht auf Gesundheit“ zu. Der
       verkehrspolitische Sprecher von Ecologistas en Acción, Paco Segura,
       forderte Almeida auf, seine Kampagne gegen Madrid Central im Interesse der
       Gesundheit der Madrilenen einzustellen. Vergebens. Bürgermeister Almeida
       will jetzt klagen. Doch bis eine höhere Instanz über den Streitfall
       entscheidet, bleibt das Fahrverbot für alle außer für Anwohner und Besitzer
       von Elektrofahrzeugen bestehen. Das Verfahren kann Jahre dauern.
       
       ## Die Verwaltung manipulierte Statistiken
       
       „Madrid Central ist gescheitert“, erklärte Almeida auch nach dem
       richterlichen Bescheid. Seit Tagen behauptet die Stadtverwaltung, durch die
       Verkehrsberuhigung hätten Luftverschmutzung und Staus zugenommen. Um das zu
       belegen, manipulierte die Verwaltung gar Statistiken.
       
       Unter anderem wurden regenarme Monate mit regenreichen verglichen, wie das
       Bündnis zur Verteidigung von Madrid Central aufdeckte. Dem Bündnis gehören
       neben Umweltschutzorganisationen auch Nachbarschaftsvereine,
       Lehrergewerkschaften und die größte Taxivereinigung der Hauptstadt an. Das
       Bündnis brachte Ende Juni über 60.000 Menschen für Madrid Central auf die
       Straßen.
       
       Für Almeida geht es nicht um Umwelt und Gesundheit, sondern um Ideologie.
       „Die Linke will auf der Straße gewinnen, was sie an den Urnen nicht
       erreicht hat“, schimpfte Almeida am Wochenende auf der bischöflichen
       Radiostation Cope.
       
       Madrid Central, das vergangenen November in Kraft trat, war eine der
       wichtigsten Maßnahmen der linksalternativen Bürgermeisterin Manuela
       Carmena. Die drei Rechtsparteien nutzen das Thema im Wahlkampf und
       versprachen Freiheit für Autofahrer. Zwar gewann Carmena erneut die Wahlen.
       Doch die drei Rechtsparteien zusammen halten eine knappe Mehrheit im
       Stadtrat.
       
       8 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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