# taz.de -- Anonymer Krankenschein in Berlin: Bald darf jeder zum Arzt
       
       > Der anonyme Krankenschein kommt endlich. Laut Senat sind die
       > Verhandlungen „kurz vor dem Abschluss“. Rund 50.000 benötigen den Schein
       > dringend.
       
 (IMG) Bild: Gibt's bald für wirklich alle: ärztliche Behandlung
       
       Berlin taz | Gute Nachricht für alle Menschen in Berlin, die keine
       Krankenversicherung haben: Der anonyme Krankenschein kommt. Die dafür
       notwendigen Verträge mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und
       einzelnen Krankenhäusern stünden „kurz vor dem Abschluss“, sagte eine
       Sprecherin der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (bis vor Kurzem noch
       Kolat, SPD) am Donnerstag der taz.
       
       Mit dem neuen Schein können auch „Papierlose“ zum Arzt gehen – also
       Menschen, die keinen Aufenthaltstitel haben und sich nicht versichern
       können. Schätzungen zufolge leben in Berlin rund 50.000 Illegalisierte.
       Seit Jahren fordern Initiativen wie das MediBüro, die ehrenamtlich die
       medizinische Versorgung solcher Menschen organisieren, daher einen
       Krankenschein, mit dem Ärzte die Behandlung abrechnen können.
       
       Tatsächlich hatte die rot-rot-grüne Koalition dies im Koalitionsvertrag
       vereinbart. Im Zuge dessen hatte die Berliner Stadtmission im vorigen
       Oktober eine Clearingstelle für alle Menschen ohne Kassenschutz eröffnet,
       um diesen zu helfen, wieder Versicherte zu werden. Dazu gehören auch
       EU-BürgerInnen, deren Versicherungsschutz im Heimatland abgelaufen ist,
       oder arme Menschen, wie etwa Soloselbstständige, denen Geld für den
       Monatsbeitrag fehlt. Aber auch Wohnungslose, die ihre Rechte nicht
       wahrnehmen.
       
       Für Papierlose gilt das nicht, ihnen konnte die Clearingstelle daher
       bislang nicht helfen. Sie benötigen eine Art Versicherung, ohne ihre
       Identität preisgeben zu müssen. Der Haken am anonymen Krankenschein ist
       allerdings: Das Geld für medizinische Behandlungen darüber ist gedeckelt.
       750.000 Euro stellt Rot-Rot-Grün dafür bereit. Ob das reichen wird, weiß
       noch niemand.
       
       17 May 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Memarnia
       
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