# taz.de -- „Hart aber fair“ und #vonhier: Die Frage nach der Herkunft
       
       > Die ARD-Talkshow „Hart aber fair“ fragt, ob Heimat nur für die sei, „die
       > von hier stammen“. Das löst auf Twitter eine kontroverse Debatte aus.
       
 (IMG) Bild: Für die Kolumnistin Ferda Ataman ist die Frage nach der Herkunft eine „verbale Ausbürgerung“
       
       Berlin taz | Die Ankündigung einer „Hart aber fair“-Sendung hat auf Twitter
       eine kontroverse Debatte ausgelöst. [1][„Heimat Deutschland – nur für
       Deutsche oder offen für alle?“] lautet der Titel der ARD-Polittalkshow mit
       Frank Plasberg, die am Montagabend ab 21 Uhr gesendet wird. Im
       Ankündigungstext heißt es: „Aber für wen ist hier Heimat: für alle, die
       hier leben, oder nur für die, die von hier stammen?“ Besonders der
       Sendungstitel wurde in den sozialen Medien scharf kritisiert.
       
       Dieser räume „genau jenen Leuten Platz ein, die Menschen wie mir in Abrede
       stellen, dass Deutschland meine Heimat ist. Dass sie es ist, darüber gibt
       es nichts zu diskutieren“, twitterte beispielsweise [2][der Journalist
       Hasnain Kazim.] [3][Die Sprachwissenschaftlerin Lady Bitch Ray] fragte,
       „wer hier genau adressiert wird als ‚Deutsche‘ und wer nicht“, und forderte
       „Antirassismus-Konzepte für Journalist*innen, jetzt!“. [4][Die Politikerin
       Jutta Ditfurth] fühlte sich sogar an die Neonazi-Parole „Deutschland den
       Deutschen“ erinnert. „Deutschland ist schon so lange ein Einwanderungsland,
       dass es bösartig ist, eine solche Frage ernsthaft so zu stellen“, schrieb
       sie.
       
       Gemeinsam mit einem zeitgleich verbreiteten Ausschnitt aus der RTL-Sendung
       „Das Supertalent“, in der Juror Dieter Bohlen ein fünfjähriges Mädchen fünf
       Mal fragt, wo es herkomme, wurde so auf Twitter [5][der Hashtag #vonhier]
       ausgelöst. „Offenbar hat die kleine Melissa, so heißt das Mädchen, ihre
       Karriere als ‚Deutsch-Asiatin‘ noch nicht angetreten. Das Kind dachte bis
       zu dieser Begegnung doch tatsächlich, es sei aus Herne und von hier. Leider
       wird ihr im Laufe ihres Lebens wohl noch öfter klargemacht, dass das nicht
       so sei“, [6][schreibt die Spiegel-Online-Kolumnistin Ferda Ataman] über den
       „Supertalent“-Ausschnitt.
       
       „Wir reden über Stämme, Herkünfte und Kulturen, als sei es das Natürlichste
       der Welt, Menschen in diese Schubladen zu stecken. Wir finden es überhaupt
       nicht völkisch, wegen äußerlichen Merkmalen auf eine ausländische Herkunft
       zu schließen, weil es nun mal interessant ist, danach zu fragen“, so Ataman
       weiter. Die Frage „Woher kommst du?“ sei eine „verbale Ausbürgerung“.
       
       ## „Warum sind Sie braun?“
       
       [7][Ihre Kolumne teaserte sie auf Twitter] mit einem selbst erlebten Dialog
       an: „Woher kommen Sie?“ „Aus Nürnberg.“ „Aber woher kommt der Name Ferda?“
       „Der ist persisch.“ „Dann sind Sie iranisch-stämmig?“ „Nein, meine Eltern
       kommen aus der Türkei.“ „Schlimm, das mit Erdogan.“ Der Hashtag #vonhier
       war geboren, zahlreiche Tweets von anderen Nutzern aus Einwandererfamilien
       folgten und erhielten am Sonntag teilweise Tausende Likes.
       
       Die Psychologin Santina Battaglia [8][nannte solche Gespräche bereits im
       Jahr 1995 „Herkunftsdialoge“.] Die Frage nach der Herkunft transportiere
       alleine dadurch, dass sie (in der Heimat) häufig gestellt wird,
       „Ausgrenzungsbotschaften, die zu der Erfahrung, ‚eigentlich‘ woandershin zu
       gehören, führen“. Dieser Herkunftsdialog kennzeichne sich auch dadurch,
       dass er mit einer korrekten Antwort (wie beim „Supertalent“ die Antwort
       „Herne“) nicht beendet sei, sondern weitere Fragen nach der „eigentlichen“
       oder „richtigen“ Herkunft gestellt werden, bis die Herkunft der Eltern oder
       Großeltern preisgegeben werde.
       
       Dahinter steht offenbar oft die Annahme, dass Nicht-Weiße nicht Deutsch
       sein könnten. Dies kann sich auch durch die verwunderte Feststellung, dass
       die angesprochene Person „gut Deutsch sprechen kann“, ausdrücken. In einem
       Sketch des Internetsenders BBC Three wird dies auf die Spitze getrieben:
       Nach zahlreichen Fragen in einem Vorstellungsgespräch, woher die Bewerberin
       komme, fragt der Arbeitgeber schließlich: [9][„Warum sind Sie braun?“]
       
       ## #vonhier im Bundestag
       
       Neben viel Zustimmung zum Hashtag #vonhier und den geteilten Erfahrungen
       kritisierten viele Nutzer, dass die Herkunftsdialoge von anderen als
       rassistisch bezeichnet werden und die Möglichkeit eines ernsthaften
       Interesses ausgeschlossen werde. „Neugier ist menschlich, muss nicht immer
       böse gemeint sein. In Istanbul, Ankara oder Izmir wird man auch IMMER nach
       ‚memleket‘, nach echter Heimat, gefragt“, [10][schrieb der WDR-Journalist]
       Tuncay Özdamar‏.
       
       [11][Und weiter:] „Unglaublich, wie viele Leute mit Migrationshintergrund
       hier ganz menschliche Dialoge unter Alltagsrassismus verkaufen wollen.“
       [12][Die Publizistin Düzen Tekkal] postete einen Herkunftsdialog und
       schrieb danach: „Und trotzdem mache ich mir nicht ins Hemd deswegen, oder
       fühle mich weniger deutsch oder gar diskriminiert. Sowas #vonhier“.
       
       Auch Politiker griffen die Debatte auf. [13][Der Grünen-Parlamentarier
       Özcan Mutlu] berichtete von einer Diskussion um die doppelte
       Staatsbürgerschaft im Bundestag. Ein CDU-Kollege habe vom Redepult „Herr
       Mutlu, Sie und Ihr Präsident Erdogan“ gesagt. „Meine Fraktion ist
       fassungslos und protestiert. Wenn nicht mal ein MdB kapiert, dass ich
       #vonhier bin, haben wir viel zu tun!“
       
       Die nordrhein-westfälische [14][Integrationsstaatssekretärin Serap Güler
       (CDU)] kritisierte, dass bei den Fragen nach der Herkunft Antworten wie
       „Köln“ oder „Herne“ nicht einfach akzeptiert werden würden. Die Frage
       „Woher kommst du?“ empfinde sie zwar nicht als rassistisch, sie finde es
       allerdings „suspekt, dass man so darauf pocht, sie stellen zu dürfen“.
       
       25 Feb 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/sendungen/heimatdeutschland-102.html
 (DIR) [2] https://twitter.com/HasnainKazim/status/1099734754499403779
 (DIR) [3] https://twitter.com/LadyBitchRay1/status/1099614397448761344
 (DIR) [4] https://twitter.com/jutta_ditfurth/status/1099488042363047937
 (DIR) [5] https://twitter.com/hashtag/vonhier?src=hash
 (DIR) [6] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/herkunft-und-die-frage-wo-kommst-du-her-ethnischer-ordnungsfimmel-a-1254602.html
 (DIR) [7] https://twitter.com/FerdaAtaman/status/1099590925347704834
 (DIR) [8] https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/2964/ssoar-journpsycho-1995-3-battaglia-interaktive_konstruktion_von_fremdheit.pdf?sequence=1
 (DIR) [9] https://www.youtube.com/watch?v=RU_htgjlMVE
 (DIR) [10] https://twitter.com/TuncayOezdamar/status/1099621687992246280
 (DIR) [11] https://twitter.com/TuncayOezdamar/status/1099785303919861761
 (DIR) [12] https://twitter.com/DuezenTekkal/status/1099729604447821824
 (DIR) [13] https://twitter.com/OezcanMutlu/status/1099630815749771265
 (DIR) [14] https://twitter.com/SerapGueler/status/1099929739341557760
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frederik Schindler
       
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