# taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Über ölgeile Regierungen, eine Mauer um das norwegische Parlament und die
       > Big Band der Bundeswehr. Und: Venezuela – war da was?
       
 (IMG) Bild: Das venezolanische Drama sei ein Lehrbeispiel für „framing“, findet Friedrich Küppersbusch
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Tarifabschluss im öffentlichen Dienst ohne
       zünftigen Streik. 
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Klare Trennung zwischen Streikkundgebungen und Karnevalsumzügen.
       
       Der Bundesgerichtshof hat erstmals die [1][Verurteilung eines Rasers wegen
       Mordes] bestätigt. Sind Sie zufrieden mit dem Urteil? 
       
       Nur mit seiner Wirkung: Der Druck auf den Gesetzgeber wird erhöht. Schon
       beim Berliner Raser-Urteil letztes Jahr machten die Gerichte allerhand
       melodiöse Klimmzüge, um aus „billigend in Kauf nehmen“ das Mordmerkmal
       „Vorsatz“ zu machen. Im aktuellen Hamburger Fall war der Täter nicht nur
       schlimm an PS-Brunft erkrankt, sondern zudem sturzbetrunken, hatte keinen
       Führerschein und das Auto geklaut. Das, so der BGH, reiche nun aus, um von
       „vorsätzlicher Tötung“ zu sprechen. Doch juristisch bleibt strittig, ob
       „maximal bescheuert und tödlich rücksichtslos“ gleichzusetzen ist mit
       „vorsätzlich und aus niederen Motiven töten“. Deswegen fabulieren die
       Gerichte munter im Rückenmark der Täter herum und hoffen: Der Gesetzgeber
       möge für diesen bisher ungeregelten Fall zwischen Mord und Totschlag
       endlich eine Handhabe schaffen.
       
       Wieder eine [2][Flugzeugpanne]: Diesmal darf Außenminister Maas seinen
       Mali-Aufenthalt verlängern. Ist die Sache lächerlich oder liebenswert? 
       
       Während die Bahn treudoof jede Minusminute veröffentlicht, liegen
       Vergleichszahlen von kommerziellen Fluggesellschaften vermutlich im
       abgeschlossenen Gepäckraum – man kommt nicht dran. So beteuert die
       Flugbereitschaft der Luftwaffe, man fliege zu 98 % pünktlich und von einer
       Häufung der Fälle könne keine Rede sein, auch angesichts der Häufung der
       Fälle (Merkel, Müller, Steinmeier zuletzt). In der Warteschlange vor der
       Enteisung habe ich winters mal 75 Minuten „Last Chrismas“ von George
       Michael über die Bordbespaßungsanlage erlebt. Ich fühle mit Maas.
       
       [3][„Kim, Cohen, Chaos“] titelte tagesschau.de sehr hübsch. Könnten Sie für
       uns noch etwas mehr analytische Ordnung in Präsident Trumps Arbeitswoche
       bringen? 
       
       Nö, aber ich rechne mit Trumps nächstem Move, eine Mauer ums norwegische
       Parlament zu bauen, bis sie den Dreckspreis endlich raustun.
       
       In Israel steht die Likud-Partei trotz [4][Korruptionsvorwürfen] weiter
       hinter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Würden Sie es bedauern, wenn
       er abtreten müsste? 
       
       Netanjahu soll „Zigarren, Schmuck, Champagner“ und vor allem „positive
       Berichterstattung“ gegen politische Willfährigkeit bei Gesetzesvorhaben
       gedealt haben. Kurz: Er hat offenbar getan, was ein deutsches Medienkartell
       in Christian Wulff hineinfantasiert hat. Wulff trat zurück, Netanjahu
       bleibt. Tauschen.
       
       Ein aktuell konstatierter Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs werde den
       Antisemitismus mittel- bis langfristig fördern, schreiben Albrecht Müller
       und Jens Berger auf den [5][„Nachdenkseiten“]. Haben Sie über diesen
       behaupteten Zusammenhang schon mal nachgedacht? 
       
       Okay, schauen wir uns die Superzeitlupe noch mal an: „Wer vor Judenhass
       warnt, befördert Judenhass.“ Ja, nee, klar. Das ergibt rückwärts gelesen
       „Wer Judenhass verharmlost, vermindert Judenhass“. Und da sind die
       Nachdenkseiten offenbar vorne mit dabei.
       
       [6][Venezuela] – war da was? Beziehungsweise: Wie geht es da eigentlich
       weiter? 
       
       Wenn Wolfgang Schäuble sein Amt als Parlamentspräsident weiterentwickeln
       wollte, riete ich ihm eher zu Sit-down-Comedian John „Mr. Speaker“ Bercow
       als zum Putsch gegen Merkel als deutscher Guaido. – Das venezolanische
       Drama ist ein Lehrbeispiel für „framing“. Mal geht es um das eingeborene
       Recht der US-Regierung, ölgeil gewählte Regierungen abzuräumen, mal um den
       gerechten Kampf der Weltgemeinschaft gegen barbarische Sozialisten und
       lodernde Feuer an Hilfslieferungen. Hinweis: in beiden Lesarten spielt das
       Selbstbestimmungsrecht der Völker eine untergeordnete Rolle.
       
       Die Ukraine wird nun [7][nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen], weil
       die Siegerin des Vorentscheids auch Auftritte in Russland plant. Kleinlich
       – oder? 
       
       Alle drei Erstplatzierten verzichteten, nachdem der öffentlich-rechtliche
       Rundfunk ihnen Verträge vorlegte, wonach sie eine Zeit lang nicht in
       Russland auftreten dürfen und „die territoriale Sicherheit und Integrität
       der Ukraine nicht infrage stellen“ dürfen. So was unterschreiben bei uns
       nicht mal Berufsmusiker in der Big Band der Bundeswehr.
       
       Fragen: waam
       
       3 Mar 2019
       
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