# taz.de -- Kolumne So nicht: Petition gegen Rotznasenhochzieher
       
       > Die Bahn schafft die Vollkornschnitte ab. Aber unternimmt nichts gegen
       > Rotznasehochzieher. Da muss dringend was getan werden.
       
 (IMG) Bild: Selbst der kleinste Junge weiß, wozu Taschentücher gut sind
       
       Erst wenn in allen Chefetagen und an allen Bartheken Gleichheit, in allen
       U-Bahnen Beinfreiheit herrscht und Mansplaining wieder ein Fremdwort
       geworden ist, dann erst werden wir merken, dass es noch etwas gibt, was wir
       vergessen haben: erwachsene Männer, die in aller Öffentlichkeit ihre
       Rotznase alle 20 Sekunden lautstark bis Oberkante Nasennebenhöhle
       hochziehen.
       
       Sollte es in nächster Zeit zu einer längeren Gefechtspause im Kampf um die
       Geschlechtergerechtigkeit kommen, wird nur ein einziges Geräusch die Stille
       durchbrechen: Chrchrchrch. Wände werden wackeln, Nerven werden angesägt und
       Seelen werden erschüttert werden. Denn wir alle haben nichts getan, um die
       letzte Insel männlicher Ignoranz zu stürmen. Nicht, dass wir uns falsch
       verstehen: Mitglied dieses Clubs kann nicht werden, wer in einer absoluten
       Notlage steckt – die Nase läuft, kein Taschentuch nirgends.
       
       Mitglied dieses Clubs werden ausschließlich solche Männer, die der Spezies
       angehören, die sich von Mama oder Frau die Socken und Unterhosen rauslegen
       lässt. Dieselbe Mama oder Frau, die immer, wenn es brenzlig wird, ein
       Taschentuch aus der Handtasche zieht, um ihrem Kleinen Mund und Näschen zu
       säubern.
       
       ## Rotznasenhochzieher-Hochsaison
       
       In der Jahreszeit Herbst/Winter hat diese Spezies Hochsaison. Überall kann
       man sie zur Zeit vortrefflich beobachten. Am liebsten halten sie sich in
       öffentlichen Verkehrsmitteln auf. Noch näher aber kommt man ihnen auf
       längeren Strecken in der Deutschen Bahn. Hier lassen sich
       Rotznasehochzieher hautnah erleben.
       
       Bei manchen von ihnen hat man den Eindruck, sie würden den Schleimsack gern
       auch noch weiter hochziehen, als sie es tun, allein der Knochenbau
       verhindert, dass der Matsch direkt in den Hypothalamus flutscht. Dieser
       Spezies ein Taschentuch anzubieten, erfordert ungefähr so viel Überwindung
       wie jemandem zu sagen, dass er aus dem Mund riecht.
       
       Denn es ist ja klar, dass diese Spezies einfach aufs Bahn-WC gehen müsste,
       um den Schleimbeutel loszuwerden, den sie stundenlang in der Nase hoch- und
       runterschaukeln.
       
       ## Manssnuffling
       
       Dass diese letzte Domäne der Männer noch existiert, ist trotzdem ein
       Wunder. Denn im Vergleich zu bezahlbarem Wohnraum ist das Taschentuch ja
       weder Mangel- noch Bückware. Dass sie dennoch eine Weile überleben wird,
       davon muss man ausgehen. Denn anders als [1][#MeToo] oder Mansplaining hat
       diese Domäne ja noch nicht mal einen Namen. Jedenfalls ist mir bisher
       keiner bekannt. Wie wäre es mit Mansnuffling?
       
       Hm. Na ja. Kennen Sie einen besseren? Schreiben Sie mir ein Wort, das das
       Phänomen mega trifft und ich stelle sie in der nächsten Kolumne zur
       Abstimmung. Wir wollen uns doch nicht nachsagen lassen, wir hätten nur
       zugeguckt und nichts getan.
       
       Wo wir schon mal dabei sind: Die Deutsche Bahn hat in ihrem [2][Bordbistro]
       zum 1. Dezember die Vollkornschnitte abgeschafft. Kann da bitte jemand eine
       Petition aufsetzen? Vorschlag für einen Name hätt’ ich schon: Stullensturm.
       
       5 Dec 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!t5455381/
 (DIR) [2] https://www.bahn.de/p/view/service/zug/bordgastronomie/monatsaktion.shtml
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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