# taz.de -- taz-adventskalender: Die frohe Botschaft (4): Besserer Schutz für betreutes Wohnen
       
       > Seit Jahren klagen soziale Träger, dass Vermieter ihnen die Wohnungen zu
       > leicht kündigen können. Nun hat der Bundestag das Mietrecht geändert.
       
 (IMG) Bild: Menschen im betreuten Wohnen waren bisher besonders leicht zu kündigen
       
       Nach dem christlichen Kalender wird die Frohe Botschaft ja erst am 24.
       Dezember verkündet. Weil es in diesem irdischen Jammertal aber so selten
       Grund zur Freude gibt, präsentieren wir bis Weihnachten täglich eine gute
       Nachricht. 
       
       Wenn Menschen nicht in der Lage sind, alleine zu leben, aber auch nicht in
       ein Heim wollen, kann betreutes Wohnen eine gute Lösung sein: Minderjährige
       oder Pflegebedürftige, Menschen mit einer Behinderung oder psychischen
       Erkrankung wohnen in ihren eigenen vier Wänden, werden dabei aber von
       SozialarbeiterInnen unterstützt. Das eigene Zuhause bedeutet Autonomie und
       kann helfen, sich zu stabilisieren.
       
       Umso schlimmer ist es, wenn dieses Zuhause gekündigt wird. Dazu kam es in
       der Vergangenheit regelmäßig. Denn Wohnungen, die soziale Träger für ihre
       KlientInnen anmieten, unterlagen bisher dem Gewerbemietrecht. Das heißt:
       Der sonst übliche Kündigungsschutz griff nicht, für VermieterInnen war es
       relativ einfach, die Mieter loszuwerden und die Wohnungen neu, teurer, auf
       den Markt zu bringen. Ausgerechnet die Menschen, die Schutz besonders nötig
       haben, waren bisher also deutlich schlechter vor einem Wohnungsverlust
       geschützt als alle anderen MieterInnen.
       
       Das ändert sich nun: In der vergangenen Woche hat der Bundestag beim
       Mietrecht nachgebessert. Demnach unterliegen Wohnungen, die soziale Träger
       für ihre Klienten anmieten, in Zukunft nicht mehr dem Gewerbe-, sondern dem
       Wohnraummietrecht. Dem gemeinnützigen Träger mal eben die Wohnung zu
       kündigen, um danach eine höhere Miete einzustreichen, das geht nun nicht
       mehr.
       
       ## Ganz normale Verdrängung
       
       Für die 10.000 Menschen, die nach Angaben des Paritätischen
       Wohlfahrtsverbands in betreuten Wohnungen leben, ist das eine wirklich gute
       Botschaft. Fast wöchentlich hätten Mitgliedsorganisationen zuvor von
       Problemen mit Vermietern oder drohenden Kündigungen berichtet, sagt
       Sprecherin Kathrin Zauter. „Wir sind erleichtert, dass dieser unhaltbare
       Zustand nun endlich beendet wird“, freut sich auch Geschäftsführerin
       Gabriele Schlimper.
       
       Wie so oft bei guten Nachrichten bleibt die Freude allerdings nicht
       ungetrübt. Die soziale Infrastruktur ist der Gentrifizierung zwar ein
       bisschen weniger ausgesetzt, aber Verdrängung wird es weiter geben – jetzt
       eben im „normalen“ Tempo, also über Eigenbedarfsklagen, Mieterhöhungen oder
       Modernisierungen. Für soziale Träger ist es längst auch jenseits des
       Zentrums schwer geworden, Räume aufzutun. „Neue Wohnungen für die Betreuung
       von Menschen konnten in letzter Zeit kaum noch gefunden werden“, so
       Schlimper. Der bessere Kündigungsschutz dürfte die Suche nicht leichter
       machen.
       
       4 Dec 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Antje Lang-Lendorff
       
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