# taz.de -- Proteste gegen Guatemalas Präsidenten: Putsch gegen Guatemalas Justiz
       
       > Mit dem Vorgehen gegen die Juristenkomission Cicig versucht Guatemalas
       > Präsident, sich selbst zu schützen. Dagegen gehen Tausende auf die
       > Straße.
       
 (IMG) Bild: Für Gerechtigkeit und gegen Präsident Jimmy Morales: Tausende demonstrieren in Guatemalas Hauptstadt
       
       Berlin taz | Unter dem Slogan „Jimmy Du bist uns teuer zu stehen gekommen“
       sind am Donnerstag in Guatemala-Stadt Zehntausende gegen den Präsidenten
       Jimmy Morales auf die Straße gegangen. Angeführt wurde die Demonstration
       von den Studenten der größten öffentlichen Universität Guatemalas.
       
       Morales und eine korrupte Clique aus Militärs, Unternehmern und Politikern
       versuchen derzeit, die Uhren in Guatemala zurückzudrehen. Sie gehen aufs
       Ganze, um korrupte Seilschaften zu erhalten und sich vor Strafverfolgung zu
       schützen. Deshalb haben sie alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die
       [1][UN-Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala] (CICIG) und deren
       Direktor [2][Iván Velásquez] loszuwerden.
       
       Ende August weigerte sich Morales, das Mandat für die Arbeit der Kommission
       zu verlängern. Dann erklärte er CICIG-Direktor Velásquez zur „unerwünschten
       Person“, und am 4. September deklarierte er ihn zum „Sicherheitsrisiko“ für
       Guatemala und wies die Behörden an, ihn nicht einreisen zu lassen.
       
       ## Sternstunde der Demokratie mit fragwürdigen Folgen
       
       Dagegen laufen in Guatemala landesweit Proteste, nicht nur in der
       Hauptstadt, sondern auch in den großen Städten des Landes wie Quiché,
       Quetzaltenango oder Chiquimula. „Straßenblockaden und Demonstrationen mit
       mehreren Tausend Teilnehmern im Innern des Landes sind seit drei Wochen an
       der Tagesordnung. Die Demonstration gestern war ein starkes Zeichen der
       Zivilgesellschaft“, sagt Michael Mörth. Mörth, Jurist und Berater einer
       Menschenrechtskanzlei in Guatemala Stadt, lebt seit mehr als zwanzig Jahren
       in dem mittelamerikanischen Land und gehört zu denen, die sich vor mehr als
       16 Jahren für die Einsetzung einer internationalen Kommission zur Stärkung
       des Justizsystems engagiert haben.
       
       Die hat gute Arbeit geleistet. So haben die Ermittler der CICIG im
       September 2015 stichhaltige Beweise für ein gigantisches
       Korruptionsnetzwerk vorgelegt, hinter dem der damalige Präsident [3][Otto
       Pérez Molina] und seine Vizepräsidentin Roxana Baldetti Elías standen.
       Pérez Molina musste Anfang September 2015 nach Massendemonstrationen
       zurücktreten, Baldetti Elías wurde bereits zuvor verhaftet.
       
       Diese Sternstunde der Demokratie hat aus heutiger Perspektive allerdings
       einen schalen Beigeschmack, denn sie spülte einen politischen Newcomer an
       die Macht, der heute im Präsidentenpalast sitzt: [4][Jimmy Morales]. Der
       ehemalige Fernsehkomiker und evangelikale Laienprediger trat mit dem Slogan
       „Weder korrupt noch ein Dieb“ im September 2015 zu den
       Präsidentschaftswahlen an.
       
       Ihm und seiner Partei der nationalen Versöhnung“ (FNC) gingen die Wähler
       auf den Leim. Sie stimmten für den Newcomer und gegen die traditionellen
       politischen Seilschaften, übersahen dabei aber, dass hinter Morales
       Militärs stehen, die für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen während des
       Bürgerkrieges (1960-1996) mitverantwortlich sind. Korruptionsbekämpfung und
       die Stärkung des Justizsystems, der zentrale Auftrag der CICIG, lag alles
       andere als in deren Interessen.
       
       ## Vorwurf: illegale Parteienfinanzierung
       
       Als die Justiz basierend auf Recherchen der CICIG-Ermittler dann im August
       2017 erstmals einen Antrag auf Aufhebung der Immunität gegen den
       Präsidenten wegen illegaler Parteienfinanzierung stellte, war das Tischtuch
       zerschnitten. Frostig wurde der Ton, feindlich das Vorgehen. CICIG-Direktor
       Velásquez wurde zum ersten Mal zur „unerwünschten Person“ erklärt, seine
       Ausweisung verfügt. Erfolglos, weil das Verfassungsgericht den Präsidenten
       zurückpfiff.
       
       Nun hat sich die Episode Ende August wiederholt. Nur diesmal kündigte Jimmy
       Morales gleich an, dass er ein Urteil der Richter nicht akzeptieren würde.
       Als die Richter am vergangenen Montag die Anweisung des Präsidenten, Iván
       Velásquez die Einreise zu verweigern, als nicht verfassungskonform
       erklärten, forderte die Regierung die UN auf, binnen 48 Stunden einen neuen
       CICIG-Direktor zu ernennen. „Ein kaum kaschierter Bruch der Verfassung“, so
       Michael Mörth. Darauf reagierte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am
       Mittwoch und stellte sich vor Velásquez.
       
       Doch in Guatemala kursiert aus dem Umfeld der Botschaften das Gerücht, dass
       Morales das Einreiseverbot gegen Velásquez nicht aufheben wird – womit der
       Putsch gegen die Justiz real wäre.
       
       21 Sep 2018
       
       ## LINKS
       
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