# taz.de -- Investitionen in fossile Energie: Das Silberne Einhorn macht Kohle
       
       > Die Kohleindustrie ist überraschend vielfältig. Das zeigt eine Datenbank,
       > die die Umweltorganisation urgewald erstellt hat.
       
 (IMG) Bild: Nicht nur der Kohleabbau gehört zur Kohleindustrie
       
       Berlin taz | Sie ist mächtig, einfallsreich und überraschend vielfältig:
       die Kohleindustrie. Das zeigt eine Liste, die am Donnerstag von der
       deutschen Umweltorganisation urgewald und ihren Partnern auf dem
       UN-Klimagipfel in Bonn veröffentlicht wurde.
       
       Die [1][„Global Coal Exit List“] (GCEL) ist eine umfassende Datenbank, die
       alle Arten von Kohleunternehmen auflistet, nicht nur die eigentlichen
       Produzenten. Für die Aufnahme in die GCEL war zum einen relevant, wie hoch
       der Kohleanteil am Umsatz eines Unternehmens ist, zum anderen, welchen
       Marktanteil die jeweilige Firma in der Branche hat.
       
       So macht Glencore, der weltweit größte Rohstoffhändler mit Sitz in der
       Schweiz, nur 21 Prozent seines Umsatzes mit Kohle. Zugleich ist er aber mit
       125 Millionen Tonnen Kohle im Jahr der achtgrößte Produzent der Welt.
       
       „Wir waren durchaus überrascht, wie viele Unternehmen Teil der
       Kohlewirtschaft sind und wie stark in Kohle investiert wird“, sagt
       urgewald-Sprecher Moritz Schröder. „Und dass viele Investoren selbst gar
       nicht wissen, dass sie Kohle finanzieren.“ Nämlich etwa dann, wenn ein
       Unternehmen nicht klar als Kohleproduzent oder Kraftwerkbetreiber erkennbar
       ist.
       
       Silver Unicorn Trading zum Beispiel, das sich vom Namen her mehr für den
       Handel mit Fabelwesen empfehlen würde, aber auch andere Konzerne mit
       blumigen Namen wie Lemur Resources oder Africa China Sunlight Energy: Sie
       alle haben mit Kohle zu tun.
       
       ## Das Kohleuniversum ist groß
       
       „Wir haben alles getan, um wirklich den größten Teil des Kohleuniversums
       abzudecken“, sagt Schröder. Dazu gehören dann auch Sektoren und Bereiche,
       die sonst gern übersehen werden – beispielsweise die Hersteller von Gleisen
       für den Kohletransport. Auf der Liste stehen so Unternehmen, deren
       Aktivitäten von der Kohleexploration und -förderung über Kohlehandel und
       -transport bis hin zur Kohleverstromung und zum Bau von Kohlekraftwerken
       reichen.
       
       Von den 775 dort genannten Unternehmen betreiben 218 Kohlebergbau, 214
       Kohlekraftwerke, 110 sind auf beiden Feldern aktiv. Die übrigen 233 bieten
       verschiedene Dienstleistungen in der gesamten Kohlewertschöpfungskette an.
       Damit deckt die GCEL nach Angaben von urgewald 88 Prozent der weltweiten
       Kohleproduktion und 86 Prozent der globalen Kohlekraftwerkskapazität ab.
       
       Relevant waren für die Aktivisten auch Konzerne, die erst noch planen, in
       die Kohle einzusteigen. Das ist neu: Denn in den Datenbanken der
       Finanzindustrie, die ohnehin im Schnitt nur auf etwa 100 Unternehmen
       kommen, tauchen solche Firmen nicht auf. Ein Beispiel ist die malaysische
       Toyo Ink, die heute noch mit Tinte wirtschaftet, aber künftig auf Kohle
       umstellen will, weil sie sich davon mehr Gewinn verspricht.
       
       Die GCEL identifiziert zudem 225 Unternehmen, die den Ausbau des
       Kohlebergbaus und 282 Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke planen. Dazu
       gehört Marubeni – ein riesiges, diversifiziertes japanisches Handelshaus,
       gleichzeitig Nummer 26 unter den größten Kohlekraftwerksentwicklern der
       Welt. Marubeni will in neun Ländern Kohlekraftwerke mit mehr als 5.800
       Megawatt Leistung bauen.
       
       ## Datenbank als „effektives Divestmentinstrument“
       
       „Es ist total wichtig, gerade bei der Expansion der Kohleindustrie
       anzusetzen“, sagt Katrin Ganswindt, die die Liste mitrecherchiert hat. „Die
       Türkei, wo unterdessen Eon noch in einem Joint Venture an einem
       Kraftwerkprojekt beteiligt ist, fällt da besonders auf.“
       
       Die Datenbank soll als „effektives Divestmentinstrument“ dienen, wie
       Schröder sagt. Das soll heißen: Versicherer, Banken, Anleihenkäufer und
       andere Investoren können hier sehen, wen sie da eigentlich mit ihrem Geld
       unterstützen, genau das unterlassen und so für die Zukunft zielgenau
       bestimmen, wie hoch der „Kohlegehalt“ ihres Portfolios sein soll. „Die
       Finanzwirtschaft verfügt über den entscheidenden Hebel“, sagt Schröder.
       „Diese Verluste würde die Kohleindustrie sofort spüren.“
       
       Nutzen kann die Datenbank jede*r, der oder die sich über die mächtige,
       einfallsreiche und vielfältige Kohleindustrie informieren möchte.
       
       9 Nov 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://coalexit.org/database-full
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanna Voß
       
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