# taz.de -- Martin Schulz im taz-Interview: „Die SPD ist keine Männertruppe“
       
       > Der SPD-Kandidat Martin Schulz spricht über seine Partei, Frauen und die
       > Agenda 2010. Und: Wieso Merkel gut nach Köln passen würde.
       
 (IMG) Bild: „Ich kämpfe bis zum 24. September, 18 Uhr“
       
       Frühstück mit dem SPD-Kanzlerkandidaten. Das Hotel Vila Vita Rosenpark in
       Marburg, samtige Polstersessel, dicker Teppich, eine Fototapete mit
       Bücherwand-Motiv. Martin Schulz, 61, lässt sich in einen Sessel sacken,
       bestellt Kaffee, Rührei mit Schinken und zeigt auf die Bücherwand. Eine
       solche sei auf dem Buchcover von Dietrich Schwanitz zu sehen. Stimmt,
       „Bildung. Alles, was man wissen muss“, ein Kanon im Taschenbuchformat.
       Schulz liebt Literatur, er liest auch nach 16-Stunden-Tagen im Wahlkampf
       noch ein paar Seiten. Mitten im Interview zieht er sein Smartphone aus der
       Tasche. Eine SMS von Merkel? Brennt ’s im SPD-Vorstand? Nein, seine Frau
       Inge schickt ein Foto. Ein Hibiskus hat sich im Garten selbst ausgesät.
       Schulz lächelt. 
       
       taz: Herr Schulz, was hat Ihnen Ihre Frau geraten, bevor Sie
       Kanzlerkandidat der SPD wurden? 
       
       Martin Schulz: Sigmar Gabriel und ich haben uns im Januar in Montabaur
       getroffen, um über die Aufteilung der Aufgaben in der SPD zu reden. Meine
       Frau und ich führten vorher ein sehr ernstes und langes Gespräch. Sie
       sagte: Prüfe dich. Mach es nur, wenn du ohne Zweifel bist.
       
       Haben Sie die Entscheidung schon mal bereut? 
       
       Nein, keine Sekunde. Es war richtig, den SPD-Vorsitz und die
       Kanzlerkandidatur zu übernehmen. Ich bin mit mir im Reinen.
       
       Echt jetzt? Sie stehen mit dem Rücken zu Wand. 
       
       Ich habe eine andere Wahrnehmung. Hinter mir steht eine unglaublich
       geschlossene Partei. Knapp die Hälfte der Leute hat noch nicht entschieden,
       wen sie wählt. Die Sache ist offen. Ich bin ein Kämpfer.
       
       Ihre Frau und Sie sind seit mehr als 30 Jahren verheiratet. Ist sie Ihre
       politische Ratgeberin? 
       
       Meine Frau weiß sehr genau, was die Leute umtreibt. Wir leben in Würselen,
       dort betrieb meine Frau lange ein Planungsbüro für Landschaftsarchitekten.
       Sie spricht mit Nachbarn, meine Geschwister leben in der Nähe, mein Bruder
       hat dort seine Arztpraxis. Das ist mein Anker im normalen Leben.
       
       Journalisten lästern über Ihre Glatze, das Brillengestell, die Anzüge, die
       nicht maßgeschneidert seien. Solche Kritik trifft oft Frauen. Kränkt Sie
       das? 
       
       Nee, das lässt mich kalt. Das sind wenige Journalisten, die sich als Elite
       sehen, an Inhalten kein Interesse haben und lieber über Äußerlichkeiten
       schreiben. Interessanter intellektueller Anspruch, übrigens.
       
       Der Spiegel sagt Ihnen den „Glamour eines Eisenbahnschaffners“ nach. Die
       Botschaft ist: Sie sind zu gewöhnlich fürs Kanzleramt. 
       
       Heute heißen die Schaffner Zugbegleiter, das hat der Spiegel leider noch
       nicht mitbekommen. Im Ernst: Solche Sätze drücken doch vor allem Verachtung
       für normale Leute aus. Zugbegleiter sind anständige Menschen. Diese
       Haltung, wir hier oben, ihr da unten, die regt mich auf. Ich komme aus
       gewöhnlichen Verhältnissen.
       
       Ihr Vater war Polizist und stammte aus einer Bergbaufamilie. 
       
       Er arbeitete im Schichtdienst. Am Wochenende hat er als Musiker mit der
       Feuerwehrkapelle im Bierzelt gespielt, um das Schulgeld und Schulbücher für
       seine fünf Kinder bezahlen zu können. Mein Vater sah mit 70 jünger aus als
       mit 60.
       
       Eine Langzeitstudie, die der SPD-Vorstand in Auftrag gab, lieferte
       interessante Ergebnisse über die SPD und ihren Erfolg bei Frauen: Sie
       schöpfe ihr Potential bei Wählerinnen nicht aus, jene verbänden kein
       erkennbares Thema mit ihr. 
       
       Mag sein, dass wir unsere Ideen manchmal nicht gut genug vermitteln. Aber
       kein erkennbares Thema? Die SPD kämpft für die Familienarbeitszeit. Wenn
       beide Elternteile ihre Arbeitszeit zwei Jahre lang reduzieren, um ihre
       Kinder zu betreuen, sollen sie 300 Euro pro Monat bekommen. Wir wollen ein
       Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen. Und wir treiben den Kitaausbau voran.
       Die SPD tut viel für Frauen.
       
       Die SPD wirkt wie eine männliche, teils machohafte Partei, der Führungsstil
       Ihrer Vorgänger war autoritär. Ist das ein Problem? 
       
       Ich teile ihre Einschätzung nicht. Die SPD ist keine Männertruppe. Wir
       haben mehr Ministerinnen als Minister im Kabinett. Dazu jede Menge
       Staatssekretärinnen und Ministerpräsidentinnen in wichtigen Bundesländern.
       Andrea Nahles, Manuela Schwesig oder Malu Dreyer sind starke
       Politikerinnen.
       
       Den Wahlkampf prägen Sie, Sigmar Gabriel und Hubertus Heil. Das wirkt nicht
       sehr modern. 
       
       Als erste, große Aufschläge meiner Kampagne hatte ich drei Themen geplant.
       Das Arbeitslosengeld Q – dafür steht Andrea Nahles. Die Familienarbeitszeit
       – die hat Manuela Schwesig erfunden. Und Bildungspolitik – die hätte ich
       gerne mit Malu Dreyer vor der Nordrhein-Westfalen-Wahl präsentiert. Mit
       allen drei Frauen wollte ich einen großen Auftritt.
       
       Aber Hannelore Kraft wollte vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen nicht, dass
       Sie Bildung im Bund hochziehen. Weil sie fürchtete, dass ihr dann Fehler in
       der NRW-Schulpolitik um die Ohren fliegen. 
       
       Ich habe dann unser Bildungskonzept etwas später gemeinsam mit allen
       Ministerpräsidentinnen und –präsidenten vorgestellt.
       
       Sehr viele Ortsvereinschefs sind ältere Männer. Diese Basiskultur wirkt für
       junge Frauen nicht gerade interessant, oder? 
       
       In die SPD sind seit meiner Nominierung 23.000 neue Mitglieder eingetreten.
       Fast die Hälfte ist jünger als 35. Schauen Sie sich die Jusos an, da sind
       unglaublich viele kluge und engagierte Frauen. Johanna Uekermann ist nicht
       allein. Ich bestreite nicht, dass wir das eine oder andere strukturelle
       Problem haben. Aber da ist viel in Bewegung.
       
       Machen Frauen anders Politik als Männer? 
       
       Frauen haben einen anderen Politikstil als Männer. Rationaler, planvoller,
       nicht so emotional.
       
       Wirklich? Jetzt stellen Sie aber das Rollenklischee auf den Kopf. 
       
       Sie fragen mich ja nach meinen Erfahrungen. Ich erlebe die Frauen in der
       SPD-Führung so. Sie sind genauso machtbewusst wie die Männer, setzen ihre
       Punkte aber kühler durch. Sie sind innerlich ruhiger. Diese Sicht, so, das
       ist eine Versuchsanordnung, und wir gehen mal Fall A, B und C durch – die
       kenne ich nicht nur von Merkel. Manche Männer kommen damit schwer klar,
       weil sie denken, was die da macht, passt gar nicht zu einer Frau.
       
       Macht es Ihre Kandidatur schwieriger, dass Sie als Mann eine Frau angreifen
       müssen? 
       
       Das ist schwer zu sagen. Ich attackiere meine Mitbewerber ja grundsätzlich
       nicht persönlich, mache lieber mal einen ironischen Spruch. Da merkt man
       mir meine Erziehung als Jesuitenschüler an. Fortiter in re, suaviter in
       modo, stark in der Sache, sanft in der Methode. Ich beobachte aber, dass
       mir Journalisten oft vorhalten, ich hätte Merkel persönlich angegriffen –
       dabei hatte ich nur sachlich Kritik vorgetragen. Politischer Streit mit
       einer Frau wird offenbar anders interpretiert.
       
       Wenn ein Mann eine Frau angreift wirkt das böser? 
       
       Mag sein. Merkel hat ja einen Nimbus entwickelt. Freundlich, authentisch
       und unprätentiös. Aber die Art und Weise, wie sie ihre Positionen
       revidiert, ist gnadenlos opportunistisch. Nehmen Sie ihren Auftritt beim
       TV-Duell. Als ich forderte, die EU müsse die Beitrittsverhandlungen mit
       Erdoğans Türkei abbrechen, hat sie in ein paar Minuten ihre Haltung
       angepasst. Wahnsinn.
       
       Merkel hat neulich erklärt, sie könne sich vorstellen, das nächste Kabinett
       zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Das haben Sie schon vor sechs Monaten
       angekündigt. Wie fühlt es sich an, gegen Watte zu kämpfen? 
       
       Ich wundere mich eher. Sie sagen, ich kämpfe gegen Watte. Mir würden dazu
       weniger freundliche Begriffe einfallen. In Frankreich käme Merkel nach so
       einer Nummer in die mediale Frikassiermaschine. In Deutschland wird eher
       darüber geschrieben, welch schlauer Schachzug der Kanzlerin das wieder
       gewesen sei.
       
       Die Medien sind schuld? 
       
       Nein. Aber es gibt eine bestimmte Neigung des deutschen
       Hauptstadtjournalismus zur Entpolitisierung. Das kenne ich anders. Selbst
       in Brüssel werden die, die hohe Funktionen inne haben, härter rangenommen
       als in Berlin.
       
       Woher kommt die Neigung zu Merkel? Ist sie so erfolgreich, weil die
       Deutschen das Mittige mögen? 
       
       Ganz offensichtlich finden viele Deutsche Merkels Politikstil attraktiv.
       Bei ihr gibt es keine Zumutungen – aber eben auch keine klaren Positionen.
       
       Merkel ist aber auch im gegnerischen Lager beliebt – bei
       Linkspartei-Wählern im Osten, bei Grünen-Wählern sowieso. 
       
       Frau Merkel ist eine professionell präsentierte Marke. Sie verkauft sich
       eben gut. Eigentlich würde sie wunderbar nach Köln passen. Dort sagt man:
       Et es, wie et es. Et kütt, wie et kütt. Et hätt noch immer jot jejange. Das
       kann man sympathisch finden. Aber das reicht halt nicht, um die Zukunft des
       Landes zu gestalten.
       
       Offenbar sehen viele auch keine echte Differenz zwischen Ihnen und Merkel.
       Die SPD hat keine einzige Forderung im Angebot, bei der klar ist, dass die
       Union auf keinen Fall mitmacht. 
       
       Doch. Richtig ist: Frau Merkel vermittelt den Eindruck, für sie sei jede
       inhaltliche Position nur eine taktische Frage. Denken Sie an den
       Zickzackkurs in Sachen Atom unter Schwarz-Gelb. Oder daran, dass die jetzt
       so tut, als habe sie den Mindestlohn erfunden, den wir gegen ihren
       Widerstand durchgesetzt haben. Aber dass die Union die Bürgerversicherung
       und unser Renten- und Bildungskonzept je übernehmen wird, kann ich mir
       nicht vorstellen. Wollen Sie wissen, was meine Frau zu diesem Thema denkt?
       
       Natürlich. 
       
       Meine Frau hat mir gesagt: „Die Leute wollen in Ruhe gelassen werden. Und
       du beunruhigst sie.“ Darüber haben wir gestritten. Denn ich glaube: Auch
       wenn die politische Mitte sediert ist, müssen wir unsere Themen vertreten
       und für Veränderung werben.
       
       Sie haben kein Abitur und kein Studium. Hatten Sie deswegen Nachteile? 
       
       Als Autodidakt hatte ich es anfangs schwieriger in der Politik. Ich war
       ehrenamtlicher Bürgermeister und musste komplexe Rechtsfragen bearbeiten.
       Kommunalpolitik ist enorm verrechtlicht. Klar fällt das leichter, wenn man
       Jura studiert hat. In einer akademischen Ausbildung lernt man, sich einen
       systemischen Zugang zu Materie zu verschaffen. Diese Fähigkeit musste ich
       mir selbst aneignen.
       
       Das Handelsblatt hat sinngemäß geschrieben: Wer kein Abi hat, kann kein
       Kanzler werden. Was haben Sie gedacht, als Sie das lasen? 
       
       Ich dachte, da fehlt noch was: „… und erst recht nicht Kanzler werden, wenn
       er Sozialdemokrat ist.“ Das ist die Anmaßung von Möchtegerneliten, die für
       sich reklamieren, dass das Land ihnen gehört. Gegen die kämpfen
       Sozialdemokraten seit 154 Jahren.
       
       Herr Schulz, muss die SPD linker werden? 
       
       Wir sind eine linke Partei.
       
       Warum haben Sie sich dann nicht hart von der Agendapolitik distanziert? 
       
       Ich habe versucht das innere Schisma der SPD zu beenden und die Partei zu
       befrieden. Mit einer vorsichtigen Änderung bei der Agenda 2010, dem
       Arbeitslosengeld Q. Dadurch bekommen Leute, die sich weiterbilden, länger
       Geld. Das hat ein großes Echo ausgelöst. Viele Sozialdemokraten, die uns
       die Agenda übel genommen hatten, sind zurückgekehrt.
       
       Wieso so zaghaft? Die Agenda 2010 war für viele SPD-Sympathisanten der
       entscheidende Verrat. 
       
       Weil es mir nicht um die Diskussionen der Vergangenheit geht. Ich halte
       nichts von dieser retrospektiven Selbstbespiegelung. Und: Mir ging es
       darum, die SPD mit sich selbst zu versöhnen. Ich glaube, das ist auch gut
       gelungen. Zur Erinnerung: Im Januar lag die SPD in Umfragen bei 19 Prozent.
       Die Gefahr war, dass die AfD uns überholt. Ich bin im fliegenden Wechsel im
       Februar an den Start gegangen und habe den Auftrag, diese Partei als
       relevante Kraft zu erhalten. Dazu gehört eine integrativer Führungsstil.
       
       2013 hatte die SPD mit dem Mindestlohn ein Thema, das für alle verständlich
       soziale Gerechtigkeit symbolisierte. Das fehlt Ihnen heute. 
       
       Nein, das stimmt nicht. Die Bürgerversicherung ist eine klare soziale
       Forderung. Wer in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, muss
       genauso gut versorgt werden wie ein Privatversicherter. Die Rückkehr zur
       Parität würde bedeuten, dass Millionen gesetzlich Versicherte sofort
       entlastet würden, weil die Arbeitgeber wieder die Hälfte der Beiträge
       zahlen würde. Und die nationale Bildungsallianz, die ich anstreben, ist ein
       eminent soziales Thema.
       
       In Deutschland bestimmt die Herkunft über die Bildung. 77 Prozent der
       Kinder von Akademikern gehen auf eine Universität, aber nur 23 Prozent der
       Kinder von Facharbeitern. Woran liegt das? 
       
       Ich glaube, die deutsche Diskussion hat sich in den vergangenen Jahren zu
       sehr auf akademische Bildung fokussiert, auf Gymnasien und Universitäten.
       Bildung fängt aber in der Kita an.
       
       Die SPD hat im Bund seit 1998 15 Jahre lang regiert, sie stellt
       Ministerpräsidenten in wichtigen Bundesländern. Was haben Sie falsch
       gemacht? 
       
       Die Wähler interessiert nicht, wer was falsch gemacht hat. Sie wollen
       bessere Lösungen. Die SPD sorgt seit Jahren dafür, dass Kinderbetreuung
       politisch diskutiert wird. Wir haben das erste Ganztagsschulprogramm in der
       deutschen Geschichte durchgesetzt – gegen heftigen Widerstand der Union.
       Wir wollen, dass der Bund in Zukunft drei Milliarden Euro pro Jahr für
       bessere Schulen ausgibt. Und wir sind die einzige Partei, die sich wirklich
       intensiv um die berufliche Bildung kümmert.
       
       In Deutschland besitzt die untere Hälfte nur ein Prozent des Vermögens.
       Warum ist das für die SPD kein Skandal? 
       
       Das halten wir für einen Skandal. Deshalb entlasten wir vor allem Familien
       mit kleinen und mittleren Einkommen bei Kitagebüren, Steuern und Abgaben.
       Und wir müssen auch die Vermögensgleichheit anpacken. Deshalb brauchen wir
       eine andere Erbschaftssteuer.
       
       Ihr Programm drückt sich um harte Forderungen herum. Es gibt nur einen
       Prüfauftrag zur Vermögenssteuer.
       
       Ich drücke mich nicht vor der Umverteilungsfrage. Die Kluft zwischen Arm
       und Reich war früher nicht so tief. Der Soziologe Helmut Schelsky hat das
       in den 50ern „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ genannt. Die Frage ist,
       wie man die Schere zwischen Arm und Reich wieder schließt. Die
       Vermögenssteuer ist ein interessantes Instrument, aber sie ist
       verfassungsrechtlich schwierig umzusetzen.
       
       Jährlich werden 200 bis 300 Milliarden Euro in der Republik vererbt – der
       Staat bekommt nur etwa zwei Prozent. Aber im SPD-Programm steht dazu nur
       eine Absichtserklärung, nichts Konkretes. Warum? 
       
       Weil auch die Erbschaftssteuer rechtlich extrem kompliziert ist. Ich will
       mit der Erbschaftssteuer nicht das Gleiche erleiden wie mit der
       Vermögenssteuer – nämlich dass eine notwendige Steuer an rechtlichen
       Voraussetzungen scheitert.
       
       Klingt wie Methode Merkel: besser nicht festlegen, dann kann man später
       dafür nicht verhaftet werden. 
       
       Auf keinen Fall. Wir werden in der nächsten Wahlperiode eine
       Erbschaftssteuer in Angriff nehmen. Kleinere Erbschaften werden ebenso von
       Steuern befreit sein wie wirtschaftliches Vermögen, das weiterhin
       nachweislich dazu dient, Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen. Aber
       private Erben größerer Vermögen müssen stärker besteuert werden. Das ist
       unser Grundsatz, den meinen wir ernst.
       
       Die SPD will ein Chancenkonto für Arbeitnehmer. Jeder soll Anspruch auf
       20.000 Euro haben, um etwa Weiterbildungen oder Existenzgründungen zu
       finanzieren. Die Idee ist gut, weil sie soziale Sicherheit mit
       individuellen Freiheitsgewinnen verknüpft. Doch kaum schreibt die
       Bild-Zeitung, dass das 800 Milliarden kosten würde … 
       
       … was Unsinn ist …
       
       … schon bekommt die SPD Angst. 
       
       Nee, wir haben keine Angst. Ich habe das Chancenkonto als Kernelement des
       Zukunftsplanes vorgestellt. Das Chancenkonto ist die sozialdemokratische
       Antwort auf die Umbrüche der Digitalisierung: Wir wollen jedem und jeder
       ermöglichen, das Leben selbst zu gestalten, statt sich den Veränderungen in
       der Arbeitswelt zu unterwerfen. Das ist ein großes Projekt, das gerade
       viele junge Menschen begeistert. Aber wir hatten Pech bei der Präsentation,
       weil gleichzeitig der Dieselskandal in den Schlagzeilen war. Das ist keine
       Entschuldigung. Aber so war es.
       
       Kommt noch etwas vor dem 24. September? Mobilisiert die SPD gegen
       Schwarz-Gelb? 
       
       Wir mobilisieren nicht gegen irgendjemand, sondern für uns. Aber natürlich
       werden wir auch daran erinnern, dass Schwarz-Gelb die schlechteste
       Regierung in der Geschichte der Republik war. Mit Frau Merkel als
       Kanzlerin.
       
       Sie beginnen Ihre Sätze bis heute mit: „Wenn ich Bundeskanzler der
       Bundesrepublik Deutschland werde“. Wie lange noch? 
       
       Bis ich Bundeskanzler bin. Ich kämpfe bis zum 24. September, 18.00 Uhr.
       
       11 Sep 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Reinecke
 (DIR) Ulrich Schulte
       
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