# taz.de -- Brexit-Verhandlungen in Brüssel: Scheidung mit Hindernissen
> Die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien gestalten sich
> schwierig. Vor allem Londons finanzielle Verpflichtungen ab 2019 sind
> strittig.
(IMG) Bild: EU-Chefunterhändler Michel Barnier (rechts) mit dem britischen Brexit-Minister David Davis
Brüssel taz | Die Scheidung zwischen Großbritannien und der EU läuft aus
dem Ruder. Auch bei der dritten Verhandlungsrunde habe man in den
wesentlichen Fragen keine Fortschritte erzielt, sagte EU-Chefunterhändler
Michel Barnier am Donnerstag in Brüssel. Deshalb sei nun der gesamte
Zeitplan in Gefahr. Vor allem über die Finanzen gibt es Streit.
Die EU fordert, dass Großbritannien seine finanziellen Verpflichtungen auch
nach dem Brexit im März 2019 erfüllt. So soll London auch künftig der
Ukraine oder den AKP-Staaten in Afrika, der Karibik und im Pazifik helfen.
„Die europäischen Steuerzahler sollten nicht für Großbritannien bezahlen
müssen“, fordert Barnier. „Das wäre unfair.“
Der britische Brexit-Minister David Davis widersprach. „Wir haben eine
andere Rechtsauffassung“, sagte er nach den viertägigen, spannungsgeladenen
Verhandlungen in Brüssel. Auch seine Regierung sei den Steuerzahlern
rechenschaftspflichtig. Deshalb könne London sich nicht über 2019 hinaus
finanziell engagieren.
Weit auseinander liegen die Positionen auch weiter bei den Rechten der
EU-Bürger und in der Nordirland-Frage. Davis legte zwar, wie von Brüssel
gefordert, zahlreiche Verhandlungspapiere vor. Doch sie stellten weder
Barnier noch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zufrieden.
„Keines davon macht mich zufrieden“, sagte der Luxemburger. „Aus einigen
Vorschlägen lese ich eine Art von Nostalgie heraus“, ergänzte der Franzose
Barnier. Die Briten wollten offenbar auch nach dem EU-Austritt an lieb
gewordenen Ansprüchen festhalten. Dies sei mit dem EU-Recht jedoch nicht
vereinbar.
## Streit über die Vergangenheit
Davis wies die Kritik zurück. Die britischen Unterhändler hätten „hart
gearbeitet“ und detaillierte Papiere vorgelegt. Es gehe darum,
festzustellen, „wo wir übereinstimmen und wo nicht“. Dazu müsse sich auch
die EU bewegen und flexibel zeigen.
Doch in Brüssel haben sich die Fronten verhärtet. Vor allem das
Europaparlament macht Druck. Er rechne nicht mehr mit einer rechtzeitigen
Einigung, sagte der Brexit-Beauftragte des Parlaments, Guy Verhofstadt.
Deshalb müsse man schon jetzt über Übergangsregeln nachdenken.
Im Gespräch ist etwa eine Übergangsperiode von drei Jahren, während der
sich an den Beziehungen zur EU nicht viel ändern würde. Eine offizielle
Position ist das aber noch nicht. Und die Briten scheinen nicht bereit,
sich darauf einzulassen. Verhofstadt habe sein Mandat überschritten,
kritisierte ein britischer Unterhändler.
Es war nicht das einzige Zeichen für die wachsende Nervosität. Auch Barnier
zeigte Nerven. „Ich bin weder frustriert noch wütend“, antwortete er auf
Fragen britischer Journalisten. Er mache sich nur Sorgen, weil die Zeit
davonlaufe. So sei fraglich, ob man im Herbst zur zweiten Phase der
Verhandlungen übergehen könne. In dieser Phase soll es auch um die Zukunft
der Beziehungen gehen. Doch bisher streitet man weiter – über die
Vergangenheit.
31 Aug 2017
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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