# taz.de -- Kommentar SPD und Ehe für alle: Lob des Wahlkampfmanövers
       
       > Alles nur Wahlkampf, der Streit um die Ehe für alle? Vielleicht. Doch
       > ganz nebenbei hat die SPD so ein längst überfälliges Gesetz verwirklicht.
       
 (IMG) Bild: Dröger politischer Wahlkampf kann auch mal erfreuliche Fakten schaffen
       
       Wenn Thomas Oppermann schon Karl Marx zitiert, dann ist es der SPD ernst.
       Die Ehe für alle sei, so der SPD-Fraktionschef, „ein Gedanke, der mit Macht
       zur Wirklichkeit drängt“. Im Original bei Marx heißt es, dass die
       Wirklichkeit auch zum Gedanken drängen muss. So ist es in diesem Fall. Mag
       sein, dass die Ehe für alle im Alltag wenig grundstürzend ändert. Als
       [1][Symbol ist sie wichtig] – Gleichheit geht vor Tradition.
       
       Die SPD hat der Union auf den allerletzten Metern der Großen Koalition
       [2][die Pistole auf die Brust gesetzt]. Egal, was die Union tue, die
       SPD-Fraktion, so die Drohung, würde die Ehe für alle im Bundestag
       durchdrücken, auch mit Grünen und Linkspartei. Dieser späte Mut ist
       eigentlich ein Szenario für einen Koalitionsbruch. Aber was sollen
       Neuwahlen, wenn sowieso bald gewählt wird? Was ein dramatischer Auszug aus
       der Regierung kurz vor der Sommerpause? Die Pistole, mit der Schulz und
       Oppermann hantierten, spritzte – recht sommerlich – nur mit Wasser. Merkels
       Stärke ist es ohnehin, im richtigen Moment nachzugeben. Sinn für
       dramatische Gesten wären bei der Kanzlerin eher neu. Die Union gibt klein
       bei.
       
       Wenn man das allzu Theatralische der SPD-Inszenierung abzieht, dann kann
       man ihren Verdruss schon nachempfinden. Am Sonntag hatten die
       Sozialdemokraten die Ehe für alle zur Bedingung für die nächste Regierung
       gemacht, ein paar Stunden später fiel Merkel ein, dass die Union ihren
       hartleibigen Widerstand aufgeben werde. Irgendwann jedenfalls. Dass die SPD
       da Hartwährung verlangt – ein Gesetz und zwar sofort – ist verständlich.
       
       Ist das alles nur Wahlkampf? Ja, vor allem Merkels Ankündigung war ein
       taktischer Zug, um das ohnehin etwas spärliche Waffenlager der
       Sozialdemokraten zu plündern. Aber was heißt „nur Wahlkampf“? Die SPD hat,
       indem sie Merkel beim Wort nahm, die Union unter Druck gesetzt. Und ein
       lange überfälliges Gesetz verwirklicht. Kein schlechtes Ergebnis für ein
       Wahlkampfmanöver.
       
       28 Jun 2017
       
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