# taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Horst Seehofer findet den Weg ins Austragstüberl nicht, Hörnum-Odde wird
       > deutsches Reich – und Kubicki der FDP-Gandalf.
       
 (IMG) Bild: Er bleibt uns noch eine Zeitlang erhalten: Horst Seehofer
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Lange nichts von Spaßtitan Erdoğan gehört.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       AfD springt ein und droht „Extra3“ vom NDR mit Klage.
       
       Überraschung! Horst Seehofer wird doch nicht, wie eigentlich angekündigt,
       2018 in Rente gehen – sondern noch mal für das Amt des Ministerpräsidenten
       kandidieren. Bleibt die CSU damit auf Jahre unschlagbar? 
       
       Johannes Rau ist mit einer ähnlichen Strategie Unmögliches gelungen: ein
       vermeintlich bombensicheres Bundesland an den politischen Gegner zu
       verlieren. Rau saß immerhin Prinz Clement im Nacken und schließlich genügte
       etwas Rüttgers, die morsche Monarchie zu zerlegen. Auch Kurt Biedenkopf
       ließ in Sachsen die Türen verbreitern, damit sein Ego mit hindurchpasst; so
       sieht es da heute auch aus. In Bayern scheint das Unmögliche noch
       unmöglicher, deshalb legt the Eternal Horst noch die Lüge des angekündigten
       Endes drauf. Und zerschießt so auch hoffnungsvollen Parteinachwuchs: Söder,
       Aigner, Dobrindt – nun nachweislich nur bessere Knechte auf dem Hof des
       tyrannischen Altbauern, der den Weg ins Austragstüberl nicht findet. So
       kann die Union volksfest Volksfest bleiben: Neben dem stets sacht
       depressiven Wahrsagerinnenzelt Lady Angela die rustikale Boxbude Horst.
       
       Ein unter Terrorverdacht stehender Bundeswehrsoldat hat sich als syrischer
       Flüchtling ausgegeben – und bekam einen Platz im Flüchtlingsheim nebst
       Geld. Wie konnte das passieren? 
       
       Keine Ahnung! Sicher hingegen: Aus der Nummer ein Plädoyer für eine
       Berufsarmee zu machen, wird ein Selbstmordkommando. Die Bundeswehr übersah
       bei diesem extrem Wehrwilligen eine Abschlussarbeit, die wegen „völkischen
       Gedankengutes“ und „Verstoßes gegen die freiheitlich-demokratische
       Grundordnung“ abgewiesen worden war. Der wirre Unterstleutnant durfte eine
       neue schreiben, was die Recherchen des MAD nun befeuern möge, nach „zwei
       langjährigen Bekannten“ des Rechtsextremisten zu suchen. Schließlich kaufte
       ein weiterer Bundeswehrsoldat dem Nebenerwerbsasylanten seine Schnurre
       ungeprüft ab. Und der Papst ist eine Frau, jedenfalls wenn die Bundeswehr
       die Schweizer Garde ablöst. Also: Der Personalmangel bei der Bundeswehr
       muss noch dramatischer sein, als die Kitschwerbung befürchten lässt, und
       offensichtlich steht wenig dem fortgesetzten geistigen Inzest der
       Neigungsverwandten dort entgegen. Das BAMF sieht schlecht aus, was die
       Prüfung von Asylbewerbern angeht – dank Bundeswehr. Als Nächstes erzählt
       mir einer, Börsenzocker würden Fußballer ermorden wollen, um die Kurse
       hochzujuxen.
       
       Wo wir gerade bei Terrorverdacht sind: 8.500 Reichsbürger sollen die
       Innenministerien der Länder laut Welt im Visier haben. Über- oder
       unterschätzen wir die Gefahr, die von den Reichsbürgern ausgeht? 
       
       Hörnum-Odde müsste knapp Platz haben für eine erste, provisorische
       Reichsgründung. So großzügig sollten wir sein. Stimmen die
       Klimakatastrophen, ersäuft dieser Teil Sylts binnen der nächsten drei
       Nordseestürme. Bleibt aber deutscher Boden irgendwie.
       
       Beim W20-Gipfel wurde Angela Merkel gefragt, ob sie Feministin sei. Sie
       wich aus. Wie ordnen Sie unsere Kanzlerin ein? Und sind Sie eigentlich
       Feminist? 
       
       Wäre ich Feminist, wenn ich die Kanzlerin einordnen würde? Haha, gemerkt!
       Ihr Lauser!
       
       Die FDP hielt am Wochenende ihren Bundesparteitag ab, in den Umfragen steht
       sie vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen
       gut da. Ersteht die Partei gerade wieder auf? 
       
       Der Slogan hier: „Das andere Wort für rot-grüne Wirtschaftspolitik:
       Sabotage“. So und ähnlich ist NRW tapeziert, dem Werbevolumen nach zu
       urteilen liegt die FDP knapp unter 50 Prozent. Wer das bezahlt, steht
       dahin; „das andere Wort für FDP: Korruption“ hat etwas unzulässig
       Historisierendes. Lindner und Kubicki erzählen dem Publikum zwei
       projektionsfähige Geschichten: Der junge Start-upper, der den ererbten
       Schrott Richtung Marktreife saniert; und der eisgraue Gandalf, der allen
       Stürmen trotzte und seine ehrgeizigen Knappen überlebte. Cooler Scheiß, da
       ist es nur konsequent, ein Wahlprogramm erst zu beschließen, nachdem der
       Wahlkampf schon weit fortgeschritten ist. Die FDP macht zwei
       Personalvorschläge, mit denen sich ihre Zielgruppen identifizieren können.
       Das ist schon die ganze Hexenkunst. Oder sagen wir mal: Das ist das, was
       die Grünen bitter entbehren diesmal.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Die Wiedergeburt des neuzeitlichen BVB war das Pokalfinale 1989 gegen
       Bremen. Seither kehren wir immer wieder dahin zurück. Fuck Meisterschaft.
       
       1 May 2017
       
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 (DIR) Friedrich Küppersbusch
       
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