# taz.de -- Kommentar Gender-Rollback: Lasst euch nicht verrückt machen
       
       > AbtreibungsgegnerInnen sind ein Angriff auf moderne Lebensentwürfe. Das
       > Rollback überzudramatisieren ist dennoch der falsche Reflex.
       
 (IMG) Bild: Menschen mit einem rückwärtsgewandten, nationalistischen Weltbild? Nicht einschüchtern lassen!
       
       Da stehen [1][AbtreibungsgegnerInnen vor Pro Familia in Frankfurt am Main].
       Ihre Gebete und ihr Gesang schaden niemandem körperlich. Und doch stören
       sie jene, die Rat suchen bei der Sexual- und Familienberatungsstelle. Sie
       stören auch Menschen, die die selbsternannten LebensschützerInnen für
       gefährlich halten.
       
       Sie haben recht: Radikale AbtreibungsgegnerInnen, PropagandistInnen eines
       überholten „Familienidylls“ mit Vater, Mutter, Kind(ern) sind ein Angriff
       auf moderne Lebensentwürfe, auf die Gleichstellung zwischen den
       Geschlechtern. Männer, die sich damit brüsten, Frauen an die Muschi zu
       greifen, sie auf öffentlichen Plätzen sexuell belästigen, die sich für das
       klügere Geschlecht halten, sind nicht nur schwer zu ertragen, sie handeln
       zum Teil kriminell. Menschen, die andere Menschen ausgrenzen, die nicht der
       heterosexuellen, weißen Norm entsprechen, agieren diskriminierend.
       
       Zu Recht ist daher von einem Rollback bei der Gleichstellung die Rede,
       davon, dass Emanzipationsrechte in Gefahr sind. Ja, wir müssen aufpassen,
       dass die erreichte Gender-, Familien- und Sozialpolitik, die weitgehende
       gesellschaftliche Offenheit für ein Leben nach eigenen Vorstellungen nicht
       kaputtgemacht werden von Leuten, die das, was sie für sich selbst richtig
       halten, auch anderen überstülpen wollen.
       
       Dennoch sollten wir uns nicht verrückt machen und einschüchtern lassen von
       Männern und Frauen mit einem rückwärtsgewandten, nationalistischen
       Weltbild. Es gibt hierzulande eine starke Zivilgesellschaft und (noch) ein
       Parlament, das Gesetze verabschiedet, die nicht zurück, sondern nach vorn
       weisen: ein verschärftes Sexualstrafrecht, Gesetze für Transparenz bei
       Gehältern und für mehr Frauen in Aufsichtsräten. Und: Immer mehr Männer
       finden Gleichstellung gut.
       
       Gewiss, hundertprozentige Gleichberechtigung ist das noch lange nicht. Wer
       aber das Rollback überdramatisiert, spielt denjenigen in die Hände, die ihn
       anstreben.
       
       9 Apr 2017
       
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