# taz.de -- Malta übernimmt den EU-Ratsvorsitz: Hauptziel Konfliktentschärfung
       
       > Der Inselstaat will in den nächsten sechs Monaten an einem gemeinsamen
       > europäischen Asylsystem arbeiten. Vor allem die Osteuropäer mauern.
       
 (IMG) Bild: Auf der Suche nach Flüchtlingen: Ein Schiff der spanischen Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms verlässt am 3. Dezember 2016 den Hafen von Malta
       
       Berlin taz | Malta, der kleinste EU-Staat, hat turnusgemäß zum 1. Januar
       2017 für sechs Monate den Ratsvorsitz übernommen. Er wolle in seiner
       Amtszeit „die Konflikte entschärfen“, sagte der als EU-freundlich geltende
       maltesische Premierminister Joseph Muscat.
       
       Konflikte gibt es viele, Malta hat sie lange Zeit besonders zu spüren
       bekommen: Die geografische Nähe zu Afrika führte zu einem starkem
       Migrationsdruck auf den Inselstaat. Der Rest Europas aber interessierte
       sich nicht für die Nöte Maltas, so dass sich schließlich die USA erbarmten
       und einige Tausend Flüchtlinge in die USA ausflogen.
       
       Erst 2014 hatte Italien ein Einsehen: Offiziell wurden nie Details
       bestätigt, aber Premierminister Matteo Renzi entschied, dass gerettete
       Flüchtlinge aus dem zentralen Mittelmeer nicht mehr im nächsten Hafen
       -meist Malta -, sondern nach Italien gebracht werden. So ist es bis heute.
       Doch ob Italien dauerhaft an dieser Linie festhält, ist offen.
       
       So hat Muscat die Migrationsfrage an die erste Stelle der Liste seiner
       „Schwerpunkte“ gesetzt. Er will das herbeimoderieren, woran sich der
       Brüsseler Apparat bislang die Zähne ausgebissen hat: „Ein Hauptziel unserer
       Präsidentschaft ist die Stärkung und Straffung des Gemeinsamen Europäischen
       Asylsystems“, sagt Maltas Botschafter in Berlin, Alberto Friggieri. „Die
       Dublin-Verordnung, wonach das Land für die Aufnahme von Flüchtlingen
       zuständig ist, das sie zuerst erreichen, ist angesichts der großen Anzahl
       von Hilfesuchenden nicht angemessen.“
       
       ## Umverteilung bislang gescheitert
       
       Doch die Chancen für solche Reformen stehen schlecht. Im Sommer endet der
       Zwei-Jahres-Zeitraum, innerhalb dessen die EU in einer Art Pilotprojekt
       160.000 Flüchtlinge aus Italien und Griechenland umverteilt haben will.
       Bislang hat sie nicht einmal 10.000 geschafft. Eine dauerhafte
       Umverteilungsregelung scheitert vor allem an der osteuropäischen
       Visegrad-Gruppe. Die nun zu Ende gegangene slowakische Ratspräsidentschaft
       hat daran kein Jota geändert.
       
       Seit einigen Jahren hat in Malta die noch kaum bekannte EU-Asylbehörde EASO
       ihren Sitz. Malta wolle „die Idee voranbringen“, das EASO zu einer
       „vollwertigen Agentur der EU“ umzugestalten, sagt Botschafter Friggieri.
       
       Das will seit langem auch die Kommission: Das EASO soll perspektivisch
       selbst Asylverfahren durchführen können. Viele glauben, dies sei der
       einzige Weg zu einem tatsächlich einheitlichen, fairen Asylsystem. Aber
       manche Staaten Osteuropas würden wohl eher die EU verlassen, als Brüssel
       über Asylanträge entscheiden zu lassen.
       
       Im November 2015 war Malta Gastgeber eines Gipfels von EU und Afrikanischer
       Union. Die Bündnisse hatten dort eine Zusammenarbeit bei der Kontrolle der
       Migration aus Afrika vereinbart, die EU dafür rund 2 Milliarden Euro an
       Hilfszahlungen in Aussicht gestellt. Bislang aber kommen die afrikanischen
       Länder den Wünschen der EU nur höchst zögerlich nach.
       
       ## Afrikanische Staaten sollen liefern
       
       Anfang Februar treffen sich EU und AU erneut in Malta. Auf dem „Valletta
       2“-Gipfel werden die europäischen Regierungen auf konkrete Zusagen der
       afrikanischen Staaten drängen. Gastgeber Muscat wird bei diesem Gipfel
       jedoch nicht die zentrale Rolle spielen: Der Bereich „Auswärtige
       Angelegenheiten“ ist als einziges Politikfeld der Kompetenz des
       Ratsvorsitzes entzogen. Er fällt in die alleinige Zuständigkeit der Hohen
       Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini.
       
       Nordafrika ist nicht die einzige Region, die migrationspolitisch in den
       nächsten Monaten auf der Agenda steht. Unklar ist, wie lange das
       Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei hält. Das ist nicht die einzige
       größere Unwägbarkeit während Muscats Ratsvorsitz: Am 23. April wählt
       Frankreich. Sollte die neue Präsidentin Marine Le Pen heißen, wird Muscat
       viele weitere Konflikte entschärfen müssen.
       
       1 Jan 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Jakob
       
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