# taz.de -- Israel kauft deutsche U-Boote: Netanjahu spielt Kapitän
       
       > Der Kauf dreier deutscher U-Boote steht unter dem Verdacht von Korruption
       > und Vetternwirtschaft. Es sind Freunde Netanjahus involviert.
       
 (IMG) Bild: Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu inspiziert das fünfte deutsche U-Boot im Januar 2016
       
       Jerusalem taz | Regierungschef Benjamin Netanjahu weist jeden Verdacht von
       sich. Von Korruption könne bei dem Kauf dreier weiterer deutscher U-Boote
       keine Rede sein. Ihm sei es einzig und allein um die Sicherheit seines
       Landes gegangen, sagt er. Hintergrund der Affäre ist die Verbindung
       zwischen Netanjahus persönlichem Anwalt, David Schimron, und Miki Ganor,
       der ebenfalls Klient Schimrons ist.
       
       Ganor ist der israelische Vertriebspartner von ThyssenKrupp, des
       Unternehmens, das die U-Boote herstellt. Dass Schimron den Handel einfädelt
       haben könnte, streitet Netanjahu ab. Er habe mit seinem Anwalt nicht über
       die U-Boote gesprochen. Seinen Kritikern riet er, sich abzuregen. „Ich
       werde noch lange bleiben“, signalisierte er.
       
       Tatsächlich aber verdichten sich die Anzeichen, dass die Dinge nicht ganz
       so koscher waren, wie Netanjahu sie darzustellen versucht. Laut Information
       des TV-Channel 10 hatte Schimron Kontakt zu Vertretern des
       Verteidigungsministeriums, bevor es zu einer internationalen Ausschreibung
       für die U-Boote kam. Auf Drängen Netanjahus habe das Ministerium auf die
       Ausschreibung verzichtet, berichtete Channel 10 am Montagabend.
       
       „Israel muss in der Lage sein, sich gegen jeden Feind zu verteidigen“,
       rechtfertigte Netanjahu den Kauf der deutschen U-Boote. Diesen hatte er
       gegen den Widerstand des früheren Verteidigungsministers Mosche Jaalon
       durchgesetzt. Generalstaatsanwalt Avichai Mendelblit will prüfen, ob ein
       Interessenkonflikt vorliegt.
       
       ## Deutsche Wiedergutmachung
       
       Jaalon, der im Frühjahr über einen Streit mit Netanjahu seinen Posten
       verließ, fordert eine strafrechtliche Ermittlung, die Mendelblit derzeit
       nicht plant. Auch Oppositionsführer Itzhak Herzog appellierte an den
       Generalstaatsanwalt, baldmöglichst „Licht in die Affäre“ zu bringen.
       
       Die U-Boote gelten als die teuersten Kampfmaschinen der Armee. Mit
       insgesamt 2,5 Milliarden Euro beziffert Ha’aretz die Kosten für die bereits
       erstandenen sechs deutschen U-Boote, von denen das letzte noch geliefert
       werden muss.
       
       Die Bundesregierung soll rund die Hälfte der Kosten übernommen haben. Die
       großzügige Geste galt als Wiedergutmachung, weil deutsche Firmen an der
       Produktion chemischer Waffen für das irakische Regime Saddam Husseins
       beteiligt waren.
       
       Während der frühere Verteidigungsminister Ehud Barak die neuen Käufe für
       sinnvoll hielt, warnte sein Nachfolger Jaalon vor überflüssigen Ausgaben.
       Verteidigungsminister Avigdor Lieberman stützt wiederum Netanjahus
       Entscheidung.
       
       ## Solange Merkel noch an Bord ist
       
       Die U-Boote gelten als Israels gefährlichste Waffe und dienen zur
       Abschreckung vor allem mit Blick auf Iran, Israels größten Feind.
       Umstritten war der Handel von Anfang an auch in Deutschland, denn die
       U-Boote können mit Atomwaffen bestückt werden.
       
       Miki Ganor, so recherchierte das Handelsblatt, stehe als Vertriebspartner
       von ThyssenKrupp eine Provision von zwei Prozent zu. Die Zeitung will
       Informationen haben, dass Netanjahus Anwalt Schimron auch „in der
       Zusammenarbeit mit ThyssenKrupp tätig“ war.
       
       Die neuen U-Boote sollen ab 2027 die in den Jahren 1999 und 2000 in einer
       ersten Tranche gelieferten Modelle ersetzen. Netanjahu habe das Geschäft
       abschließen wollen, solange Angela Merkel, „eine Freundin Israels“, noch im
       Kanzleramt sitzt, erklärte er die Dringlichkeit. Die U-Boote seien von
       strategischer Notwendigkeit, um „Israels Existenz für die kommenden
       Jahrzehnte zu sichern“.
       
       23 Nov 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Knaul
       
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