# taz.de -- Ermittlungen gegen Israels Premier: Für Netanjahu wird es eng
       
       > Offenbar will ein Ex-Stabschef gegen den Ministerpräsidenten aussagen.
       > Damit wird eine Anklage wegen Korruption wahrscheinlicher.
       
 (IMG) Bild: Läuft nicht so gut für ihn: Benjamin Netanjahu
       
       Jerusalem taz | Von einem fliegenden Wechsel ehemaliger Regierungschefs in
       der Gefängniszelle träumen manche Oppositionspolitiker im Lande. Und das
       nicht völlig grundlos. Erst vor kaum vier Wochen ist Ex-Ministerpräsident
       Ehud Olmert vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Sollten sich [1][die
       neuen Anschuldigungen gegen den derzeitigen Regierungschef] verdichten,
       könnte Benjamin Netanjahu in nicht allzu ferner Zukunft Olmerts leere Zelle
       übernehmen.
       
       Der Seitenwechsel seines langjährigen Vertrauten Ari Harow, der als
       Kronzeuge in zwei Korruptionsaffären gegen seinen früheren Chef aussagen
       will, muss dabei als Indiz für eine klare Beweislage der Polizei gegen
       Netanjahu gewertet werden. Er selbst warnt seine Gegner in üblicher Manier
       vor zu viel Euphorie. Die Vorwürfe werden „zu nichts führen“, erklärte der
       Premier forsch.
       
       Geschenke, darunter sechsstellige Euro-Summen, des Filmproduzenten Arnon
       Milchan, mit dem die Eheleute Netanjahu befreundet sind, sowie windige
       Absprachen mit dem Herausgeber einer Tageszeitung drohen Israels
       Regierungschef zu Fall zu bringen. Kernstück der Beweisaufnahme in der Akte
       2000, in der die Polizei unter Ausschluss der Öffentlichkeit ermittelt, ist
       [2][der Mitschnitt eines Telefonats zwischen Netanjahu und Amnon Moses],
       Chef von Jedioth Ahronot. Darin soll Netanjahu im Gegenzug für eine
       wohlwollendere Berichterstattung des sonst regierungskritischen Blattes
       versprochen haben, dafür zu sorgen, dass die Konkurrenzzeitung Israel
       Hajomihre Auflage reduziert und die Wochenendausgabe einstellt. Denkbar
       ist, dass Kronzeuge Ari Harow das fragliche Telefonat mithörte.
       
       ## Enger Vertrauter Ari Harow
       
       Ari Harow ist einer der engsten Vertrauten des Premiers gewesen. Von 2014
       bis 2015 diente er als Stabschef im Büro Netanjahu. Er soll sich mit dem
       Team um Generalstaatsanwalt Avichai Mandelbilt auf einen Status als
       Kronzeugen verständigt haben. Freitagnacht wurde ein Dokument bekannt, laut
       dem die Polizei Netanjahu jetzt in zwei Korruptionsfällen als Verdächtigen
       führt. Eine Anklage ist damit deutlich wahrscheinlicher geworden.
       
       In einer dritten Affäre, die aktuell wiederholt in den Schlagzeilen ist,
       prüft die Polizei derzeit Netanjahus Mitwisserschaft. Zentraler
       Verdächtiger ist Netanjahus Anwalt und Cousin David Schimron, der an dem
       [3][vom israelischen Verteidigungsministerium geplanten Kauf dreier
       deutscher U-Boote] selbst gut mitverdienen wollte.
       
       Die Rufe der Oppositionspolitiker nach einem Rücktritt Netanjahus treffen
       vorläufig auf taube Ohren. Offenbar will er es seinem Vorgänger Olmert
       nicht gleichtun, der im September 2008 das Regierungsamt verließ, als sich
       eine Anklage gegen ihn abzeichnete. Die vorgezogenen Neuwahlen nach
       Olmerts Rücktritt brachten damals Netanjahu ins höchste Regierungsamt.
       Laut Justizministerin Ajelet Schaked müsse Netanjahu erst nach einem
       Schuldspruch zurücktreten.
       
       „Ich habe keinerlei Erwartungen an Netanjahu“, kommentierte der Vorsitzende
       der Arbeitspartei, Avi Gabai, „aber wo sind seine Regierungspartner?“ Bei
       den Vorwürfen ginge es nicht um politisch linke oder rechte Haltungen.
       Netanjahus Koalitionspartner „müssen sagen, dass es jetzt reicht“.
       Vorläufig halten die Parteifreunde des Likud aber noch fest zum Chef. „Hört
       mit dem Unsinn auf“, postete Kulturministerin Miri Regew auf ihrer
       Facebookseite. „Netanjahu wird noch viele Jahre Ministerpräsident bleiben.“
       
       6 Aug 2017
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Knaul
       
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