# taz.de -- Kleinkrieg in der Hafenstraße: Kampf um Laternen und Büsche
       
       > Task Force Drogen und das Bezirksamt Mitte lassen die Begrünung vor den
       > Hafenstraßen-Häusern stutzen, damit Drogen-Fahnder mehr Durchblick haben
       
 (IMG) Bild: Durchblick für die Polizei: Das Bezirksamt ließ Bäume fällen, Unbekannte die Lichtmasten.
       
       Der Kleinkrieg der neuen Task Force Drogen gegen die BewohnerInnen der
       ehemals besetzten Häuser in der Hafenstraße nimmt immer skurrilere Formen
       an. Am Montagmorgen rückten – offenbar in Amtshilfe für die Task Force –
       Landschaftspfleger des Bezirksamtes Mitte an. Sie rasierten Sträucher und
       Büsche ab und rodeten den Baumnachwuchs vor der Häuserzeile. Eine
       „Operation Durchblick“ der Polizei?
       
       Das Bezirksamt Mitte bestreitet, dass es sich vor den Karren der Polizei
       habe spannen lassen. „Das war ein ganz normaler, turnusmäßiger
       Grünrückschnitt, der in unregelmäßigen Abständen durchgeführt wird“, sagt
       Bezirksamtssprecher Norman Cordes. Da dies unregelmäßig erfolge und den
       Arbeitern vor der Häuserzeile deshalb manchmal „mulmig“ sei, habe die
       Polizei dabei „geholfen, den Grünrückschnitt abzusichern“, sagt Cordes.
       
       Zumindest war die Hilfe der Polizei nicht uneigennützig: „Das Konzept, was
       wir da fahren, wird fortgesetzt“, sagt Polizeisprecher Ulf Wundrack. Es
       gehe darum, bei der Verfolgung von vermeintlichen Drogendealern, die sich
       in der Region vor der Balduintreppe aufhalten würden, Sichtbarrieren
       abzubauen.
       
       Am Jungfernstieg habe sich das Konzept durch das Aufstellen zusätzlicher
       Lichtmasten bewährt, um Deals, Raubdelikte und Körperverletzungen
       einzudämmen, sagt Wundlack. Auch vor den Hafenstraßenhäusern waren auf
       Veranlassung der Polizei vor kurzem zwei zusätzliche Lichtmasten
       aufgestellt worden, die die Szenerie neben den normalen Laternen in den
       nunmehr dunklen Abendstunden erhellen sollten. Beide Laternenmasten sind
       jedoch in der Nacht zu Freitag mit einer Flex geköpft worden.
       
       Aus rechtlicher Sicht könnten die AnwohnerInnen der Häuserzeile in der
       Hafenstraße nicht unbedingt etwas gegen den Kahlschlag vor ihrer Haustür
       tun, sagt eine Anwältin der BewohnerInnen.
       
       Die Task Force rechne aber „möglicherweise“ mit Reaktionen der
       Bewohnerschaft, sagt Wundlack. Die AnwohnerInnen fühlen sich durch die
       alltägliche polizeiliche Dauerbelagerung auf der Jagd nach
       schwarzafrikanischen Kleindealern genervt und geißeln diese als
       „rassistische Kontrollen“. „Wir werden abwarten müssen, ob es zu Reaktionen
       kommt“, sagt Wundlack. Ebenfalls abzuwarten bleibt, wie dann die Polizei
       reagiert.
       
       Erst Ende September hatte die Task Force 25 Geflüchtete acht Stunden lang
       in einem Hinterhof der Hafenstraße als vermeintliche Dealer festgehalten.
       Ein Großaufgebot an PolizistInnen belagerte das Tor. Die Afrikaner konnten
       den Hof nur verlassen, wenn sie den BeamtInnen ihren Ausweis zeigten.
       
       Im Juli hatte eine schwer bewaffnetes Aufgebot von 300 PolizistInnen die
       Häuserzeile heimgesucht, um einen acht Wochen alten
       Hausdurchsuchungsbeschluss wegen des „Verdachts zur Beihilfe zum
       Drogenhandel“ zu vollstrecken. Sie wollten nur ein Stromkabel im
       Wohnprojekt „Plan B“ beschlagnahmen, an dem Geflüchtete ihre Handys
       aufladen durften. Auch dabei wurden 34 Geflüchtete im Garten festgesetzt.
       
       Die BewohnerInnen haben beim Amtsgericht Klage erhoben. Sie wollen, dass
       das Agieren der Task Force öffentlich für unverhältnismäßig und
       rechtswidrig verurteilt wird.
       
       10 Oct 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai von Appen
       
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