# taz.de -- Regierungskrise in Brasilien: Dilma Rousseff droht das Aus
       
       > Der Koalitionspartner der Arbeiterpartei hat über den Austritt aus dem
       > Bündnis entscheiden. Jetzt wird es eng für Brasiliens Regierung.
       
 (IMG) Bild: Der Protest gegen Dilma Rousseff hält an
       
       Brasília afp/epd | Die brasilianische Regierungskoalition unter Präsidentin
       Dilma Rousseff ist geplatzt. Ihr wichtigster Koalitionspartner, die
       Zentrumspartei PMDB (Partei der demokratischen Bewegung), entschied am
       Dienstag, die Regierung zu verlassen. Die Beschluss der Parteiführung wurde
       nahezu einstimmig gefällt, wie die Zeitung O Globo in ihrer Online-Ausgabe
       berichtete. Damit steigen die Erfolgsaussichten für ein
       Amtsenthebungsverfahren, das die Opposition gegen Rousseff auf den Weg
       gebracht hat. Aufgrund spektakulärer Ermittlungen in einem
       Korruptionsskandal und einer schweren Wirtschaftskrise steht die
       Mitte-Links-Regierung Rousseffs seit Wochen unter Druck.
       
       Die PMDB, die mit 69 Abgeordneten die größte Fraktion im Parlament stellt,
       gab ihre sieben Ministerposten zurück. Parteichef Michel Temer bleibt aber
       vorerst Vizepräsident. Im Fall einer Amtsenthebung Rousseffs wäre er ihr
       Nachfolger bis zum Ende der Legislaturperiode im Dezember 2018. Temer war
       bereits während Rousseffs erster Amtszeit (2011-2014) Vizepräsident. Auch
       unter Rousseffs Vorgänger Lula da Silva (2003-2010) war die PMDB größter
       Koalitionspartner der regierenden Arbeiterpartei PT.
       
       Die Regierung befürchtet, dass mehrere kleine Koalitionsparteien dem
       Beispiel der PMDB folgen und die Zusammenarbeit aufkündigen. Damit könnte
       eine Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Parlamentskammern zustande kommen, die
       notwendig ist, um Rousseff aus dem Präsidentenamt zu drängen.
       
       Regierungsgegner fordern regelmäßig bei Massenprotesten den Rücktritt von
       Präsidentin Rousseff. Ihr droht die Amtsenthebung. Das Parlament hatte ein
       entsprechendes Verfahren Mitte des Monats mit der Bildung einer
       Sonderkommission auf den Weg gebracht. Für eine Anklageerhebung müssen zwei
       Drittel der Abgeordneten stimmen, danach entscheidet der Senat über die
       Amtsenthebung. Die Abstimmung wird Mitte April erwartet.
       
       Rousseff wird unter anderem für die schlimmste Rezession in Brasilien seit
       Jahrzehnten verantwortlich gemacht. Darüber hinaus gibt es weitreichende
       Korruptionsvorwürfe, ein Großteil davon ist mit den Geschäften des
       Ölkonzerns Petrobras verknüpft.
       
       29 Mar 2016
       
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