# taz.de -- Streit um CRISPR-Patente: Kampf der Elite-Institute
       
       > Die Forscherinnen Doudna und Charpentier werden als CRISPR-Erfinder
       > gefeiert. Das Patent dafür hat jedoch ein anderer zugesprochen bekommen.
       
 (IMG) Bild: Mit der Gentechnik kam der Streit um die Patente: genmanipulierte Maus aus dem Jahr 1988
       
       Berlin taz | CRISPR-Anwendungen gehören inzwischen fast schon zu den
       Standardverfahren in den genbiologischen Forschungslaboren. Die beiden
       Wissenschaftlerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna bekommen
       einen renommierten Wissenschaftspreis nach dem andern verliehen. Für die
       scientific community scheint damit festzustehen: Charpentier und Doudna
       sind die Erfinder dieser neuen Technologie. Patentrechtlich ist dieser
       Punkt jedoch noch längst nicht entschieden.
       
       Es geht um einen Milliardenmarkt. Und wie so häufig in der Wissenschaft
       sind am Fortschritt viele Forscher beteiligt. Bei CRISPR ist es vor allem
       der Biologe [1][Feng Zhang] vom [2][Broad-Institut in Cambridge], im
       US-Bundesstaat Massachusetts, eine Gemeinschaftseinrichtung des MIT und der
       Harvard University.
       
       [3][Jennifer Doudna von der University of California], in Berkeley, und die
       französische Wissenschaftlerin [4][Emmanuelle Charpentier] veröffentlichten
       gemeinsam im [5][August 2012 im Wissenschaftsmagazin Science] ihre
       Forschungsarbeiten, mit denen sie erstmals zeigten, dass CRISPR als
       molekulare Gen-Schere eingesetzt werden kann. Schon am [6][25. Mai 2012]
       reichten sie beim US-Patentamt USPTO einen Patentantrag auf CRISPR ein.
       
       Feng Zhang und seine Forscherkollegen am Broad-Institut in Harvard
       veröffentlichten einige Monate später, am [7][15. Februar 2013, ebenfalls
       in Science], dass das Genom von Säugetieren mit CRISPR verändert werden
       kann. Ihren Patentantrag reichte das Cambridge-Team am [8][12. Dezember
       2012] ein.
       
       ## Das Patentrecht in den USA
       
       Obwohl der Patentantrag des Zhang-Teams später einging als der
       Doudna/Charpentier-Antrag aus Berkeley bekam im April 2014 Cambridge die
       Verwertungsrechte zugesprochen. Zurückzuführen ist das auf eine inzwischen
       geänderte Besonderheit des US-Patentrechtes. Bis März 2013 war in den USA
       für die Patentvergabe nicht wie in Europa der Eingang des Antrages
       ausschlaggebend, sondern wer als erster die Erfindung gemacht hat. Dazu war
       auch keine wissenschaftliche Veröffentlichung notwendig. Es reichte aus,
       wenn anhand der Labor-Bücher nachvollzogen werden konnte, dass man der
       erste war.
       
       Das Berkeley- Team hat inzwischen Einspruch gegen die Patentvergabe
       eingereicht. Anfangs des Jahres bestätigte das USPTO, dass aufgrund des
       Widerspruches ein Verfahren eröffnet wurde, mit dem die Prioritätenfrage
       geklärt werden soll. Befürchtet wird, dass es Jahre dauern kann, bis der
       Patentstreit zwischen den Eliteinstituten in Cambridge, Massachusetts, und
       Berkeley, Kalifornien, geklärt ist.
       
       Auch vom Europäischen Patentamt (EPO) in München hat das Cambridge-Team ein
       CRISPR-Patent zugesprochen bekommen. Insgesamt 9 Einsprüche sind laut
       Nature beim EPO eingegangen. Auch hier kann es noch Jahre dauern bis eine
       endgültige Entscheidung gefällt ist.
       
       28 Mar 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://mcgovern.mit.edu/principal-investigators/feng-zhang
 (DIR) [2] https://www.broadinstitute.org/
 (DIR) [3] https://mcb.berkeley.edu/faculty/BMB/doudnaj.html
 (DIR) [4] https://www.mpg.de/9343753/infektionsbiologie-charpentier
 (DIR) [5] http://science.sciencemag.org/content/337/6096/816
 (DIR) [6] https://www.google.de/patents/US20140068797?dq=doudna&hl=de&sa=X&sqi=2&pjf=1&ved=0ahUKEwiQ_5_hzNTLAhUBlw8KHfgFCHkQ6AEILjAC
 (DIR) [7] http://science.sciencemag.org/content/339/6121/819
 (DIR) [8] https://www.google.com/patents/US8932814
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Löhr
       
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