# taz.de -- Diesel-Skandal europaweit: Auch Italiener können Stinker bauen
       
       > Die Deutsche Umwelthilfe weist beim Fiat 500X stark erhöhte
       > Stickoxid-Emissionen nach. Die Testergebnisse des Geländewagens seien
       > katastrophal.
       
 (IMG) Bild: Glänzt schön rot, riecht aber nicht gut: Diesel von Fiat
       
       Berlin taz | Die italienischen Autos seien sauber, hatte der oftmals
       hemdsärmelig auftretende Fiat-Chef Sergio Marchionne Anfang Februar
       behauptet – und muss sich nun von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eines
       Besseren belehren lassen. Die Organisation hat ein Dieselfahrzeug des
       Modell Fiat 500X 2.0 MJ 4x4 in einem Labor der Berner Fachhochschule in der
       Schweiz testen lassen – und dabei hohe Überschreitungen der Grenzwerte für
       gesundheitsschädliche Stickoxide festgestellt.
       
       Die Testergebnisse bei diesem modernen Geländewagen mit Euro-6-Norm seien
       „katastrophal“, sagte Testberater Axel Friedrich am Dienstag in Berlin bei
       der Vorstellung der neuen Untersuchung. Bei den Messungen dieses Fahrzeugs
       sei häufig sogar der Messbereich des Labormessgeräts für Stickoxide
       überschritten worden.
       
       Bei allen Tests mit betriebswarmem Motor wies der Fiat demnach sehr hohe
       Stickoxidemissionen auf; der geltende Grenzwert wurde um das 11- bis
       22-Fache überschritten. Nur bei den Messungen im kalten Fahrzeugzustand und
       mit einer speziellen Konditionierung am Vortag, die den Vorgaben für die
       offiziellen Tests entspricht, wurden relativ niedrige Werte nahe dem
       Euro-6-Grenzwert gemessen. Für die Tester war das nicht zu erklären, denn
       normalerweise sind Abgasemissionen bei kaltem Motor viel höher als bei
       warmen.
       
       Volkswagen hatte bereits eingestanden, bei rund elf Millionen Fahrzeugen
       Abgastests manipuliert zu haben: Bei den offiziellen Tests wurden die
       Abgaswerte eingehalten; auf der Straße jedoch wurden illegalerweise die
       Abgasreinigungssysteme abgeschaltet oder heruntergefahren, um mehr Leistung
       aus den Motoren zu holen. Technisch ist eine effektive Abgasreinigung
       möglich, wie deutsche Premiummodelle auf dem US-Markt beweisen; sie ist nur
       etwas teurer als die bloße Optimierung der Motoren auf Labortests.
       
       „Die gemessenen Emissionen des Fiat 500X stellen einen klaren Verstoß gegen
       das EU-Zulassungsrecht dar“, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Auch
       handele es sich um Verbrauchertäuschung, da die Verbraucher nicht das
       bekämen, was draufstehe. „In den vergangenen vier Monaten haben wir bei
       Opel, Renault, BMW und Mercedes stark erhöhte Stickoxid-Emissionen und zum
       Teil implizit eingestandene Abschalteinrichtungen aufgedeckt.“ Mit dem Fiat
       500X reihe sich nun ein italienisch-amerikanischer Konzern in den Kreis
       schmutziger Dieselhersteller ein. „Damit mutiert der VW-Skandal endgültig
       zum Skandal nicht nur deutscher Hersteller.“
       
       Für Axel Friedrich herrscht ein „mangelndes Unrechtsbewusstsein in der
       Industrie“. Die von der DUH festgestellten extremen Überschreitungen der
       Stickoxid-Emissionen seien technisch nicht plausibel und wiesen auf
       Abschalteinrichtungen hin. „Doch anstatt die vorgelegten Messungen zum
       Anlass für eine Überprüfung auf das Vorhandensein von Abschalteinrichtungen
       zu nehmen, kämpft die Bundesregierung für Aufweichungen zukünftiger
       Abgasgrenzwerte für Diesel-Pkw in Europa.“
       
       11 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Richard Rother
       
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