# taz.de -- Konflikt um Hambacher Forst: Schlichtung mit Joschka Fischer?
       
       > RWE und Waldbesetzer suchen Wege aus der Gewalt – doch beide Seiten sind
       > skeptisch. Unterdessen ermittelt die Staatsanwalschaft.
       
 (IMG) Bild: Seit mehreren Jahren tobt der Streit um den Hambacher Forst. Es gab auch Polizeieinsätze.
       
       AACHEN taz | Kann eine Schlichtung helfen? Beim Energiekonzern RWE gibt man
       sich in der derzeit heftig eskalierenden Auseinandersetzung um den
       Hambacher Forst ansatzweise offen: Man begrüße alle Ideen, die einen
       „echten Beitrag leisten, Gewalt zu verhindern“, hieß es jetzt. Auch die
       Besetzer der letzten Waldreste – etwa 500 Hektar von ursprünglich 5.500 –
       verweigern sich Gesprächen nicht grundsätzlich: „Es gibt da verschiedene
       Meinungen“, sagt Sprecherin Katja Schäfer.
       
       Eine solche Schlichtung haben diese Woche die Grünen des Kreises Düren dem
       Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) vorgeschlagen. Er solle auf die „Hilfe
       eines Mediators“ zurückgreifen, „der Vorschläge zur Befriedung entwickelt“.
       
       Zuvor hatte die Auseinandersetzung zwischen Forstbesetzern und
       Klimaschänder RWE eine neue Stufe erreicht: Ein weißer RWE-Pickup war am
       Donnerstag in eine Gruppe Demonstranten gefahren, einer wurde verletzt,
       sodann „auf die Ladefläche des Fahrzeugs gepackt und verschleppt“. Die
       Polizei habe nicht ermittelt, klagten die Opfer. Später hatten die Besetzer
       mit Steinen und Zwillen RWE-Mitarbeiter angegriffen und waren festgenommen
       worden. Laut RWE waren sogar Messer gezückt und ein Pumpwerk in Brand
       gesteckt worden.
       
       Schlichtung? Die Aachener Nachrichten schlagzeilten gestern gleich:
       „Vorbild Stuttgart 21: Endlich Friede für den Hambacher Forst?“ Und die
       Zeitung machte Vorschläge für geeignete Schlichter: Joschka Fischer,
       Gerhart Baum oder gleich den Bahnhofs-Befrieder aus Stuttgart, Heiner
       Geißler, selbst Mitglied bei Attac.
       
       Besetzer-Sprecherin Schäfer ist von den Namensvorschlägen indes wenig
       begeistert: „Runder Tisch heißt kommunizieren, nicht zwangsweise Einigung,
       schon gar nicht als Opium fürs Volk wie bei Stuttgart 21“. Zudem könne es
       sein, dass sich Einzelne nicht an eine Abmachung halten würden, das müsse
       jeder für sich entscheiden. Ihre Vorbedingung: „Wir handeln anonym.
       Ausweiskontrollen schließen einen runden Tisch aus.“ Und das Ergebnis könne
       nur sein: Ende der Rodungen. „Und so weit wird RWE nicht gehen.“
       
       Derweil hat die Staatsanwaltschaft Aachen ein Ermittlungsverfahren gegen
       den Fahrer des RWE-Fahrzeugs aufgenommen – wegen gefährlicher
       Körperverletzung. Auslöser war die Strafanzeige des Kerpener Steuerberaters
       Kurt Claßen. Er ist seit Jahren engagierter Unterstützer der Widerständler
       und hat ihnen als Eigentümer auch die Wiese zur Verfügung gestellt, auf der
       die Kohlegegner ihr Camp errichtet haben. Die Anzeige mutmaßt sogar
       „mehrfach versuchten Mord“ – mit einem „gemeingefährlichen Mittel, dem
       Jeep“. Zudem läge versuchte Strafvereitelung im Amt vor, da das angefahrene
       Opfer in Untersuchungshaft genommen wurde, nicht aber der bislang
       unbekannte Fahrer.
       
       Der Landrat Wolfgang Spelthahn jedenfalls könnte bei einer Schlichtung fast
       sein eigener runder Tisch sein: Er war bis zum Sommer im Aufsichtsrat von
       RWE, ist Chef der Dürener Polizei und eben der machtvollste und
       strippenkundigste Politiker rund um die bedrohten Forste. Immerhin, er
       wolle die Idee prüfen, sagte er. Ob Geißler schon mal seinen Terminkalender
       checken sollte? Unabhängig davon kündigten die Besetzer eine Großaktion für
       Samstag an.
       
       27 Jan 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Müllender
       
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