# taz.de -- Kommentar Bedrohung durch den Terror: Die Normalität verteidigen
       
       > Terroristen wollen einen Gegensatz zwischen dem Westen und dem Islam
       > herstellen. Aber generelle Furcht vor Muslimen wäre fatal.
       
 (IMG) Bild: Die Hauptstadt Europas stand das ganze Wochenende über still
       
       „Ihr habt die Waffen, wir haben Kölsch“: So demonstrierten Fußballfans aus
       der Domstadt am Wochenende gegen die Terroristen und für eine Fortsetzung
       ihrer Lebensart. Wir lassen uns nicht unterkriegen, so lautet allenthalben
       die Botschaft. Selbst Glühweinverächter sind dringend dazu aufgerufen,
       jetzt Weihnachtsmärkte zu besuchen, um Normalität zu demonstrieren.
       
       Die Hauptstadt Europas aber stand das ganze Wochenende über still. Keine
       U-Bahn fuhr in Brüssel, die Wochenmärkte blieben geschlossen und alle
       Konzerte und Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Es war nicht eine
       Terrordrohung, die Brüssel lahmlegte, sondern die Konsequenzen, die Politik
       und Polizei aus einer Bedrohung gezogen haben.
       
       Dabei ist es mehr als verständlich, dass in diesen Tagen niemand das Risiko
       eingehen möchte, nicht rechtzeitig gewarnt zu haben. Lieber eine Warnung zu
       viel als eine Wiederholung der Pariser Mordserie.
       
       Europa steht damit vor einem scheinbar unauflösbaren Dilemma. Ja, es ist
       richtig, wenn wir uns von irrsinnigen Mördern nicht unser Leben diktieren
       lassen. Und ja, es ist auch richtig, Warnungen nicht auf die leichte
       Schulter zu nehmen. Die Garantie der Unversehrtheit ihrer Bürger ist
       schließlich eine der wichtigsten Aufgaben des Staates. Für die Bürger
       dieses Kontinents bedeutet dieser Wechsel zwischen gespielter Normalität
       und Ausnahmezustand eine alltägliche Zumutung, die es zu ertragen gilt.
       
       Es ist gut, wenn wir uns nicht irre machen lassen. Viel wichtiger
       allerdings bleibt es, dass Europa aus den Anschlägen nicht die Konsequenz
       einer generellen Furcht gegenüber Muslimen zieht, dass diese nicht
       ausgegrenzt und stigmatisiert werden. Denn das ist es, was die Terroristen
       wollen: einen Antagonismus herbeizubomben zwischen dem sogenannten Westen
       und vorgeblich islamischen Werten, der es ihnen ermöglichen soll, ihr
       krudes Lebensbild weiter zu verbreiten.
       
       Die Reaktionen machen Mut, dass ihnen das nicht gelingen wird. Es brennen
       keine Moscheen. Die Franzosen haben nicht zum Lynchmord aufgerufen, und die
       Deutschen sind in ihrer großen Mehrheit weiterhin dazu bereit, Flüchtlinge
       aus Syrien aufzunehmen.
       
       Diese Art Normalität ist es, die es jeden Tag im Betrieb, in der Schule und
       auf der Straße zu verteidigen gilt und die viel wichtiger ist als der
       Besuch von Weihnachtsmärkten.
       
       22 Nov 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Hillenbrand
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Europa
 (DIR) Brüssel
 (DIR) Terrorismus
 (DIR) Schwerpunkt Islamistischer Terror
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Schwerpunkt Islamistischer Terror
 (DIR) Brüssel
 (DIR) Brüssel
 (DIR) Islamismus
 (DIR) Brüssel
 (DIR) Brüssel
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kommentar Obama und Hollande: Falsch verbunden
       
       Nach dem Besuch Hollandes bei Obama ist die große Anti-IS-Koalition weiter
       nicht in Sicht. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht.
       
 (DIR) Kampf gegen islamistischen Terror: Weiter maximale Warnstufe in Brüssel
       
       In Belgien kehrt immer noch kein Alltag ein. Derweil fliegen französische
       Kampfjets weiter Angriffe auf den IS, Präsident Hollande sucht weltweit
       Verbündete.
       
 (DIR) Angst vor Anschlägen in Belgien: Razzien und Terroralarm in Brüssel
       
       Die Gefahr ist nicht gebannt: Bei Polizeieinsätzen in Belgien gab es über
       20 Festnahmen. Aus Sorge vor Anschlägen bleibt Brüssel im Ausnahmezustand.
       
 (DIR) Stillstand in Europas Hauptstadt: Brüssel trotzt der Angst
       
       Zwei Terroristen könnten Anschläge verüben, warnen die Behörden. Die
       Hauptsorge der meisten Einwohner ist allerdings praktischer Natur.
       
 (DIR) Ausnahmezustand in Brüssel: Polizei sucht zwei Terroristen
       
       In Brüssel herrscht weiter Angst: Ein Stadtteil-Bürgermeister warnt, zwei
       sehr gefährliche Terroristen seien in der Region.
       
 (DIR) Brüssel im Ausnahmezustand: Terrorwarnung auch am Sonntag
       
       Keine U-Bahn, kein Shopping: Auch am Sonntag gilt in der belgischen
       Hauptstadt die höchste Terrorwarnstufe. Die EinwohnerInnen sollen zu Hause
       bleiben.
       
 (DIR) Maßnahme der belgischen Regierung: Höchste Terrorwarnstufe in Brüssel
       
       Belgien reagiert auf eine Anschlagsdrohung: Die U-Bahnen fahren nicht,
       mehrere Fußballspiele wurden abgesagt. In der Türkei wurden drei
       Terrorverdächtige festgenommen.
       
 (DIR) Daniel Cohn-Bendit über Terror in Paris: „Wir müssen die Angst überwinden“
       
       Der Politiker spricht über die „Generation Bataclan“ und die richtige
       Strategie im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“.