# taz.de -- Visegrad-Gruppe über Flüchtlingspolitik: EU unfähig, sagen Osteuropäer
       
       > Die EU sei unfähig in Flüchtlingsfragen, schimpfen Osteuropas
       > Staatschefs. Tschechiens Präsident Zeman wirft Flüchtlingen zudem
       > mangelnden Mut vor.
       
 (IMG) Bild: Die Staatschefs von Kroatien, Tschechien, Ungarn, Slowakei und Polen (v.l.) posieren.
       
       Balatonfüred dpa | Die Präsidenten Ungarns, Polens, Tschechiens und der
       Slowakei haben der EU vorgeworfen, in der Flüchtlingskrise zu versagen. Die
       Europäische Union sei unfähig, ihre Grenzen zu schützen, sagten die
       Staatschefs der Visegrad-Länder am Freitag zum Abschluss ihres zweitägigen
       Treffens im ungarischen Plattensee-Ort Balatonfüred, wie die staatliche
       ungarische Nachrichtenagentur MTI meldete.
       
       Sondergast bei dem turnusmäßigen Treffen war Kolinda Grabar-Kitarovic,
       Präsidentin des besonders von der Flüchtlingskrise betroffenen Kroatien.
       
       Tschechiens Staatschef Milos Zeman sagte, die EU erweise sich derzeit als
       unfähig, die eigenen Außengrenzen zu schützen. Zeman, Gastgeber Janos Ader,
       Polens Präsident Andrzej Duda und dessen slowakischer Kollege Andrej Kiska
       forderten Brüssel auf, in der Flüchtlingsfrage entschlossener zu agieren.
       Kiska betonte, innerhalb der EU sei mehr Solidarität notwendig, damit es zu
       keiner neuen Spaltung zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten komme.
       
       Tausende Flüchtlinge wandern täglich über Kroatien Richtung Westeuropa,
       seit Ungarn Mitte September seine Grenze zu Serbien abgeriegelt hat. Die
       meisten Flüchtlinge werden von den kroatischen Behörden an die ungarische
       Grenze gebracht. Dies sorgt für heftige Verstimmungen zwischen Zagreb und
       Budapest. Ungarns Behörden bringen die Flüchtlinge wiederum zur
       österreichischen Grenze.
       
       Außerdem hat der tschechische Staatspräsident Milos Zeman den Flüchtlingen
       mangelnden Mut vorgeworfen. Die meisten Flüchtlinge seien gut situierte,
       mit Smartphones ausgestattete junge Leute, die ihre Familien in den
       Kriegsgebieten zurückgelassen hätten und „dies zeugt nicht von Mut“, sagte
       Zeman nach Angaben der ungarischen Internet-Zeitung index.hu am Freitag zum
       Abschluss des Gipfeltreffens der Visegrad-Staaten.
       
       Die seit 1991 bestehende Visegrad-Gruppe, zu der Ungarn, Polen, Tschechien
       und die Slowakei gehören, ist ein loser Gesprächskreis. In der
       Flüchtlingskrise gab es zuletzt innerhalb der Gruppe Uneinigkeit zu
       EU-Verteilungsquoten der Flüchtlinge: Ungarn, Tschechien und die Slowakei
       stimmten dagegen – Polen hingegen dafür.
       
       9 Oct 2015
       
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