# taz.de -- Rassismus vor Berlins Flüchtlingsheimen: „Wir schlitzen euch auf“
       
       > Neonazis bedrohen Flüchtlinge vor der Unterkunft am Glambecker Ring in
       > Marzahn. Das war nicht der erste Vorfall rechter Gewalt.
       
 (IMG) Bild: Hohes Gewaltpotenzial und gut organisiert: Neonazis demonstrieren im Oktober 2009 in Berlin
       
       Um kein Risiko einzugehen, machten sie sich schon um kurz vor 17 Uhr
       nachmittags auf den Heimweg. „Damit es nicht dunkel ist, wenn wir
       ankommen“, erzählt eine, die dabei war. Zwölf Flüchtlinge im Alter von 10
       bis 17 Jahren und zwei Studentinnen waren am Donnerstag vergangener Woche
       in dem Jugendtreff „Anna L.“ in Marzahn gewesen.
       
       Auf dem Weg zurück in die Flüchtlingsunterkunft am Glambecker Ring
       passierte es trotzdem – um 17 Uhr, am helllichten Tag: Knapp zehn Männer
       pöbelten die Gruppe an, spuckten den Kindern vor die Füße. Sie drohten den
       Flüchtlingen und ihren Freunden: „Wir schlitzen euch auf.“
       
       ## Hitlergruß vor Unterkunft
       
       Die Angreifer hätten sich klar als Neonazis zu erkennen gegeben, sagte der
       Heimleiter Jochen Heine. „Sie trugen Glatzen, rechte Tätowierungen und
       Kleidung von Thor Steinar.“ Die Flüchtlinge retteten sich ins Heim.
       Körperlich blieben sie unversehrt. Heine entschied sich, die Polizei nicht
       anzurufen, da „sich die Nazis rasch weiterbewegt haben“.
       
       Die Unterkunft von rund 250 Flüchtlingen geriet in letzter Zeit immer
       wieder ins Visier der Rechten. Vor zwei Wochen erst hatten Unbekannte eine
       Bengalofackel aufs Heimgelände geworfen. Verletzt wurde damals niemand, da
       zwei Polizisten die Fackel austraten. Die Täter konnten unerkannt fliehen.
       Der Staatsschutz ermittelt wegen schwerer Brandstiftung. „Ergebnisse liegen
       noch keine vor“, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag mit.
       
       Nur wenig später, in der Nacht vom 12. auf den 13. September, trieben vier
       Rechtsradikale vor der nur einen Kilometer entfernten Containersiedlung am
       Blumberger Damm ihr Unwesen. Einer von ihnen skandierte fremdenfeindliche
       Sprüche und zeigte den Hitlergruß, die Polizei nahm ihn fest. Seine
       Begleiter erhielten Platzverweise. Zwei Stunden später tauchten sie am
       Glambecker Ring auf, warfen eine Glasflasche in Richtung Heim. Auch die
       drei wurden festgenommen.
       
       ## Rechte Szene gut organisiert
       
       Auch am Mittwoch vergangener Woche hatten gegen 17 Uhr vier Unbekannte die
       Bewohner angepöbelt. Durch ein Fenster sollen sie ihnen Sprüche wie „Ich
       gehe hier auf meinem deutschen Rasen“ zugerufen haben, so die Polizei.
       
       Die Marzahner Unterkünfte wurden erst vor wenigen Wochen eröffnet. „Dass
       Rechtsextreme vor neuen Unterkünften eine Drohkulisse aufziehen, ist ein
       bekanntes Phänomen“, sagte Michael Trube von der [1][Mobilen Beratung gegen
       Rechtsextremismus]. In Marzahn sie die rechte Szene zudem vergleichsweise
       gut organisiert.
       
       22 Sep 2015
       
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