# taz.de -- Urteil in Ägypten gegen TV-Journalisten: „Nur noch“ drei Jahre
       
       > Die Neuauflage des Prozesses gegen drei Al-Dschasira-Mitarbeiter endete
       > mit einer Reduzierung der Haft. Der Fernsehsender und Amnesty kritisieren
       > das Urteil.
       
 (IMG) Bild: Letzte Momente in Freiheit: Mohammed Fahmy und Baher Mohammed am Samstag im Gerichtssaal.
       
       Kairo ap | In der umstrittenen Neuauflage des Prozesses um angeblich
       falsche Berichterstattung sind drei Journalisten des katarischen Senders
       Al-Dschasira in Ägypten zu je drei Jahren Haft verurteilt worden. Richter
       Hassan Farid sagte am Samstag, die Journalisten hätten Ausrüstung ohne
       Zustimmung der Sicherheitsbehörden nach Ägypten gebracht, „falsche
       Nachrichten“ verbreitet sowie ein Hotel ohne Erlaubnis als Sendestelle
       benutzt. Al-Dschasira teilte mit, das Urteil widerspreche jeder Logik.
       
       In einem ersten Prozess, der weltweit von Menschenrechtsaktivisten und
       Kämpfern für die Pressefreiheit kritisiert worden war, waren die drei
       Männer im Juni 2014 wegen der angeblichen Mitgliedschaft in der
       Muslimbruderschaft und falscher Berichterstattung zu sieben bis zehn Jahren
       Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht ordnete dann aber nach heftigen
       Protesten eine Neuauflage des Verfahrens an. Bei der Verhandlung seien die
       Rechte der Angeklagten verletzt worden, hieß es.
       
       Die Muslimbruderschaft wird in Ägypten als Terrororganisation eingestuft.
       Katar gilt als Unterstützer der Muslimbrüder, und Al-Dschasira wird
       verdächtigt, deren Ansichten wiederzugeben. Seit dem Sturz des
       islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 greift Ägypten besonders
       hart gegen seine Unterstützer durch.
       
       Der Ägypter Baher Mohammed, der Kanadier Mohammed Fahmy und der Australier
       Peter Greste waren im Dezember 2013 in einem Luxushotel festgenommen
       worden. Greste war im Februar aus der Haft frei gekommen und nach
       Australien abgeschoben worden. Die beiden anderen Angeklagten waren auf
       Kaution frei. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete am Samstag
       unter Berufung auf den vollständigen Urteilstext, Mohammed müsse zusätzlich
       noch sechs Monate länger ins Gefängnis, weil er im Besitz eines Projektils
       gewesen sei.
       
       ## Aus dem Gerichtssaal abgeführt
       
       Direkt nach der Urteilsverkündung wurden Fahmy und Mohammed, die bei dem
       Prozess anwesend waren, abgeführt. Die Frau von Fahmy, Marwa, begann zu
       weinen. Andere schluchzten laut. Greste sagte Al-Dschasira in Sydney, er
       habe gedacht, ein ägyptisches Berufungsgericht werde das Urteil kippen. Er
       mache sich Sorgen um seine beiden Kollegen, die nun zurück in die
       schrecklich überfüllten Gefängnisse müssten.
       
       Richter Farid monierte zudem, die Journalisten seien nicht im
       Journalistenverband des Landes eingeschrieben gewesen. Der
       geschäftsleitende Generaldirektor vom englischsprachigen Al-Dschasira,
       Mostefa Suag, sagte: „Der ganze Fall wurde stark politisiert und nicht in
       freier und fairer Art geleitet. Es gibt keinen Hinweis, dass unsere
       Kollegen in irgendeiner Weise Nachrichten fälschten oder
       Terrororganisationen begünstigten oder unterstützten. An keiner Stelle
       während des langen Wiederaufnahmeverfahrens hielt irgendeiner der
       unbegründeten Vorwürfe einer genauen Überprüfung stand.“ Das Urteil
       widerspreche dem gesunden Menschenverstand.
       
       Menschenrechtsanwältin Amal Clooney sagte, das Urteil sende eine sehr
       gefährliche Botschaft von Ägypten. „Es sendet die Botschaft, dass
       Journalisten nur deswegen eingesperrt werden können, weil sie ihren Job
       machen, dafür, dass sie die Wahrheit erzählen und die Nachrichten
       berichten. Und es sendet die gefährliche Nachricht, dass es Richter in
       Ägypten gibt, die ihren Gerichten erlauben, Instrumente politischer
       Unterdrückung und Propaganda zu werden.“
       
       Kritik kam auch von Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation
       nannte das Urteil das Totengeläut für Meinungsfreiheit in Ägypten.
       
       Fahmy hatte Al-Dschasira in Kanada wegen des Umgangs mit dem Fall auf 100
       Millionen Dollar (89 Millionen Euro) Schadenersatz verklagt. Der Sender
       habe die Story über die Sicherheit der Angestellten gestellt und die
       arabischsprachigen Kanäle benutzt, sich für die Muslimbruderschaft
       einzusetzen. Al-Dschasira erklärte, Fahmy solle Schadenersatz von Ägypten
       fordern.
       
       29 Aug 2015
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Al-Dschasira
 (DIR) Justiz in Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Urteil
 (DIR) Journalist
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Al-Dschasira
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Justiz in Ägypten
 (DIR) Medien
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Al-Dschasira
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Aus Le Monde diplomatique: Die Wahrheit auf der letzten Seite
       
       In Ägypten werden unabhängige Journalisten wie Terroristen behandelt. Sie
       werden verfolgt oder zur Selbstzensur gezwungen.
       
 (DIR) Ägyptens Präsident „begnadigt“ Reporter: Al-Dschasira-Journalisten sind frei
       
       Der international kritisierte Al-Dschasira-Prozess nimmt ein Ende.
       Gemeinsam mit bekannten AktivistInnen wurden die Reporter freigelassen.
       
 (DIR) 12 Tote in Ägypten: Touristen aus Versehen erschossen
       
       Im Westen Ägyptens haben ägyptische Sicherheitskräfte am Sonntag irrtümlich
       Touristen aus Mexiko erschossen. Sie hielten sie für IS-Terroristen.
       
 (DIR) Anti-Terror-Gesetz in Ägypten: Pressefreiheit stark eingeschränkt
       
       Die Zensur im Land wird weiter verschärft. Wer von den Angaben der
       ägyptischen Behörden abweicht, hat mit drastischen Konsequenzen zu rechnen.
       
 (DIR) „Al-Dschasira“-Prozess in Ägypten: Journalisten kommen frei
       
       Trotz internationaler Kritik: Im Berufungsprozess gegen Muhammad Fahmi und
       Baher Muhammad stellt das Gericht in Kairo das Verfahren nicht ein.
       
 (DIR) Al-Dschasira-Journalist frei: Ägypten schiebt Reporter Greste ab
       
       Über ein Jahr lang saß der australische Journalist Peter Greste im
       Gefängnis. Nun hat Ägypten seine Ausweisung angeordnet.
       
 (DIR) Pressefreiheit in Ägypten: Neuer Prozess für drei Journalisten
       
       Ein Australier und zwei Kollegen beim Sender „Al Dschasira“ sitzen wegen
       ihrer Berichterstattung in Ägypten in Haft. Nun wird der Prozess neu
       aufgerollt.
       
 (DIR) Haft für Journalisten in Ägypten: Ein finsterer Tag
       
       „Ein politisches Urteil“ – die Strafen für die Al-Dschasira-Mitarbeiter
       schockieren Angehörige und Beobachter. Letzte Hoffnung: Begnadigung.
       
 (DIR) Urteil im Al-Dschasira-Prozess in Ägypten: Lange Haftstrafen für Reporter
       
       Sieben Jahre Gefängnis für die behauptete Unterstützung der
       Muslimbruderschaft: Im umstrittenen Prozess gegen Journalisten wurden in
       Ägypten harte Urteile verhängt.