# taz.de -- BKA-Reform III: Der Nutzen des Terrors
> Schäuble und BKA-Chef Ziercke nutzen den Terror, um die BKA-Kompetenzen
> auszuweiten.
(IMG) Bild: Mehr Terrorangst bedeutet mehr Kompetenzen für sein Amt - BKA-Chef Ziercke.
FREIBURG taz Das Bundeskriminalamt (BKA) soll als zentrale
Antiterrorpolizei in Deutschland gestärkt werden. Das ist der Plan, der
hinter der Novelle des BKA-Gesetzes steckt. Innenminister Schäuble und
BKA-Chef Ziercke nutzen den islamistischen Terror, um die Kompetenzen des
BKA massiv in den präventiven Bereich auszuweiten.
In der Regierung ist dies nicht einmal umstritten. Die SPD will dem BKA nur
etwas weniger Befugnisse geben, vor allem sollen die Beamten vorerst keine
Computer heimlich ausspähen dürfen. Selbst die Länder, die ja eigentlich
für die Gefahrenabwehr zuständig sind, haben sich mit dem Machtzuwachs der
Bundeskriminalpolizei abgefunden. Bei der Föderalismusreform im letzten
Herbst wurde nämlich das Grundgesetz so geändert, dass das BKA auch
Präventivbefugnisse bekommen kann. Die Novelle des BKA-Gesetzes setzt diese
Entscheidung nur um und gestaltet sie aus.
Schon zu Zeiten der RAF profitierte das BKA vom Terror. Es vervielfachte
seine Mitarbeiterzahl von 800 in den 60er-Jahren auf mehr als 3.000 im Jahr
1980. Heute sind es rund 5.000 an den drei Standorten Wiesbaden,
Bonn/Meckenheim und Berlin.
Ein deutsches FBI ist das BKA damit aber noch lange nicht. Die
amerikanischen Bundesermittler sind mit ihren 30.000 Mitarbeitern
flächendeckend präsent und unterhalten 455 Büros in den gesamten USA.
Dagegen bleibt in Deutschland das Schwergewicht auch künftig bei den
Polizeien der Länder, die über 200.000 Mitarbeiter haben. Die BKA-Einsätze
vor Ort sollen vom BKA-Sonderkommando in Meckenheim aus durchgeführt
werden. "Rein in den Hubschrauber, raus in den Einsatz", beschrieb Ziercke
das Prinzip einmal im taz-Interview.
Mit den neuen Befugnissen wird das BKA auch keinen neuen Personalschub
bekommen. Laut Gesetzentwurf soll die ganze Reform nur rund 400.000 Euro
kosten. BKA-Chef Ziercke will zwar zwei bis drei zusätzliche
Observationstrupps aufstellen, aber das erforderliche Personal wird wohl in
seiner Behörde umgeschichtet.
Mit den neuen Präventivbefugnissen versucht das BKA teilweise auch nur
verlorenes Terrain wiederzugewinnen. In den Jahrzehnten des RAF-Terrors
stellte sich die Frage nach der Prävention gar nicht. Da bereits die
Mitgliedschaft in einer kriminellen oder terroristischen Vereinigung
strafbar ist, konnte das BKA gegen die RAF flächendeckend ermitteln und
nebenbei auch versuchen, Anschläge zu verhindern. Mit Aufkommen des
islamistischen Terrors, der sich gerade nicht in einer dauerhaften
Vereinigung organisiert, ist dieser strafrechtliche Ansatz weggefallen. Die
Bundesregierung diskutiert zwar gerade, auch die Terrorvorbereitung in
kurzlebigen Gruppen oder als Einzeltäter strafbar zu machen, um diese Lücke
zu füllen. Darauf wollten Schäuble und das BKA aber nicht warten.
13 Jul 2007
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
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