# taz.de -- Bürgerentscheid zum Spreeufer: Senat will Mediaspree-Wogen glätten
       
       > Nach dem Bürgerentscheid fordern Landespolitiker, dass der Bezirk
       > Friedrichshain-Kreuzberg das Bürgervotum ernst nimmt. Dabei bleiben sie
       > schön vage.
       
 (IMG) Bild: Inhaltsvoll wie eine Seifenblase: Auch nach dem Bürgerentscheid bleibt die Spree ein Thema
       
       Nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid zur Zukunft der Spreeufer hat sich
       der Senat grundsätzlich bereit gezeigt zum Dialog mit der Bürgerinitiative.
       Landespolitiker und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer blieben
       indes am Montag auffallend unverbindlich - und waren vor allem darauf
       bedacht, die Investoren zu beruhigen.
       
       "Das Land Berlin ist bei dieser Entwicklung ein verlässlicher Partner für
       alle Investoren, die sich auf vorhandenes Baurecht und auf bestehende
       städtebauliche Verträge berufen können", erklärte die SPD-Politikerin. Sie
       bezeichnete Mediaspree ganz in Investorensprache als einen "für
       Zukunftsinvestitionen interessanten Standort. Hier kann Berlin auf
       Augenhöhe mit anderen europäischen Metropolen konkurrieren". Auf den
       Bürgerentscheid ging die Senatorin in ihrer Mitteilung allerdings nicht
       konkret ein.
       
       Ihr Sprecher, Marko Rosteck, sagte später der taz, der Entscheid habe eher
       Appellcharakter und sei eine Aufforderung zum Dialog. Laut dem
       Bezirksverwaltungsgesetz sind Bürgerentscheide Empfehlungen. Bei
       planungsrechtlichen Fragen sind Bürgerentscheide "teilweise nur mit
       empfehlender oder ersuchender Wirkung möglich".
       
       Nach dem deutlichen Sieg der Bürgerinitiative "Mediaspree versenken!" am
       Sonntag will Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) mit den Aktivisten
       und mit Investoren gemeinsam nach Kompromissen für das 180 Hektar große
       Entwicklungsgebiet zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke suchen. Allerdings
       wird dieser Sonderausschuss erst nach der Sommerpause zusammentreten. Die
       Wogen könnten sich bis dahin geglättet haben, was dem Senat wohl nicht
       ungelegen käme: Die Landespolitiker reagierten am Montag mit allgemein
       gehaltenen Appellen auf das Bürgervotum und bedienten vor allem ihre
       Wählerklientel.
       
       Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sah im Bürgerentscheid kein
       schlechtes Signal für künftige Investoren. Die Interessen von Wirtschaft
       und Bürgern müssten so kommuniziert werden, dass ein Konsens entstehe. Wolf
       gestand zwar, dass der Weg dorthin schwierig werde, das Votum müsse
       gleichwohl ernst genommen werden, auch wenn es nicht bindend ist.
       
       Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte den Bezirk
       Friedrichshain-Kreuzberg auf, die Interessen der Investoren ausreichend zu
       berücksichtigen. Im Interesse des Allgemeinwohls müsse "die maximale
       Realisierung des Projekts Mediaspree gemeinsam mit den Investoren"
       herbeigeführt werden. Sollte sich Bürgermeister Schulz doch dem
       "unverbindlichen Kiezvotum" beugen, müsse der Senat die Planungen an sich
       ziehen. Das forderte auch ein Sprecher der CDU-Fraktion: Der Senat müsse
       "retten, was zu retten ist".
       
       Senatsverwaltungssprecher Rosteck wehrte jedoch ab: "Wir haben nichts
       derartiges vor." Das Verfahren sei im Bezirk in guten Händen. Auch Schulz
       ist dagegen, die Befugnisse abzugeben - Stadtplanung zählt zu den
       Kernkompetenzen einer Bezirksverwaltung. Er warnte, dass das Votum vom
       Sonntag bedeutungslos werde, sollte Junge-Reyer die Planungshoheit
       übernehmen. Es bestehe zudem die Gefahr, dass der Senat die bisherigen
       Pläne "mehr oder weniger unverändert" realisiere.
       
       15 Jul 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kristina Pezzei
       
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