# taz.de -- Polizei vertreibt Mediaspree-Kritiker: Hausfriedensbruch auf Baugelände
       
       > Die Bürgerinitiative "Mediaspree versenken" macht Aktion gegen "Labels"
       > und fordert breiteren Uferstreifen.
       
 (IMG) Bild: Streit um Mediaspree: Nun stellt Junge-Reyer Bürgerbegehren infrage.
       
       Die Sommerpause ist vorbei - Mediaspree ist wieder da. Nach wochenlanger
       Ruhe lieferten sich am Mittwoch ein Dutzend Aktivisten der Bürgerinitiative
       "Spreeufer für alle" und die Polizei ein Scharmützel am Osthafen. Die
       Initiative wollte auf dem Gelände neben dem Modezentrum "Labels" ein
       Baugerüst aus Holzplanken aufstellen und damit das geplante "Labels II"
       nachstellen. Allerdings hatten Sprecher Carsten Joost und seine Mitstreiter
       Hausverbot auf dem Labels- wie auf dem Behala-Gelände. Die Polizei rückte
       mit mehreren Einsatzwagen an, die Aktivisten mussten das Feld räumen. Ihnen
       droht nun eine Anklage wegen Hausfriedensbruch.
       
       Joost sagte, er wolle mit der Aktion die Forderung nach einem breiteren
       Uferstreifen zu Lasten der geplanten Parkplätze auf dem Gelände
       untermauern. "Wir sehen nicht ein, dass ein Drittel der gesamten
       Hafenfläche für den ruhenden und fahrenden Verkehr geopfert werden soll."
       Würde hingegen das geplante Labels-II-Gebäude nach hinten verlagert, würde
       sich der Abstand zum Ufer auf 20 Meter verdoppeln. Die Parkplätze zur
       Stralauer Straße hin würden um ein Drittel reduziert.
       
       "Sowohl beim Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg als auch bei Labels
       Berlin ist der Vorschlag gut angekommen", sagte Joost. Labels habe am 1.
       August grundsätzlich zugestimmt und sich bereit erklärt, die zusätzlichen
       Kosten zu tragen. Die Gegenseite sah dies allerdings etwas differenzierter:
       "Herr Joost hat einen Halbsatz wissentlich unterschlagen", sagte
       Labels-Geschäftsführer Stefan Sihler. "Wir haben in der Tat nichts dagegen,
       aber es liegt nicht in unserer Entscheidungsmacht, sondern in der des
       Bezirks."
       
       Dort hieß es wiederum, aus dem Bürgerentscheid folge eine Sperrfrist für
       Änderungen - im Moment könne an Entscheidungen nicht gerüttelt werden. "Der
       Investor hat eine Baugenehmigung, und die gilt", sagte Jörg Flähmig,
       Referent von Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Schulz ist im
       Urlaub.
       
       Joost will gleichwohl, dass die Angelegenheit im Bezirksamt zur Chefsache
       wird. Das Gesuch könnte allerdings bald überholt sein: Letzte Woche
       begannen die Bauarbeiten für Labels II, eine Verlagerung wird immer
       unwahrscheinlicher.
       
       Mit der Aktion wollte die Initiative übrigens an eine Schweizer
       Gepflogenheit anknüpfen. Dort werden Bauvorhaben laut Joost vorab mit
       Modellen simuliert, um sie den Bürgern zu verdeutlichen. Ein Wink an
       Senatsbaudirektorin Regula Löscher; die Schweizerin war ausdrücklich zu dem
       Termin eingeladen. Sie kam nicht.
       
       20 Aug 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kristina Pezzei
       
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