# taz.de -- Sicherheitschecks bei Leichtathletik-WM: Schäuble will es nicht gewesen sein
> Der Innenminister bestreitet seine Mitwirkung an den Sicherheitschecks
> von Journalisten bei der diesjährigen Leichtathletik-WM.
(IMG) Bild: Will alles überwachen, aber offenbar nicht die Leichtathletik-WM: Innenminister Schäuble
BERLIN taz | Im Streit über die Sicherheitsüberprüfungen von Journalisten
bei der Leichtathletikweltmeisterschaft versteckt sich Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) hinter dem Berlin Organising Committee (BOC). Die
Bundesregierung habe an der Entscheidung, nur solche Journalisten zu der WM
zuzulassen, die sich mit einer Zuverlässigkeitsüberprüfung durch die
Sicherheitsbehörden einverstanden erklärt haben, "nicht mitgewirkt", heißt
es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des
Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen), die der
taz vorliegt. Es ist das erste Mal, dass Schäuble zu dem zweifelhaften
Akkreditierungsverfahren Stellung nimmt.
Die taz hatte die vor einer Woche zu Ende gegangene
Leichtathletikweltmeisterschaft boykottiert. Der Grund: Zur Akkreditierung
hatten die Journalisten eine Erklärung unterschreiben müssen, in der sie
einer weitreichenden Überprüfung ihrer persönlichen Daten unter anderem
durch das Bundeskriminalamt, den Verfassungsschutz und den
Bundesnachrichtendienst zustimmen sollten. Zwei taz-Reporter weigerten sich
- worauf ihnen die Akkreditierung verwehrt wurde. Als ein "massiver
Eingriff" in die Pressefreiheit hatte taz-Chefredakteurin Ines Pohl die
Datenüberprüfung von Journalisten bezeichnet.
"Die Entscheidung traf der BOC in eigener Verantwortung nach den Vorgaben
des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF", heißt es nun in der Antwort an
Ströbele. Der Bund sei in keinem der Entscheidungsorgane vertreten gewesen.
Zudem versicherte das Innenministerium, dass die Namen der Journalisten mit
den Daten beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt zwar
"automatisiert abgeglichen" wurden. Die Ergebnisse hätten die
Bundesbehörden aber nicht gespeichert. In einer ähnlich lautenden Anfrage
der Linkspartei-Bundestagsabgeordneten Petra Pau verwies das
Bundesinnenministerium auf das Land Berlin, das wesentlich mehr in die
Vorbereitungen involviert gewesen sei. Auf die Frage der
Linkspartei-Politikerin, ob es auch bei künftigen Sportgroßveranstaltungen
mit solch aufwändigen Kontrollen zu rechnen ist, antwortete Schäubles
Behörde, dass die Sicherheitsmaßnahmen "lageangepasst" festgelegt würden.
Eine Prognose für künftige Sportveranstaltungen sei daher nicht möglich.
Ein politisches Nachspiel soll das Akkreditierungsverfahren auf
landespolitischer Ebene haben. Die Berliner Grünen haben dafür gesorgt,
dass der "Einwilligungszwang zur Ausforschung von JournalistInnen" sowohl
im Datenschutz- als auch im Verfassungsschutzausschuss des Berliner
Abgeordnetenhauses debattiert wird. Von besonderem Interesse sei, auf
welcher Grundlage Daten vom Verfassungsschutz an das BOC weitergegeben und
wie gewährleistet wurde, dass sie nicht in die Hände von Unbefugten
gelangten, begründete der Berliner Grünen-Abgeordnete Dirk Behrendt seinen
Antrag. Im eigens für die Weltmeisterschaft gegründeten BOC GmbH war
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) stellvertretender Vorsitzender
des Aufsichtsrates. Zu der Akkreditierungspraxis war Körting bisher zu
keiner Stellungnahme bereit.
29 Aug 2009
## AUTOREN
(DIR) Felix Lee
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
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