# taz.de -- Hongkong bekommt neuen Regierungschef: Pekings zweite Wahl gewinnt
       
       > Der China-treue Leung Chun-ying wird das autonome Hongkong regieren.
       > Pekings eigentlicher Wunschkandidat stolperte über zu viele Skandale.
       
 (IMG) Bild: Hongkongs künftiger Regierungschef Leung Chun-ying.
       
       BERLIN taz | Eine elitäre Wahlversammlung hat am Sonntag Leung Chun-ying
       zum neuen Regierungschef der autonomen südchinesischen Metropole Hongkong
       bestimmt. Der 57-jährige Immobilienmakler bekam 689 von 1.193 Stimmen. Sein
       Rivale Henry Tang Ying-yen erhielt 285 Stimmen.
       
       Der von vornrherein chancenlose Chef der Peking-kritischen Demokratischen
       Partei, Albert Ho Chun-yan, erhielt 76 Stimmen. Weitere 143 Stimmen wurden
       – meist aus Protest gegen das Verfahren – nicht abgegeben oder waren
       ungültig.
       
       Bei einer inoffiziellen Probewahl der Universität Hongkong, an der sich
       222.900 Bürger beteiligten, gaben 54 Prozent leere Wahlzettel ab oder
       wählten ungültig. Damit kritisierten sie, dass die Bevölkerung ihren
       Regierungschef nicht direkt selbst wählen darf. Peking hat dies für 2017
       vage in Aussicht gestellt. Doch könnte China sich eine Vorauswahl
       vorbehalten.
       
       Ursprünglich war Tang, der Hongkongs Verwaltungschef war und Erbe eines
       Schanghaier Textilimperiums ist, Pekings Wunschkandidat. Doch der schon
       immer wenig volksnahe Tang wurde zunehmend unbeliebt. Im Oktober wurde eine
       außereheliche Affäre publik. Später kam heraus, dass Tang unter einem
       seiner Häuser ohne Genehmigung einen 200-Quadratmeter-Luxuskeller gebaut
       hatte. Die Verantwortung dafür gab er seiner Frau.
       
       ## Leung war eigentlich nur Zählkandidat
       
       Damit stiegen die Chancen des von Peking nur als Zählkandidaten
       vorgesehenen Leung. Das hochrangige Mitglied der Konsultativkonferenz von
       Chinas Regierung, eines Gremiums zur Einbindung einflussreicher Personen,
       war stets loyal gegenüber Peking und bekleidete Ämter, die Beobachtern
       zufolge nur Mitgliedern der KP Chinas offenstehen.
       
       Doch die gibt es in Hongkong offiziell nicht. Tang beschuldigte Leung
       zudem, sich bei internen Regierungsberatungen für polizeiliche Härte gegen
       Demonstranten ausgesprochen zu haben. Seit Peking letzte Woche begann, für
       Leungs Wahl Druck auszuüben, verlor er in Meinungsumfragen drastisch an
       Beliebtheit.
       
       25 Mar 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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