# taz.de -- Rassistische Klischees im Karneval: Afro-Tucken und Zigeuner-Huren
       
       > Cowboys, Prinzessinnen und Clowns sind die Klassiker der
       > Karnevals-Kostüme. Einige Verkleidungen überschreiten aber die
       > Geschmacksgrenze.
       
 (IMG) Bild: Schwarz und schwul: voll der Karnevals-Brüller
       
       Keine Prinzessin ohne Krone, kein Pirat ohne Augenklappe, kein Clown ohne
       rote Nase. Karnevalskostüme funktionieren über Klischees. Manche sind
       harmlos, einige krasser. Wir haben uns in den Kostüm-Onlineshops einmal
       umgesehen.
       
       Klassiker: Weiße Jungmänner und -frauen stülpen sich gerne Afroperücken
       über ihren blonden Schopf. Nur die ganz Harten malen sich dazu [1][die
       Gesichter schwarz], werfen sich ein Baströckchen über und stecken sich
       [2][Knochen ins Haar]. Damit die Käufer auch verstehen, um was es geht,
       versehen Onlineshops ihre Kostüme gerne mit
       [3][:3764.html?XTCsid=a58f6c85eef5abe3b5453ea33ea7563a:klischeebehafteten
       Beschreibungen]: „Mit unserer Mama Afrika Afro Perücke bist Du der
       Hingucker auf jeder Faschingsparty. Bereits von weitem wirst Du als
       gefährlicher Kannibale erkannt. (...) Du kommst mächtig ins schwitzen? Da
       siehst Du mal, wie es Mama Afrika im Dschungel ergeht.“
       
       Und natürlich ist man mit einem solchen Kostüm „von einem echten Afrikaner
       kaum zu unterscheiden.“ Ständig ein „frohes Lied auf den Lippen" ist man
       ganz die „afrikanische Frohnatur". Schminkfarben fürs Blackfacing müssen
       allerdings [4][separat bestellt werden].
       
       Genau, einmal ein Wilder sein, naiv aber immer gut gelaunt. Das ist Afrika.
       
       Doppelter Fehltritt: Wieso nur ein Klischee, wenn sich doch zwei so einfach
       verbinden lassen. Für [5][Empörung im Netz] sorgte in den vergangenen Tagen
       das Angebot eines großen deutschen Kostümshops. Der verkaufte die Perücke
       [6][Afro Tucke Jamie] für 9,99 Euro (mittlerweile vom Shop entfernt.
       Screenshot siehe Bild oben, d. Red.). Schwarz und schwul, wie witzig!
       
       Kommentatoren empörten sich vor allem über die dazugehörige Beschreibung
       des Onlineshops. „Unser Afro-Jamie bewegt sich rein schwimmtechnisch
       gesehen noch ganz schön in der Nähe der Uferpromenade des anderen Ufers.
       Wer einen eher tuckigeren afroamerikanischen Glanzauftritt bevorzugt,
       sollte jetzt dringend zuschlagen. Die tuckigsten Afros überhaupt!“ Die
       Beschreibung wurde mittlerweile entfernt. Bei einem anderen Kostüm-Shop
       wird die Perücke als [7][„Gaylord Afro Perücke im Wet Look“] verkauft.
       
       Ethno-Klischee: Beliebte Verkleidungsopfer sind auch Roma und Sinti.
       „Zigeuner“-Kostüme finden sich dutzendfach bei Kostümshops. Große Ohringe,
       bunte Röcke, schwarz-lockiges Haar mit grellen Tüchern darüber und fertig
       ist die „Zigeunerin/Wahrsagerin".
       
       Doch sie ist [8][noch mehr] als das: „Zu dieser Wahrsagerin kommen
       hauptsächlich männliche Kunden - und auch diese nur nebensächlich wegen
       Ratschlägen zu ihrer Zukunft...“ Klar, „Zigeunerinnen“ sagen die Zukunft
       voraus und machen für Männer die Beine breit.
       
       „Wolle teuren Schmuck, wolle Juwehle? Billig, billig, du kaufen, hier bei
       mir, bei Markt. Marokko Markt teuer, aber bei Yassin billig, billig. Du nur
       machen Looki Looki, nur gucken, auch gut...“. [9][Marrokaner können gar
       nicht anders], als dummen Europäern billigen Schmuck zu verkaufen. Sich
       einmal in die Rolle des Ausbeuters begeben, ein Traum zum Karneval.
       
       Und was soll dieser [10][„Mustafa“] sein? Genau: ein fröhlicher Türke mit
       rotem Hut.
       
       Terror-Taliban: Schnauzer, Kappe, beiger Stoff und eine Stange Dynamit in
       der Hand – das ist das [11][Taliban-Kostüm]. Und wenn der Araber kein
       Terrorist ist, dann wenigstens [12][ein Ölscheich]. Mit Zigarre zwischen
       den Lippen und Dollarscheinen in der Hand.
       
       Nazi-Chic: In Deutschland wagt sich kaum jemand an Nazioutfits zur
       Faschingszeit. Vor allem im angelsächsischen Raum hat man da weniger
       Berührungsängste. Nicht erst seitdem [13][Prinz Harry mit seinem
       Nazi-Kostüm] für einen Skandal sorgte sind dort Führer-Kostüme beliebt. Im
       englischen Petersborough kann das Hitler-Kostüm nur im Laden gekauft
       werden. Dafür zeigt [14][das Bild auf der Homepage], worauf man sich nach
       Erwerb freuen kann. Wer es nicht ganz so aufdringlich mag, kann sich auch
       mit einer [15][Hakenkreuz-Armbinde] begnügen oder mit einer
       [16][Gestapo-Verkleidung]. Im Deutschen Shop ist die
       [17][Hitler-Latex-Maske] derzeit nicht verfügbar.
       
       Man kann mit Klischees im Karneval kreativ spielen, selbstironisch sein und
       witzig. Die Tradition, exotische Völker nachzuempfinden birgt aber nicht
       erst seit der N-Wort- und der Blackfacing-Debatte die Gefahr, Grenzen zu
       überschreiten. Viele fühlen sich verletzt von Ethno-Verkleidungen die
       rassistische Stereotype bemühen. Letztlich sind Türken-, Afrikaner- und
       Zigeunerkostume vor allem eines: geschmack- und phantasielos.
       
       Man sollte sich – ausnahmsweise – ein Vorbild an den USA nehmen (bis auf
       ihr Hitler-Faible und vereinzelte Ausrutscher wie
       Ku-Klux-Klan-Verkleidungen). Denn dort sind Halloween-Kostüme meist
       [18][deutlich kreativer], spezieller, bunter, aufwändiger als die, die bald
       wieder in Köln, Düsseldorf und Mainz zu sehen sein werden.
       
       5 Feb 2014
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.xn--kostme-6ya.com/produkt/afrikaner-kostuem-fuer-herren.html?gclid=CPiV3rT-tLwCFdQPtAodTTIAZQ
 (DIR) [2] http://www.palast-der-spiele.de/Zulu-Set-Kostuem-Afrikaner-Kanibale-Urwaldmensch?gclid=CK337rT_tLwCFdHLtAodbnoA0A
 (DIR) [3] http://netzspielzeug.de/Afro-Peruecke-Steinzeit-mit-Knochen-Afroperuecke-Afrikaner
 (DIR) [4] http://www.xn--kostme-6ya.com/produkt/afrikaner-kostuem-fuer-herren.html?gclid=CPiV3rT-tLwCFdQPtAodTTIAZQ
 (DIR) [5] http://wordpress.hate-mag.com/?p=3817
 (DIR) [6] http://www.karneval-megastore.de/html/search.php?query=tucke
 (DIR) [7] http://www.xn--kostme-6ya.com/produkt/gaylord-afro-peruecke-im-wet-look-fuer-herren.html
 (DIR) [8] http://www.karneval-megastore.de/html/product_info.php?products_id=47357
 (DIR) [9] http://www.karneval-megastore.de/html/product_info.php?products_id=36845
 (DIR) [10] http://fasching-de.buttinette.com/shop/artikelsuchen-DE-de-FA/-(50666,69588,63100)/Originelles-Kostuem-Mustafa-63100.htm?sucheurl=%2FErwinMueller%2FSearch.ff%3Fquery%3Dt%25FCrke%26filterGeschaeftsfeld%3Dfa%26m%3Dbu_de%26productsPerPage%3D20%26xml%3Dtrue
 (DIR) [11] http://www.partyposten.de/kostuum-taliban.html
 (DIR) [12] http://www.palast-der-spiele.de/Scheich-Turban-Kopfbedeckung-Kostuem-Scheich?gclid=CIO9x6KQtbwCFWcUwwodX3gAmQ
 (DIR) [13] http://news.bbc.co.uk/2/hi/4170083.stm
 (DIR) [14] http://www.thepartyshopsuperstore.com/hire/military-uniforms/nazi-officer
 (DIR) [15] http://www.mooncostumes.com/item/5897
 (DIR) [16] http://www.partyworld.ie/Mens-Fancy-Dress/Gestapo-Officer-Costume/3134C/
 (DIR) [17] http://www.karneval-universe.de/karnevalsmasken/schaumlatex-masken/adolf-hitler-politikermaske.html
 (DIR) [18] http://thedesigninspiration.com/articles/35-best-halloween-costumes-of-all-time/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Paul Wrusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Fasching
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Sexismus
 (DIR) Karneval
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Ku-Klux-Klan
 (DIR) Karneval
 (DIR) Karneval
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Komiker
 (DIR) Detroit
 (DIR) Quenelle
 (DIR) Schwerpunkt Neonazis
 (DIR) Fremdenfeindlichkeit
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Urteil zum „Sinterklaas“-Fest: Rassismus abschminken
       
       Seit Jahren wird in den Niederlanden gestritten, ob der Nikolaus-Helfer
       „Zwarte Piet“ eine rassistische Karikatur ist. Ein Gericht urteilte nun: Er
       ist es.
       
 (DIR) Vorurteile gegen Minderheiten: Feindbild Roma und Sinti
       
       Sinti und Roma in Deutschland sind die Minderheit, die auf die größte
       Ablehnung stößt. Menschenrechtler fordern deutlich mehr Schutz.
       
 (DIR) Neuer Roman von Toni Morrison: Lächelnde Krieger und ihre Dämonen
       
       In Toni Morrisons „Heimkehr“ steckt der Feind überall. Im Ku-Klux-Klan, in
       der eigenen Familie und in der Duldsamkeit gegenüber den Tätern.
       
 (DIR) Prinz Eddi I über Karneval in Berlin: „Jetzt haben wir keinen Umzug mehr“
       
       Weil die Behörden nicht mitspielten, gehört in der Hauptstadt der
       Straßenkarneval der Vergangenheit an. Ist der amtierende Karnevalsprinz
       froh darüber?
       
 (DIR) Karneval in Köln: Flugblätter statt Kamelle
       
       Die „Pappnasen Rotschwarz“ laufen am Rosenmontag vor dem offiziellen Zug
       durch Köln. Statt „Witzischkeit“ treibt sie der politische Protest um.
       
 (DIR) Sprache und Rassismus: Das Wort, das man nicht sagen darf
       
       Marius Jung denkt, man darf über alles lachen. In seinem Buch nimmt er sich
       der sogenannten N-Wort-Debatte an und plaudert aus dem Nähkästchen.
       
 (DIR) Digitale Diskriminierung bei Airbnb: Verstecke deine Hautfarbe!
       
       Eine Studie behauptet, dass die Online-Wohnungsplattform Airbnb Rassismus
       begünstigt. Doch die Datengrundlage der Forscher ist dünn.
       
 (DIR) Französischer Humorist Dieudonné: Tourneeauftakt verboten
       
       Absage in letzter Minute: Der umstrittene Komiker Dieudonné durfte nun doch
       nicht auftreten. Das letzte Wort über den Rest der Tournee ist aber noch
       nicht gesprochen.
       
 (DIR) Aktivistin über White Panther: „Unser Kampf hat sich gelohnt“
       
       Leni Sinclair ist Chronistin von Jazz und Rock ’n’ Roll und arbeitete für
       die Band MC5. Gespräch über „Howl“ als Erkennungszeichen und die heilende
       Kraft von Marihuana.
       
 (DIR) Nicolas Anelkas „Quenelle“-Gruß: „Schockierende Provokation“
       
       Muslimische und jüdische Gemeinden sind über die als antisemitisch geltende
       Geste des Fußballers erzürnt. Der Europäische Jüdische Kongress fordert
       eine Sperre für ihn.
       
 (DIR) Landesweiter Protest in Schweden: „Von Neonazi-Banditen tyrannisiert“
       
       Nach dem brutalem Angriff auf eine Demonstration gibt es in Schweden eine
       Protestwelle. Forscher warnen vor Neonaziterror wie in den 90er Jahren.
       
 (DIR) Rassismus in Stuttgart: Hassmails gegen Multikulti-Fest
       
       Zuerst sagte ein Stuttgarter Gymnasium sein „Fest der Werte“ wegen
       rassistischer Drohungen ab. Nun wurde am letzten Schultag doch noch
       gefeiert.
       
 (DIR) Rassismus in Thüringen: 42 Prozent fühlen sich „überfremdet“
       
       Es leben nur 2,3 Prozent Ausländer in Thüringen, aber 42 Prozent der
       dortigen Bevölkerung haben Angst vor ihnen. Das zeigt eine aktuelle
       Untersuchung der Uni Jena.