# taz.de -- Verfassungsstreit in DR Kongo: Präsident Tshisekedi will länger regieren als erlaubt
> Kongos Regierung will die geltende Verfassung neu schreiben und wegen des
> Krieges auch die nächsten Wahlen absagen. Die Opposition ist entsetzt.
(IMG) Bild: „Wenn das Volk mich will …“: Kongos Präsident Félix Tshisekedi vor der Hauptstadtpresse in Kinshasa, 6. Mai
Es sind die am schlechtesten gehüteten Geheimnisse der Demokratischen
Republik Kongo: die nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Ende
2028 werden nicht stattfinden. Präsident Félix Tshisekedi, dessen zweite
und letzte gewählte fünfjährige Amtszeit dann enden soll, wird länger im
Amt bleiben als erlaubt. Und die geltende Verfassung aus dem Jahr 2006,
damals das Fundament der kongolesischen Nachkriegsordnung, wird in ihrer
bestehenden Form nicht überleben.
Spätestens seit der [1][Pressekonferenz von Präsident Tshisekedi am 6. Mai]
ist alles klar. „Wenn wir diesen Krieg nicht beenden können, kann man
leider 2028 keine Wahlen organisieren“, sagte der Staatschef vor
Journalisten in der Hauptstadt Kinshasa unter Bezug darauf, dass der
Großteil der Bevölkerung in den ostkongolesischen Provinzen Nord- und
Süd-Kivu unter Herrschaft der Rebellenbewegung M23 (Bewegung des 23. März)
lebt.
Anders gesagt: Solange der Krieg andauert, bleibt Tshisekedi Präsident. Und
selbst bei Neuwahlen, bei denen er eigentlich nicht mehr antreten dürfte,
könnte das so bleiben: „Ich bitte nicht um eine dritte Amtszeit. Aber wenn
das Volk möchte, dass ich eine dritte Amtszeit bekomme, nehme ich das an“,
sagte der Staatschef. Die dafür nötige Verfassungsänderung, präzisierte er,
„wird niemals ohne das Volk stattfinden, also per Referendum“.
Wie ein Verfassungsreferendum möglich sein soll, wenn Wahlen unmöglich
sind, gehört zu den vielen offenen Fragen seit dieser Pressekonferenz. Das
politische Lager des Präsidenten trommelt aber schon längst für eine neue
Verfassung. Eine Debatte im Regierungslager über eine mögliche Nachfolge
Tshisekedis als Präsident gibt es nicht, weil sowieso klar ist, dass er
bleibt.
## Die geltende Verfassung ist eindeutig
Die Vorbereitung der nächsten Wahlen kommt nicht voran: Eine Revision der
Wählerlisten steht in den Sternen, die Wahlkommission ist weitgehend
handlungsunfähig, seit ein Großbrand an ihrem zentralen Lager in Kinshasa
am 20. November 2025 [2][den Großteil ihrer elektronischen Geräte
zerstörte].
Am 20. April lancierte Tshisekedis Parteienbündnis USN (Heilige Union der
Nation) eine [3][einmonatige „Konsultation“] über mögliche
Verfassungsänderungen. Eine dritte Amtszeit des Präsidenten wird dabei
immer wieder genannt. Das geht nur mit einer komplett neuen Verfassung.
[4][Die geltende Verfassung] schließt eine dritte gewählte Amtszeit nicht
nur aus – laut Artikel 220 ist es auch nicht gestattet, diese Klausel
überhaupt zu verändern. Artikel 219 verbietet zudem jede Verfassungsreform
zu Zeiten von Krieg oder Ausnahmezustand, was derzeit der Fall ist.
Oppositionspolitiker sind nun entsetzt. Die Partei „Ensemble“ des
mittlerweile exilierten wichtigsten Gegenkandidaten Tshisekedis bei den
letzten Wahlen 2023, Moïse Katumbi, warf Tshisekedi „Hochverrat“ vor und
verlangte seine Amtsenthebung und Anklage. Der ehemalige
Tshisekedi-Verbündete Jean-Marc Kabund nannte den Auftritt des Präsidenten
„einen düsteren Tag für unser Land“ und rief die Kongolesen auf, „sich zu
erheben und das Land zu retten“.
## Tshisekedi-Lager reagiert hart auf Oppositionsbündnis
„Retten wir Kongo“ ist auch der Name des Oppositionsbündnisses von
Expräsident Joseph Kabila, der mittlerweile bei den M23-Rebellen in Goma im
Osten des Landes lebt und von der Militärjustiz in Kinshasa in Abwesenheit
zum Tode verurteilt worden ist. Teile der Opposition sowie die Rebellen
sehen sich nun als Verteidiger der Verfassung gegen Kongos Regierung.
Das Tshisekedi-Lager reagiert darauf hart. Am Montag [5][kündigte das
Justizministerium an], fortan gegen jede Kritik am Präsidenten im Internet
strafrechtlich vorzugehen. Der Sitz von Kabilas mittlerweile verbotener
Partei PPRD (Volkspartei für Wiederaufbau und Demokratie) in Kinshasa ging
am 4. Mai bei einer Demonstration von Regierungsanhängern [6][in Flammen
auf]. Am 9. Mai wurde der [7][Sitz der Partei LGD] (Leadership und
Regierungsführung für Entwicklung) von Kabilas ehemaligem Premierminister
Augustin Matata Ponyo verwüstet.
11 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=f3YIl7EYOrw
(DIR) [2] https://x.com/cenirdc/status/1991966201468403727
(DIR) [3] https://actualite.cd/2026/04/20/rdc-lunion-sacree-de-la-nation-passe-loffensive-et-lance-des-consultations-nationales-en
(DIR) [4] https://www.leganet.cd/Legislation/JO/2011/JOS.05.02.2011.pdf
(DIR) [5] https://x.com/wembi_steve/status/2053809765491298721/photo/1
(DIR) [6] https://www.radiookapi.net/2026/05/05/actualite/politique/le-siege-du-pprd-incendie-lors-dune-marche-de-ludps-kinshasa
(DIR) [7] https://ouragan.cd/2026/05/lgd-sen-prend-a-la-force-du-progres-apres-lattaque-de-son-siege
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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