# taz.de -- Sowjetnostalgie in Russland: Putin ehrt Organisator des „Roten Terrors“
> Feliks Dzierżyński hatte bis zu 250.000 Menschen auf dem Gewissen. Grund
> genug für Putin, die Akademie des Inlandsgeheimdiensts nach ihm zu
> benennen.
(IMG) Bild: Feliks Dzierżyński, Gründer und von 1917 bis 1926 Leiter der bolschewistischen Geheimpolizei Tscheka
Russlands Präsident Wladimir Putin hat der Akademie des russischen
Inlandsgeheimdienstes FSB einen neuen „Ehrennamen“ verpasst. Künftig wird
die zentrale Ausbildungseinrichtung für Offiziere des FSB und anderer
russischer Spezialdienste „Feliks-Dzierżyński-Akademie“ heißen. Das gab
jetzt der Kreml bekannt.
Der polnisch-sowjetische Berufsrevolutionär Dzierżyński (1877–1926) war
Gründer der [1][bolschewistischen Geheimpolizei Tscheka] und einer der
Hauptverantwortlichen der „roten“ Terrorherrschaft nach der russischen
Oktoberrevolution Ende 1917. Schätzungen zufolge wurden unter seiner Ägide
allein in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit zwischen 50.000 und
250.000 Menschen ermordet.
In einer Mitteilung zur Umbenennung der Akademie feiert der Kreml den
„herausragenden Beitrag Feliks Dzierżyńskis zur Gewährleistung der
Staatssicherheit“. Die Umbenennung sei eine „Anerkennung“ für die
„Leistungen des Personals der Akademie bei der beruflichen Ausbildung“ von
Geheimdienstleuten.
## Relativierung des Staatsterrors
Der Schritt reiht sich ein in die Bemühungen des Kremls, den Staatsterror
während der Sowjetzeit – insbesondere unter der Herrschaft von Josef Stalin
– [2][zu relativieren] und zugleich das kritische Erinnern an die Diktatur
zu kriminalisieren. Seit Jahren werden Gesetze verschärft, die eine
„Verfälschung der Geschichte“ unter Strafe stellen.
In diesem Zusammenhang wurde in Russland Anfang April auch die mit dem
Friedensnobelpreis geehrte [3][Menschenrechtsorganisation Memorial
verboten]. 1989 gegründet, arbeitete Memorial über fast vier Jahrzehnte
lang verschwiegene Verbrechen der Stalin-Zeit auf. Die Organisation
sammelte Namen und Daten zu Lagerhäftlingen, legte Archive an, kümmerte
sich um Überlebende und half Angehörigen bei Recherchen.
Schon 2016 wurde Memorial als sogenannter ausländischer Agent gebrandmarkt.
2021 wurden die zentralen Strukturen in Moskau durch einen umstrittenen
Gerichtsbeschluss aufgelöst, viele Mitarbeiter:innen ins Exil
gedrängt. Nun ist ganz Schluss. Der Vorwurf: Extremismus.
Dafür wird Feliks Dzierżyński rehabilitiert. Nachdem vor zweieinhalb Jahren
bereits vor dem Sitz des russischen Auslandsgeheimdienstes eine neue Statue
Dzierżyńskis enthüllt wurde, wird jetzt also die FSB-Schule „geehrt“. Die
1992 gegründete Akademie ging aus der Fusion der Akademie der Grenztruppen
mit der Höheren Schule des KGB der Sowjetunion hervor. Auch Letztere trug
bis dahin den Namen Feliks Dzierżyński.
24 Apr 2026
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## AUTOREN
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